Zementindustrie mit verhaltenem Ausblick

10. Mai 2012, 12:51
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Im Vorjahr gab es ein Plus von 4,1 Prozent beim Umsatz, im ersten Quartal 2012 setzte es aber ein deutliches Minus

Eine gedämpfte Baunachfrage, der Rückgang des Wohnbaus und die Verzögerung von Infrastrukturbauten stellen die Zementindustrie vor Probleme. Im Jahr 2011 konnte die Produktion zwar gegenüber 2010 um 4,1 Prozent auf 4,43 Millionen Tonnen bzw. einen Jahresumsatz von 394 Millionen Euro gesteigert werden, den Wert von 2008 erreichte man damit jedoch bei weitem nicht. Für das laufende Jahr wagt Rudolf Zrost, Vorstandsvorsitzender der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ), noch gar keine Prognose, denn im ersten Quartal gab es einen deutlichen Rückgang von 17 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Zwischen 2008 und 2010 sank die Produktion um 20 Prozent, von 5,3 auf 4,3 Millionen Tonnen. Der Umsatz fiel in diesem Zeitraum von 457 auf 378 Millionen Euro.

Bauproduktion im Euro-Raum negativ

Im Euro-Raum werde die Bauproduktion heuer laut dem Netzwerk "Euroconstruct" um 0,3 Prozent zurückgehen. Die europäische Bauwirtschaft schrumpft damit das fünfte Jahr in Folge. Für Österreich wird ein mäßiges Wachstum der Bauwirtschaft von 0,7 Prozent prognostiziert.

"Unsere Bauleistung fand in den letzten Jahren auf sehr hohem Niveau statt", sagt Zrost. "Jetzt ist die Regierung dabei den Staatshaushalt zu konsolidieren, das hinterlässt Spuren. Wir rechnen heuer mit einer Kürzung der Ausgaben für Infrastrukturmaßnahmen um bis zu 25 Prozent."

Hoffnung auf Beton zum Heizen und Kühlen

Einen Hoffnungsmarkt sehen die Zementhersteller im Einsatz von Beton als Energiespeicher. Durch thermisch aktivierte Betonbauteile an den Wänden, Decken und Böden könne man ganze Gebäude gleichmäßig beheizen und kühlen, ohne zusätzliche Heizkörper oder Klimaanlagen. Möglich sein soll das durch ein Leitungssystem zwischen den Bauteilen. Je nach Jahreszeit soll darin kaltes oder warmes Wasser fließen und so gleichmäßig für angenehme Temperaturen sorgen. Eine Fläche von 600 Quadratmetern könne man so für 60 Euro im Monat beheizen. Einfamilienhäuser hätten Heizkosten von 300 bis 400 Euro im Jahr.

Die Errichtungskosten seien nicht höher als bei herkömmlichen Heizsystemen, sagte Felix Friembichler, Geschäftsführer der VÖZ. In einigen Supermärkten sei das neue System bereits im Einsatz. "In fünf bis zehn Jahren wird das zur Standardbauweise", glaubt Friembichler. Er sieht besonders in der Möglichkeit zum Kühlen einen Vorteil. Notwendig seien allerdings moderne Dämmungen.  (red/APA, 10.5.2012)

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    Zwischen 2008 und 2010 brach die heimische Zementproduktion um 20 Prozent ein.

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