95.000 Dollar für eine schöne Aussicht

10. Mai 2012, 05:30
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Eine niederländische Firma will ab 2014 Raumflüge deutlich billiger anbieten als die Konkurrenz, nun sind die Tickets auch in Österreich zu haben

Wien - Der Weltraumtourismus hat seine erste Billigfluglinie: 95.000 Dollar, etwa 73.000 Euro, soll ein Flug bei der niederländischen Firma SXC kosten - etwa so viel wie ein Porsche Boxster S oder sieben Quadratmeter Wohnung in der Wiener Innenstadt. Der derzeit bekannteste Weltraumfluganbieter, Virgin Galactic, verlangt mehr als das doppelte. Seit gestern bietet die Firma ihre Flüge auch in Österreich an, der erste Start ist für April 2014 geplant.

Eine gewisse Exklusivität will man sich trotzdem bewahren: "Schwerelos sein kann heutzutage ja fast schon jeder", sagt Alexander Faßbender, "Certified Space Coach", bei der Vorstellung des Angebots am Mittwoch in Wien. "Ein Blick auf die Erde von oben aber ist ein Erlebnis, das das Leben verändert." Mitfliegen kann jeder, der über 18 ist und weniger als 120 Kilo wiegt.

In vier Minuten will SXC die Kunden mittels zweisitzigen Raumschiffs auf 100 Kilometer Höhe befördern, die offizielle Grenze zum Weltall. Dort gibt es Schwerelosigkeit, getrübt durch den Sicherheitsgurt, und fünf Minuten Zeit, die Aussicht zu bewundern. Vom Süden Kubas bis in den Norden Brasiliens und von Panama bis Französisch-Guayana soll sie reichen. Inklusive Rückflug dauert das Erlebnis eine knappe Stunde. Gestartet werden soll von der Karibikinsel Curaçao, weil dort das Wetter gut ist, sich niemand über den Lärm aufregt und die Klientel einen exklusiven Strandurlaub anhängen kann. Außerdem ist rundherum viel Meer, was den Schaden minimiert, wenn bei der Landung doch etwas schiefgeht. In den kommenden Jahren soll auf der Insel ein eigener Flugplatz samt Spacecenter entstehen. Gesamtkosten des Projekts: 90 Millionen Dollar.

Derzeit wird in Kalifornien der Prototyp zusammengeschraubt, man liege gut im Zeitplan, versichert Faßbender. Ob die 64 Leute, die bereits gebucht haben, ihr Geld zurückbekommen, wenn es nicht klappt? "Da gibt es Regeln, die recht kompliziert sind."

15 Anfragen aus Österreich

Trotzdem ist das Interesse laut SXC groß: Am ersten Tag des Ticketverkaufs sollten Gespräche mit 15 potenziellen Kunden aus Österreich geführt werden. Und nicht nur Privatpersonen haben Interesse an dem Projekt: Ein Partner von SXC ist etwa KLM, die niederländische Fluglinie. Weil es im Weltall keiner Energie mehr bedürfe, um sich sehr schnell fortzubewegen, könne man, sei die Maschine einmal oben, jeden beliebigen Ort der Welt in zwei Stunden erreichen, sagt Faßbender.

Mindestens sieben Unternehmen arbeiten derzeit daran, sogenannte suborbitale Raumflüge (also bis an die Grenze des Weltalls in 100 Kilometer Höhe) anzubieten. Virgin Galactic wollte bereits 2008 Flüge absolvieren, die rund 500 bisherigen Kunden warten bis heute auf den ersten Start. Nur sieben Touristen kamen bisher tatsächlich ins Weltall. Die Firma Space Adventure flog sie gleich für mehrere Tage auf die internationale Raumstation ISS. Sie zahlten dafür allerdings zwischen 25 und 35 Millionen US-Dollar. (Tobias Müller, DER STANDARD, 10.5.2012)

  • Der Prototyp des Raumfliegers Lynx wird derzeit in Kalifornien 
gefertigt. Mit ihm will die Firma SXC ab 2014 viermal am Tag mit einem 
Piloten und einem Passagier an die Grenze des Alls fliegen.
    rendering: sxc

    Der Prototyp des Raumfliegers Lynx wird derzeit in Kalifornien gefertigt. Mit ihm will die Firma SXC ab 2014 viermal am Tag mit einem Piloten und einem Passagier an die Grenze des Alls fliegen.

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