Frauen bleiben Bachelor, Männer werden Master

NGO-Schattenbericht zur Lage der Frauen verweist auf bisher wenig beachtete Benachteiligungsschauplätze

Wien - Nicht nur, dass in Österreich bei Abzug aller objektiven Faktoren wie Arbeitszeit, Tätigkeit und Bildung eine Einkommensschere von 19 Prozent zulasten der Frauen überbleibe. Die Schere erweitere sich noch dazu mit steigendem Bildungsstand, von zwei Euro / Stunde bei Pflichtschul- auf 5,90 Euro / Stunde bei Hochschulabsolventinnen.

Zudem eröffne sich im Zuge des Bologna-Prozesses unter Studierenden an Österreichs Universitäten ein neuer Gender-Gap: Im Studienjahr 2007/08 hätten 88,5 Prozent der Männer, aber nur 79,2 Prozent der Frauen nach ihrem Bachelor in ein Masterstudium gewechselt. Und 15 Prozent mehr Männer als Frauen strebten auf Befragen einen Master an.

Soweit zwei Erkenntnisse aus dem österreichischen NGO-Schattenbericht für die Jahre 2006 bis 2011 zur Umsetzung der UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (Cedaw), der am Mittwoch in Wien vorgestellt wurde. Er soll den im April 2011 von Regierungsseite übermittelten Bericht ergänzen. Der Cedaw-Prozess sieht Berichte alle vier Jahre vor.

Das Know-how der Zivilgesellschaft eröffnet Blicke auf bisher wenig beachtete und neue Schauplätze der Frauendiskriminierung. Etwa auf die vielfachen Benachteiligungen von Ausländerinnen, die mit 57 Prozent eine um elf Prozent niedrigere Erwerbstätigkeit als Österreicherinnen aufweisen - und daher laut Margit Appel von der Katholischen Sozialakademie besonders armutsgefährdet sind.

Asylwerberinnen-Ausschluss

Asylwerberinnen wiederum wird es zunehmend schwergemacht, sich akuten Gewaltsituationen zu entziehen. In Frauenhäusern würden sie vielfach nur für kurze Zeit - oder gar nicht mehr - aufgenommen. Nicht weil die Frauenhäuser sich weigerten, sondern weil "Verträge mit Förderstellen" - Länder und Gemeinden - ihre Aufnahme einschränkten, schreiben Eva Stickler und Cancel Demirdelen von der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie.

Insgesamt brauche es eine "gesamtgesellschaftliche Strategie" zur Frauengleichstellung, sagte Maria Rösslhumer vom Verein Autonome Frauenhäuser. Die derzeit gesetzten Maßnahmen seien "zu punktuell, ja, zu zaghaft". Sie forderte einen Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen. Als "ideale Koordinationsstelle" bezeichnete sie das Frauenministerium. (bri, DER STANDARD, 10.5.2012)

Share if you care