Steirische Subventionsblüten

Geförderter Unternehmer wacht über Fördertopf

Graz - Alles in Ordnung - für die steirische Landesregierung ist die Sache supersauber: Ein großer Unternehmer bekommt vom Land Steiermark wohl dotierte Förderungen - aktuell ist eine Finanzierungshilfe in Form einer stillen Landesbeteiligung in der Höhe von 1,5 Millionen Euro im Gespräch. Und der Chef dieses Unternehmens, ein Vertrauter des ÖVP-Wirtschaftslandesrats Christian Buchmann, sitzt als Aufsichtsorgan in genau jener Landesfördergesellschaft, deren Tochtergesellschaft die Landesförderungen ausschüttet. Der subventionierte Unternehmer wacht also selbst über dem Fördertopf.

Eine Unvereinbarkeit? "Nein, sicher nicht", sagt der Eigentümer der betroffenen Umwelttechnik-Firma Komptech, Josef Heissenberger, "es ist einfach nicht so, dass sich die Firma Komptech die Förderungen selbst zuschiebt." Das Ganze sei "eine politische Geschichte".

Dass ein Unternehmer im Landesunternehmen, das Subventionen vergibt, als Vorsitzender im Aufsichtsorgan eben dieser Wirtschaftsfördergesellschaft (SFG) agiert, darin sieht man auch im Land kein Problem. "Ich sehe darin keinen Konflikt", sagt Robert Niesner, Geschäftsführer der SFG-Tochter Steirische Beteiligungsfinanzierungsgesellschaft, die auch die Förderungen für Heissenbergers Firma abgewickelt hat. Komptech sei ein Vorzeigebetrieb und bekomme "normale Förderungen wie jeder andere auch". Das sieht auch Landesrat Buchmann im Standard-Gespräch so: "Ich sehe keine Unvereinbarkeit. Herr Heissenberger hat ja keine direkte Mitwirkung an der Fördervergabe. Er sitzt im Gremium als wichtiger Experte für das steirische Stärkefeld der Umwelttechnologien. Natürlich hat er aber auch Rechte wie jeder anderer Unternehmer und kann um Förderungen ansuchen. "

"Reine Liebhaberei"

Dass er im Gesellschafterausschuss der Fördergesellschaft sitze sei " reine Liebhaberei", sagt Heissenberger. "Ich wollte dem Land als Experte etwas zurückgeben, aber natürlich frage ich mich jetzt, wozu ich mir das antue, wenn ich nur angeschüttet werde. Die Frage ist, ob man dort Unternehmer haben will, oder nicht."

Als Konsequenz der Debatten werde er für sein Unternehmen eben keine Landesförderungen mehr beantragen. Jene bereits genehmigte stille Beteiligung werde er auch nicht in Anspruch nehmen und sich über ein deutsches Institut kofinanzieren. Ein Rückzug aus der Landesfördergesellschaft komme derzeit aber nicht infrage. Heissenberger: "Das wäre ja ein Schuldeingeständnis." (Walter Müller, DER STANDARD, 10.5.2012)

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21 Postings
schon wieder die övp korruptionspartei

die sich aus dem fördertopf bedient.

schön blauäugig ist die Äußerung, die

der Herr Heissenberger da von sich gibt....
und schon wieder eine nebulose Sache, die da im Dunstkreis vom Herrn LR Buchmann passiert. Welch rein Zufall !

Das wird sich ändern

Spätestens nach der Landtagswahl.

Bezeichnend,jetzt geht es ohne Förderung scheinbar auch.Warum wurde dann um eine Förderung angesucht?
Klar doch,leicht verdientes billiges Geld.
Der Steuerzahler ist wieder der Dumme.
Zustände fast so wie in Tirol.

bitte um Erklärung

Heissenberger sagt es sei reine Liebhaberei - will aber nicht aus dem Gesellschafterausschuss zurücktreten. Da verzichtet er lieber auf Förderung. Ergo muss der Nutzen für die Firma durch den Sitz in der Fördergesellschaft höher sein als eine Förderung (als Geschäftsführer muss er zum Wohle der Firma handeln). Aber wenn das so ist - einerseits Liebhaberei, andererseits bleibt er doch in der Gesellschaft - muss doch noch mehr dahinter stecken. Lieber Standard - bitte um Aufklärung (oder Poster, die es vielleicht erklären können). Oder habe ich etwas falsch verstanden?

es geht hier ja anscheinend nicht um förderung (isv barförderung), sondern um stille beteiligungen.

