Atletico Madrid im Finale zu stark für Bilbao

Tom Schaffer, 9. Mai 2012, 23:17
  • Falcao krönte sich mit zwei Treffern zum Torschützenkönig der Europa League.
    foto: apa

    Falcao krönte sich mit zwei Treffern zum Torschützenkönig der Europa League.

Souveränes 3:0 beendet in Bukarest baskische Träume - Falcao krönt sich mit zwei Treffern zum Torschützenkönig

Bukarest - Man wusste es die ganze Saison über: Alles läuft auf ein spanisches Finalduell hinaus. Nur im Bewerb haben sich wohl die meisten getäuscht. Real Madrid und der FC Barcelona sollten in München um die europäische Krone spielen. Daraus wurde nichts. Nun rauften stattdessen die Athletiker von Madrid und Bilbao in Bukarest um den Titel des kleineren Bewerbs. Der Clou dabei gelang den Hauptstädtern, die vor über 52.000 Zusehern mit einer kaltschnäuzigen Vorstellung einen 3:0-Sieg einfuhren.

Zum sechsten Mal standen zwei Teams aus Spanien in einem europäischen Finale – kein anderes Land kann diesen Rekord derzeit toppen. Die nationale Exklusivität ist ein Problem für den UEFA Cup-Nachfolgebewerb. In jüngster Vergangenheit passierte dies praktisch jedes zweite Mal. Dem spanischen Finale 2007 und dem portugiesischen Finale 2011 folgte eben das diesjährige. Das schmälert das Interesse am Endspiel, auch wenn faszinierend attraktive Leistungen von Atletico Madrid und vor allem Athletic Bilbao jedes Interesse verdient hätten. Die baskische Zermarterung des großen Manchester United sei nur exemplarisch genannt.

Rumäniens Fußball, dessen Nationalstadion der Austragungsort der spanischen Titelgewissheit war, kann diesen Funken an Inspiration gut gebrauchen. Der Meister von 2009, Otelul Galati, durfte in dieser Saison mangels Lizenz gar nicht spielen. Vizemeister Timisoara und Gloria Bistita mussten ebenfalls absteigen. Viele Klubs können ihre Spieler nicht bezahlen. Andere Stätten des Sports drohen auseinander zufallen. Dieses Spiel zwischen zwei der traditionsreichsten spanischen Mannschaften, sollte das Land aus der fußballerischen Tristesse reißen.

Taktikfüchse

Auf den Trainerbänken saßen zwei Lenker aus Argentinien. Zumindest rhetorisch, denn die meiste Zeit über fuchtelten Diego Simeone (40) und Marcelo Bielsa (56) am Rande ihrer Coachingzone herum. Die beiden kennen sich schon länger. Der Eine war einmal der Trainer des Anderen, das Alter verrät die Richtung. "Ein Finale ist einmalig und unumkehrbar. Alles was passiert ist endgültig und unveränderbar. Wir wissen alle, dass das eine sehr spezielle Zutat ist", sagte der Ältere im Vorfeld.

"Bilbao ist ein mutiges Team, das keine Angst hat seinen schnellen, direkten, intensiven Stil in jedem Spiel zu probieren", wusste der Jüngere, der seine Bewunderung für Bielsa nicht versteckt. Kapitän Tiago Mendes fehlte bei seinem Team Atletico gesperrt, Silvio verletzt. Ansonsten stand beiden Trainern die Bestbesetzung zur Verfügung und die schickten sie auch erwartungsgemäß auf das Feld.

Der frühe Falcao

In Final-Anfangsminuten ist die Frage immer wieder, wer die Nervosität besser verkraftet. In diesem Fall waren das klar die Madrilenen, die sich schon zu Beginn mehrmals gefährlich dem Tor annäherten. Und wenn der Kolumbianer Radamel Falcao das einmal tut, dann wird's gefährlich. Den Beweis trat er in der siebenten Minute an, als er sich mit einem Übersteiger ein Alzerl Platz verschaffte und den Ball ins Kreuzeck schlenzte. Mit seinem schwächeren linken Fuß, wohlgemerkt.

