Forscher realisieren Metaflüssigkeit mit einmaligen Eigenschaften

10. Mai 2012, 12:09
  • Pentamode-Metamaterialien verhalten sich annähernd wie  
Flüssigkeiten. Ihre erstmalige Herstellung eröffnet  neue Möglichkeiten in der Transformationsakustik.
    vergrößern 600x408
    foto: cfn, kit

    Pentamode-Metamaterialien verhalten sich annähernd wie Flüssigkeiten. Ihre erstmalige Herstellung eröffnet neue Möglichkeiten in der Transformationsakustik.

  • Das stabile Vierbein (hier orange eingefärbt) ist das Grundelement des Pentamode-Metamaterials. Es wird so zu einem dreidimensionalen diamantartigen Kristall angeordnet, dass sich das daraus resultierende Material insgesamt verformen lässt.
    vergrößern 600x400
    foto: cfn, kit

    Das stabile Vierbein (hier orange eingefärbt) ist das Grundelement des Pentamode-Metamaterials. Es wird so zu einem dreidimensionalen diamantartigen Kristall angeordnet, dass sich das daraus resultierende Material insgesamt verformen lässt.

Pentamode-Metamaterial für Einsatz in der Transformationsakustik - Grundlagen für akustische Tarnkappen

Deutschen Wissenschaftern ist es gelungen, den Prototypen einer völlig neuen Materialklasse zu realisieren. Das sogenannte Pentamode-Metamaterial, eine standfeste kristalline Metaflüssigkeit, wurden mit neuartigen Methoden der Nanostrukturierung hergestellt und verfügt über zuvor in dieser Form unerreichte mechanische Eigenschaften. Haupteinsatzgebiet dieser Metaflüssigkeit ist die Transformationsakustik, auf deren Grundlage künftig akustische Tarnkappen, akustische Prismen oder bislang völlig neue Lautsprecherkonzepte Realität werden könnten. Das Forschungsteam um Martin Wegener am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat ihre Ergebisse in der der Fachzeitschrift "Applied Physics Letters" veröffentlicht.

"Pentamoden" waren zuvor nur ein rein theoretisches Konzept, das 1995 von Graeme Milton und Andrej Cherkaev vorgeschlagen wurde. Das mechanische Verhalten von Materialien wie Gold oder Wasser wird dabei durch Kompressions- und Scherkenngrößen zusammengefasst. So lässt sich beispielsweise Wasser in einem Zylinder kaum zusammenpressen, dieses Verhalten beschreibt die Kompressionskenngröße, aber es lässt sich mit einem Löffel in alle Richtungen umrühren, dieses Verhalten wird durch die Scherkenngrößen charakterisiert.

Mechanische Eigenschaften von Wasser reproduziert

In Fall von Wasser sind die fünf - Penta im Altgriechischen - Scherkenngrößen gleich null, und nur eine Kenngröße, die Kompression, ist von null verschieden. Der Idealzustand eines Pentamode-Metamaterials entspricht den Kenngrößen von Wasser, weshalb das Material auch als Meta-Flüssigkeit bezeichnet wird. Über eine Variation der Kenngrößen ist man theoretisch in der Lage, Material mit allen denkbaren mechanischen Eigenschaften herzustellen.

"Die Realisierung eines Pentamode-Metamaterials ist in etwa so schwierig, als würde man versuchen, ein Gerüst aus Stecknadeln aufzubauen, die sich nur an den Spitzen berühren dürfen", erklärt Muamer Kadic, Erstautor der Veröffentlichung. "Der Karlsruher Prototyp wurde aus einem Polymer gefertigt. Das mechanische Verhalten des Materials wird darüber bestimmt, wie spitz und wie lang die einzelnen Zuckerhüte sind. Wir müssen einerseits in der Lage sein, kleine Zuckerhüte im Nanometerbereich zu konstruieren und im richtigen Winkel zu verbinden, andererseits soll die Gesamtstruktur am Ende möglichst groß sein. Das Material selbst nimmt nur etwas mehr als 1% des Körpervolumens ein, sodass das resultierende Komposit extrem leicht ist."