eine solche wird (wohl) nur dann gewährt werden, wenn ein unternehmen eine gewisse wachstumsstory hat.

wenn ich also in einem beirat sitze, der über solche ansuchen entscheidet, dann lerne ich solche unternehmen mit wachstumsphantasie im detail kennen.

außerdem sitzen in einem solchen beirat ja auch immer andere personen, wo man "netzwerken" kann.

der artikel ist insgesamt schwach und verwechselt förderung mit beteiligung. daher kann man hier nur versuchen zu interpretieren.

somit Insiderwissen

und Möglichkeiten zukünftige Mitbewerber gleich von Beginn an versuchen zu eliminieren und keine "Liebhaberei"

frage mich exakt das selbe...

.

Wie kann man sich als gelernter Österreich nur über solche Peanuts aufregen?

Hierzulande bestimmen Parlamentarier ihre Gehälter selber, Landesfürsten geben Geld aus, ohne Steuern einzuheben, Schmiergelder an Politiker sind nicht strafbar etc.etc.

Was soll all der Terz?

voves+schützenhöfer packeln weiter...

...und die stiftungsgeschichte der spö ist auch nie passiert...wann wacht der wähler endlich auf?hört das vergessen jemals auf??WANN???

Bei der nächsten Wahl ;)

spätestens...

förderung oder stille beteiligung?

das macht schon einen ziemlichen unterschied...

(insbesondere, wenn es sich um eine verzinste stille beteiligung zu marktkonformen konditionen handelt).

nicht überall wo skandal drauf steht, muss auch einer drinnen sein.

der artikel ist jedenfalls widersprüchlich und wirft fragen auf, die vor einer finalen einschätzung recherchiert werden sollten...

wirtschaftskompetenz einer qualitätszeitung sieht für mich jedenfalls anders aus.

PS: die sinnhaftigkeit solcher förderungen (bbzw. stillen beteiligungen) im allgemeinen mit dem verwaltungsapparat im hintergrund - das ist allerdings (auch) wieder eine andere frage.

Die Plünderungen gehen fröhlich weiter !

Ist "Plünderung" nicht ein bisschen plakativ? Beteiligungen der öffentlichen Hand gibt es überall - billiges Geld, bevor Unternehmen in Schieflage geraten, oder billiges Geld für prosperierende Unternehmen, die wachsen wollen. Ich sehe da prinzipiell nichts Schlechtes daran. Das sind ja nicht "nicht rückzahlbare Kredite", sondern Werte, die in den Büchern stehen.

Es spricht ja nichts gegen Fördern, wenn dadurch ein sinnvolles gesellschaftliches Ziel gefördert wird.

Aber Freunderln einen bequemen Weg zum Reichtum ohne Anstrengung und ohne Risiko zu ermöglichen ist für mich kein akzeptebles, mit dem Gedeih eines Gemeinwesens verträgliches Ziel.

also, jetzt haben Sie mich neugierig gemacht und ich habe, obwohl müde von der Tagesarbeit, die Homepage der Firma Komptech studiert. Also nach mühelosem Reichwerden schaut mir das nicht aus. Ich würde mir in meinem Bundesland so eine Firma sofort wünschen, die in den letzten Jahren soviele Arbeitsplätze geschaffen hat.

"in den letzten Jahren soviele Arbeitsplätze geschaffen hat" - wozu dann Förderungen ?

Ich beobachte die so genannte "Förderungslandschaft" seit Jahrzehnten. Jedes Kuhdorf hat einen Gewerbe-"Park", wo sich die Freunderln mit Öffentlichen Mitteln ansiedeln. Nach wenigen Jahren ist der "Park" aber eher eine Wüste.

bitte weiterlesen, hier gibts nichts zu sehen, außer strahlend weißen westen...

aha

Als Konsequenz der Debatten werde er für sein Unternehmen eben keine Landesförderungen mehr beantragen. (bräuchte also sowieso keine) Jene bereits genehmigte stille Beteiligung werde er auch nicht in Anspruch nehmen und sich über ein deutsches Institut kofinanzieren. (na dann, wieso nicht gleich?) Ein Rückzug aus der Landesfördergesellschaft komme derzeit aber nicht infrage. Heissenberger: "Das wäre ja ein Schuldeingeständnis." (haha)

passt eh weniger staat mehr privat" oder so ähnlich !

einfach immer BUHHHHH schreien, wenn man solche an mauscheleien beteiligte öffentlich sieht....

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