Plötzlich waren die allerorts rot-weiß gefärbten Fans im Stadion recht einfach einer Mannschaft zuzuordnen. Das 1:0 für Atletico bedeutete auch die Torschützenkrone für Falcao - als erstem Spieler gelang ihm das zweimal in Folge.

Bilbao adoptiert den Ball

Bilbao erholte sich aber recht rasch und kam nun zu mehr Ballbesitz, weil die Führenden aber auch das Pressing deutlich reduzierten. Zu Chancen kam das Bielsa-Team aber selten. Iker Muniain gelang es mit einem Distanzschuss, den 19-jährigen Thibaut Courtois in Schwierigkeiten zu bringen. Fernando Llorente hatte später am Fünfer den Hauch einer Chance, traf in Bedrängnis den Ball aber nicht voll (19.).

Zudem protestierte der Weltmeister zweimal erfolglos, er wäre im Strafraum gehalten worden (10., 25.). Der deutsche Schiedsrichter Wolfgang Stark wollte davon ebenso wenig wissen, wie von einer Roten Karte gegen Ander Herrera, nachdem der den Fuß von Diego unter einem Belastungstest unterzog (22.).

Das Spiel nahm zur Mitte der Hälfte klare Formen an. Atletico verlagerte sich auf Konter - Diego sollte diese schnell einleiten -, Athletic auf die Gestaltung. Doch noch ein Hauch des El Clasicos im Finale.

Falcao nicht zu stoppen

Zwei Drittel Ballbesitz brachten Bilbao wenig, weil sich Fernando Amorebieta einmal zu lange weigerte, den Ball abzuspielen. Ein Madrilene raubte ihn, Ardan Turan tat das einzig Logische. Er suchte und fand Falcao. Der ließ sich abermals mit dem linken Fuß nicht weiter bitten. Die Abwehr tauchte ins Leere, der Ball ins Netz - 2:0 (34.).

Der Mann des Spiels stand damit bereits fest. Noch vor der Pause hätte der Einsatz des Kolumbianers allerdings auch enden können. Bereits gelbbelastet zog er im Duell mit Keeper Gorka Iraizoz alles andere als zurück und trat ihm auf den Oberschenkel. Ob Absicht oder nicht, eine gewisse Gnade des Referees lässt sich nicht leugnen.

Bielsa verändert ohne Effekt

Schon zur Pause änderte Bielsa seine Elf, tauschte Inigo Perez und Ibai Gomez ein. Es schien zu wirken, denn Miranda musste schon nach wenigen Sekunden die erste Chance vereiteln (46.). Doch das war vorerst alles. Atletico fand wieder eine Form, die alle Angriffsbemühungen Bilbaos einzudämmen vermochte. So war es folgerichtig ein Freistoß aus gut 40 Metern, der den nächsten Aufreger erzeugte, doch Chelsea-Leihgabe Courtois war auf dem Posten (59.).

Zur vollen Stunde spielte Bielsa mit Stürmer Toquero seine letzte Karte gegen Simeones optimal eingestelltes Team. Herrera musste vom Platz, vielleicht geschah das auch, um einem Ausschluss vorzubeugen. Doch nun gelang es Bilbao, den Druck zu erhöhen. Nach 70 Minuten verzichtete man sogar einmal auf das ermüdende Kleinwerk durch die Mitte. Der meist unsichtbare Llorente segelte unter einer Flanke durch, Gomez setzte einen Volley über die Latte.

Mit einem Mix aus Supersolo und hartnäckigem Nachsetzen spielte kurz darauf Gomez Oscar de Marcos frei, doch der verzog wiederum ebenso. Gepasst hätte vermutlich ein Schuss aus 20 Metern von Markel Susaeta, doch der wurde zur Ecke abgefälscht (77.). Die größte Chance tat sich wiederum für Susaeta auf, doch Courtois baute sich erfolgreich vor ihm auf (79.).