Herstellung per Laser

"Die Transformationsakustik ist ausschließlich auf Metamaterialien angewiesen, um ähnliche Ergebnisse wie in der Transformationsoptik für den dreidimensionalen Raum zu erzielen. Entsprechend bedeutend ist die erstmalige Herstellung unseres Pentamode-Metamaterials", ergänzt Tiemo Bückmann, Diplomand am Institut für Angewandte Physik, der für die Realisierung der Strukturen des neuen Materials mit Hilfe der Technik des Dip-In‘-Laserschreibens verantwortlich ist. Sie ist eine Weiterentwicklung der Technik des Direkten Laserschreibens durch das Unternehmen Nanoscribe GmbH.

Martin Wegener, Professor am Institut für Angewandte Physik und Koordinator des DFG-Centrums für Funktionelle Nanostrukturen (CFN), entwickelte in den vergangenen Jahren mit seinen Mitarbeitern das Direkte Laserschreiben und etablierte damit die optische Lithografie dreidimensionaler Nanostrukturen. Dieser Technik sind zahlreiche Errungenschaften der Gruppe in der Transformationsoptik zu verdanken, wie die erste dreidimensionale Tarnkappe im Bereich von sichtbarem Licht. (red, derstandard.at, 10.5.2012)

Kommentar posten
17 Postings
Transformationsakustik

eine Google Suche fördert nur ungezählte wortgleiche Kopien des Standardartikels (besser: der Presseaussendung) zu Tage. Gibt es dieses Wort sonst noch wo im Internet?

welche Woerte davon sind nun von der Standard Redaktion

http://is.gd/jlVnhc

Wer hats von wem angeschrieben?

mir fehlen auch die Woerte...

Irgendwie fehlt die Info

woraus das neu entwickelte Pentamode-Metamaterial ist, und was nun der Vorteil gegenüber Wasser (das ja als Idealzustand eines Pentamode-Metamaterials bezeichnet wird) ist ... nur das Gewicht ?

und wo ist der Zeitfaktor eingebaut, in den Scherkenngrößen ? Fensterglas hat ja angeblich auch flüssigkeitseigenschaften und ist umrührbar ... nur halt bei Zimmertemperatur sehr langsam^^

Bitte nochmals lesen:

""Der Karlsruher Prototyp wurde aus einem Polymer gefertigt ... "

dna, plastiksackerl, stärke, peg, cellulose, peptide,... ?

welches davon solls sein ?

das wort polymer ist aber nicht sonderlich spezifisch

hm.

was genau ist hier mit transformationsakustik gemeint? ATRAC? fourier transformation-akustik (ohne s)?

was darf man sich unter einer akustischen "tarnkappe" vorstellen? und unter akustischen prismen?

googlen hilft nix, da komm ich nur zur presseaussendung vom KIT und zu einigen weiteren copy paste news...

Hört sich interessant an,

trotzdem hab ich absolut keine Ahnung, worum es geht :-(

Und wann kommt jetzt endlich der Arkonstahl?

Ich wart jetzt schon bald 40 Jahre drauf...

Das heisst bei uns Terkonit

Bitte den Quellenlink anpassen. Derzeit wird einem mit dem Quellenlink der Zugang zum Paper verwehrt, auch wenn man eigentlich eingeloggt ist (am Besten gleich den DOI verwenden, dann passieren solche Pannen wie das überflüssige "?isAuthorized=no" gar nicht).

Hier ist der Link zum Preprint auf ArXiv:

http://arxiv.org/abs/1203.1481

Das ganze Paper ist dort frei lesbar. Ich weiß leider nicht, wieso der Standard nur sehr selten Links zu ArXiv anbietet, obwohl dort die meisten Papers auch veröffentlicht werden und zwar mit freien Zugang.

Danke - hochinteressant!

auf der anderen seite

ist die herstellung viel leichter, als einem unserer politiker/innen ein wahre, ehrliche und selbstgedachte aussage zu entlocken.....

ah, also ist das herzustellen in etwa so schwer, wie hundert fußbälle in der größe eines apfels mit stricknadeln zu nähen?

iphone hats noch vergessen!
haha... hihi... hoho... hühü...

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.