Spar-Stickeralbum ist verbotene Kinderwerbung

10. Mai 2012, 11:30
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Verbraucherschützer hatten auf Unterlassung geklagt und recht bekommen

Wien - Die Supermarktkette Spar ist wegen verbotener Kinderwerbung gerichtlich verurteilt worden. Wie der Verein für Konsumenteninformation (VKI) am Donnerstag berichtete, hatten die Verbraucherschützer wegen einer Kaufaufforderung für ein Stickersammelbuch ("Hol dir hier das Buch dazu") auf Unterlassung geklagt und recht bekommen. Das Urteil ist laut VKI nicht rechtskräftig.

Die Werbeaussagen für das Sammelalbum von Spar richten sich nach Angaben der Konsumentenschützer "direkt an Volksschulkinder und stellen eine unzulässige direkte Kaufaufforderung und damit verbotene aggressive Werbung dar". Das Oberlandesgericht (OLG) Linz habe nun ein entsprechendes Unterlassungsurteil des Landesgerichtes Salzburg bestätigt und eine ordentliche Revision nicht zugelassen.

"Die Entdeckungsreise zu den Wüsten und Steppen beginnt! Hol Dir das Buch dazu" lautet laut VKI die Überschrift; darunter sei zu lesen: "Stickersammelbuch zum Sensationspreis Euro 1,99". Dazu die Zeichentrickfigur Garfield, der neben einer mit Stickern gefüllten Schatztruhe inmitten einer Wüstenlandschaft lehnte. 2.500 solcher Plakate seien an 1.400 Standorten der Spar-Filialen aufgestellt worden, hieß es in einer Aussendung. Dazu kamen Postwurfsendungen mit der Aufforderung: "So wird dein Stickersammelbuch voll: Blaue Sticker-Briefchen um nur Euro 0,50 kaufen.". Eltern erhielten darüber hinaus bei jedem Einkauf ab zehn Euro ein grünes Sticker-Briefchen gratis dazu.

Begründung

Der VKI dazu: "Die EU-Richtlinie gegen Unlautere Geschäftspraktiken enthält eine Liste von absolut verbotenen Werbemethoden. In Umsetzung der Richtlinie ist gemäß Ziffer 28 des Anhanges zum Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) eine direkte Aufforderung an Kinder in der Werbung, die beworbenen Produkte zu kaufen oder ihre Eltern oder andere Erwachsene zu überreden, die beworbenen Produkte für sie zu kaufen, unter allen Umständen verboten. Spar wollte dem Gericht weismachen, dass sich diese Werbung an Erwachsene - insbesondere an Lehrer, Pädagogen und Eltern - und nur im 'untergeordnetem Ausmaß' an Kinder richte."

Das OLG Linz habe nunmehr als Berufungsgericht geurteilt, dass hier eine aggressive und unlautere Geschäftspraxis vorliege, die zu unterlassen sei. Die Firma Spar spreche mit dieser Werbung vor allem Schulkinder, jedenfalls aber unmündige Minderjährige an.

Laut Spar handle es sich bei der betroffenen Werbung um einen "ganz kleinen Teil der Werbung für die 2. Stickermania, nämlich nur um 2.500 kleine Plakate, die ausschließlich in den SPAR-Märkten angebracht waren", so das Unternehmen. Der Rest der gesamten Werbekampagne für die 2. Stickermania im Winter 2011 "Wüsten und Steppen" sei nicht betroffen. (APA, 10.5.2012)

Nachlese

Verbotene Kinderwerbung mit Stickersammelbuch - Landesgericht Salzburg gibt einer Verbandsklage gegen Spar statt

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