Diego mit der kalten Schnauze

Atletico tat bis dahin praktisch nichts mehr nach vorne, zeigte sich selbst beim Kontern fast schon uninteressiert lässig. Dann kam Falcao plötzlich im Alleingang zu einem Stangenschuss (80.). Scheinbar motiviert davon versuchte sich auch Diego an einem Solo. Ohne Unterstützung ließ er die Hintermannschaft aussteigen, behielt die Übersicht und traf das lange Eck zum entscheidenden 3:0 (84.). Auf beiden Seiten flossen erste Tränen - solche der Erleichterung und andere der Enttäuschung.

Zwei Geniestreiche und ein individueller Fehler gaben schlussendlich den Ausschlag in einem intensiven und hochklassigen Spiel. Der rekordträchtige zwölfte Bewerbssieg in Folge gereichte Atletico Madrid zum Titel in Bukarest. (Tom Schaffer, derStandard.at, 9.5.2012)

Fußball-Europa-League - Finale:

Atletico Madrid - Athletic Bilbao 3:0 (2:0)

Bukarest, National Arena, 52.347 (ausverkauft), SR Stark/GER

Tore:

1:0 ( 7.) Falcao

2:0 (34.) Falcao

3:0 (84.) Diego

A. Madrid: Courtois - Juanfran, Godin, Miranda, Filipe Luis - Mario Suarez, Gabi - Diego (90. Koke), Adrian (88. Salvio), Arda Turan (93. Alvaro Dominguez) - Falcao

Bilbao: Iraizoz - Iraola, Javi Martinez, Amorebieta, Aurtenetxe (46. Ibai) - Herrera (63. Toquero), Iturraspe (46. Inigo Perez), De Marcos - Susaeta, Llorente, Muniain

Gelbe Karten: Falcao bzw. Herrera, Amorebieta, Susaeta

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Also so viel schlechter war Bilbao nicht. Muniain für seine Verhältnisse zu schwach, aber irgendwie hatte man das Gefühl: der Ball wollte einfach nicht rein. Madrid hatte 4 Topchancen und 3 davon eiskalt verwertet. Falcao - einfach unfassbar der Typ.

Echt?

"Zum sechsten Mal standen zwei Teams aus Spanien in einem europäischen Finale – kein anderes Land kann diesen Rekord derzeit toppen."

CL:
Real-Valencia 2000
UEFA-Cup:
Sevilla - Espanyol 2007

...und weiter?

Dagegen:

UEFA-Cup:
Juventus-Fiorentina 1990
Inter-Roma 1991
Parma-Juventus 1995
Inter-Lazio 1998

CL:
Milan-Juventus 2003

Echt

'
UEFA-Cup (bzw. Vorläuferbewerb):

1961/62 Valencia - Barcelona
1963/64 Zaragoza - Valencia
1965/66 Barcelona - Zaragoza

Also...

...den Messestädtepokal mitzählen, naja.

Der wurde meines Wissens ja auch nicht von der UEFA veranstaltet.

den Messestädtepokal mitzählen

'
wird üblicherweise so gehandhabt.

Der MSP wurde ja auch direkt vom UEFA-Pokal abgelöst.

im supercup (sofern man den denn mitzählen mag) käme noch barca vs sevilla 2006 dazu. sonst find ich aber auch nicht mehr ...

war ein tolles spiel gestern + 3 traumtore, vor allem wir falcao beim 2. tor den ball runternimmt und dann den haken mit der ferse macht - das war "europäische weltklasse" ;-)

der richtige sieger

der sieg hätte ruhig noch höher ausfallen dürfen .... und der blick auf die heulenden baskengfrißa war eine augenweide!

17 Siege (EL-Quali mitgezählt) 1 Unentschieden 1 Niederlage dürfte wohl das beste Ergebnis einer Mannschaft im Europapokal überhaupt sein.

Das kuriose daran ist,...

...dass als Atlético den Bewerb vor zwei Jahren gewann, ihr Ergebnis wohl eins der schlechtesten aller Zeiten für einen Sieger war - 5 Siege, 8 Unentschieden und 4 Niederlagen, Torverhältnis 19:23!

