Hermèstuch trifft Rennoverall

"Porsche Live" ist das größte Kundenevent der Firmenhistorie. Ein solches muss natürlich auf einer Rennstrecke stattfinden. In Spielberg

Auf dem Parkplatz vor dem Ringgebäude nimmt sich der Fahrtrainer kein Blatt vor den Mund. Was auf den ersten Blick aussieht wie eine Familienfeier von Pylonen, entpuppt sich als Handlingstrecke. "Das war gar nichts. Noch einmal. Du musst mit Gefühl lenken und ebenso Gas geben."

Mit wenigen Tipps schafft er es, die Rundenzeit eines jeden Teilnehmers fast zu halbieren. Ob das draußen am Red Bull Ring auch funktioniert, wo sich 911er, Panameras und echte Exoten von Instruktoren begleitet über die Piste hetzen lassen?

"Porsche Live" ist die größte Veranstaltung, die Porsche Austria je für seine bestehenden und künftigen Kunden organisiert hat. Von 3. bis 6. Mai wurde Spielberg zu Zuffenhausen. Vom Fahrtechnik- und Ringtraining übers freie Fahren und Geländerunden mit dem Cayenne bis hin zu Testrunden in der Umgebung mit allen aktuellen Porsche-Modellen reichte das Angebot. Ganze neun Module hat Porsche aufgebaut.

In Spielberg, wo sich vor ein paar Jahren noch Fuchs und Hase gute Nacht gesagt haben, treffen bei Porsche Live Hermèstücher auf Rennoveralls und nasse Bock - anders kann man die Schuhe jener wirklich nicht mehr nennen, die nach dem Platzregen im Offroad-Gelände unterwegs waren, statt in einem Cayenne zu sitzen.

Alles passt

Wir nutzen die Gelegenheit und schnappen uns einen neuen Boxster S, um ihn übers Gaberl zu treiben. Die Bergstrecke hat sich bei Motorradfahrern bereits als heimliche Sonderprüfung einen Namen gemacht. Der Boxster scheint speziell auf die Strecke hingebaut worden zu sein. Das straffe Fahrwerk und der martialische Antritt passen zur nassen Straße, die jetzt richtig anspruchsvoll ist. Die Verarbeitung passt bis ins letzte Detail, und der Ausblick auf die idyllische Landschaft, der passt auch.

Die Anrainer sind inzwischen hart im Nehmen. Ziehen doch jedes Wochenende unzählige Motorräder über den Berg - und oft auch einmal die Rettung. Niemand reckt da mehr den Kopf, wenn ein Zuffenhausener vorbeidonnert. Und das sind an diesen drei Tagen doch einige.

Große Augen gibt es dafür in der Boxengasse. Nicht wegen der 911er und Panameras, die immer wieder auf ein Schluckerl Benzin oder zum Auskühlen vorbeischauen. In einer der Boxen hat das Porsche-Museum eine kleine Leistungsshow eingerichtet. Da steht ein Rallye-911er, der auf seinen hohen Stelzen wie der Urahn des Cayenne wirkt. Daneben glänzt der Porsche RS Spyder, der 2006 ganze acht von zehn Rennen der American Le Mans Series gewann. Wenige Zentimeter weiter protzt ein 917er mit seinen 1100 PS.

Wir haben genug gesehen von dem, was wir uns nie in die Garage stellen werden können - und kehren zurück zu unserem witzigen, charmanten, grundehrlichen Instruktor am Handling-Parcours. Am Steuer des Boxster S lässt er uns noch ein paar Runden trainieren, zur Optimierung der persönlichen Bestzeit. (Guido Gluschitsch, Automobil, DER STANDARD, 11.5.2012)

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