Viva Espana! Gut dass Atletico und nicht die bösen Bilbaoer gewonnen hat.
Auffällig war, dass das wieder ein sehr schnelles und gutes Spiel war. Die EL-Finalies sind meiner Erinnerung nach in den letzten Jahren immer sehr spektakuläre Matches.

pedanten schlafen nie, sie dösen nur

Bilbaoer!?!? mag im dt. morphologisch zulässig sein, aber wie klingt es? ich schlage bilbainer vor, abgeleitet vom sp. adjektiv bibaíno/a. auf baskisch
schreibt sich die stadt bilbo.
die bösen leute dort haben übrigens schöne lieder
( agur jaunak ) formidable kochkünste ( txangurros!!! )
und einen rasanten, eleganten nationalsport
( jai alai ). damit kann einer wie ich schon halbwegs
leben, aber für einen träger gewalzter textilien ist's
wahrscheinlich zuwenig.
ps: ich weiss, es gibt auch einige dort, die gewaltige
nationalistische seelenblähungen haben, aber angeblich soll es die krankheit auch bei mittel-
europäischen bergvölkern geben.

spanisches Finalduell ?

Zumindest in Bilbao sieht man es wohl nicht so. Der FC Bilbao ist ein baskischer Club und nimmt nur Spieler, die entweder gebürtige und wohnhafte Basken sind oder - neuerdings aber erst! - auf baskische Vorfahren verweisen können. Das Endspiel zwischen Spanier und Basken hatte also durchaus Zunder.

totaler schwachsinn. was ist denn ein reiner baske, ein reiner österreicher, ein reiner europäer usw.?

nix gelernt aus der geschichte oder nur die falschen schlüsse gezogen?

Das sollten Sie die Clubleitung von Bilbao fragen, anstatt mich zu beflegeln.

sie sollten geschichte lernen. ein österreicher ist nämlich auch kein deutscher.

und basken und katalanen sind keine spanier...obwohl die derzeit in einem land sind.

spanier sind sie alle, weil sie im spanischen staat leben

innerhalb dessen gibt es noch galizier, basken, kastilier, andalusier, katalanen, valencianer, etc.. nur die basken und katalanen auf der französischen seite sind eben franzosen und basken/katalanen.
ist ein burgenlandkroate oder eine slowenin in kärnten keine österreicherIn?
sind wir nicht alle europäer?

ich hab eben für kleinkariertes denken nix übrig. was ist denn ein reiner baske? ein reiner katalonier? wo ziehen sie die grenze? was ist überhaupt ein spanier?

manche werden's leider wohl nie kapieren :-(

ein volk ist eben mehr als nur eine nation. ihr nationalistisches einfach gestricktes denken ist antiquiert.

Jetzt regen Sie sich ab und erkundigen Sie sich, bevor Sie Ihrer Tobsucht erliegen.

Faktum ist: Athletic Bilbao steht für die Politik, nur Spieler baskischer Herkunft einzusetzen. Entweder werden sie in der eigenen Jugend aufgebaut oder werden von anderen Vereinen aus dem Baskenland abgeworben. Die Spieler müssen aus den baskischen Provinzen Bizkaia, Gipuzkoa, Álava und Navarra (alle Spanien), Labourd, Soule und Nieder-Navarra (alle Frankreich) stammen.

wohin nationaler komplex führt

lehrt uns die geschichte.

Hört sich an wie die Aufnahmekriterien vom FC SS.

Das Baskische ist eine Teilmenge vom Spanischen - wenn man so will sind das die dortigen Tiroler

Das will man so aber nicht, ich zumindest nicht. Sie werden doch zugeben müssen, dass der Vergleich ein bisschen dreist ist, meinen sie nicht?

Das dürften die Basken (die übrigens deutlich in der Mehrheit im Stadion waren) aber anderes gesehen haben. Da wurde das (ziemlich sicher provokant) angestimmte Eviva Espagna nämlich lautstark ausgebuht...

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