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Die Designtruppe "Pudelskern" entwickelte das Konzept für die Österreich-Präsentation in Mailand.
Früher droschen hier die Jai-Alai-Spieler nach baskischem Vorbild ihre Bälle gegen die Wand, nun aber bot "La Pelota" im Mailänder Stadtteil Brera gelegen, dem "Austrian Design" einen würdigen Rahmen. "La Pelota", das ist in Mailand nicht irgendeine Location, es ist der Ort, an dem beispielsweise Established & Sons, Vitra und zuletzt Hermès ihre Kollektionen vorstellten. Auf der einstigen Spielfläche, 725 Quadratmeter groß, ließ das Kreativtrio Pudelskern (Nina Mair, Gorg Öhler und Horst Philipp) einen Birkenhain aus lebenden Bäumchen sprießen. Dazwischen, auf sogenannten Lichtungen und im riesigen Foyer, präsentierte sich "Austrian Design - Raw and Delicate" als Leistungsschau österreichischen Produkt- und Möbeldesigns.
Länderschauen sind im Rahmenprogramm der Mailänder Möbelmesse ein lebendiger Faktor, mit viel Auf und Ab. So präsentierte sich heuer der französische Verband VIA, der seit Jahren auf hohem Niveau französische Nachwuchsdesigner mit dem internationalen Publikum bekanntmacht, als Riesenflohmarkt für Kleinstlabels. Ausverkauf statt kuratierter Sonderschau, das ist ein Irrweg, den die sorgsam gestaltete "Austrian Design"-Präsentation vermied. Die Präsentation war gelungen, wenig museal, lud gar zum Benutzen mancher Möbel ein. Dabei ist es nicht einfach ist, 51 Teilnehmer mit mehr als 67 Produkten und Produktlinien unter einen Hut zu bringen.
Überblicksschau
Entsprechend dicht bestückt erschien die Halle trotz ihrer Lichtungen. Ob es tatsächlich ratsam ist, "die gesamte Bandbreite von heimischen Traditionsbetrieben, Unternehmen der Möbelindustrie, Designern, Handwerksbetrieben bis hin zu experimentellem Design unter einem Dach" unterzubringen, wie es Reanne Leuning und Helmut Döller als Projektverantwortliche der AWO Kreativwirtschaft formulierten? Immerhin mag die Überblicksschau repräsentativ sein. Und erst die Mitwirkung der Großen wie Bene, Team 7, Viteo, Wiesner-Hager und der Wittmann Möbelwerkstätten ermöglichte es Nachwuchs- und Experimentaldesignern teilzunehmen.
Eine Länderpräsentation ist kein Basar, eher schon eine gebaute These. Und die überzeugte. Weniger manche Pressetexte: Dass ein Sofa wegen "innovativer Formgebung" überzeuge oder "ein optischer Hingucker" sei, dass ein Designteam durch "Zeitlosigkeit besticht", das sind Textbausteine, die niemandem weiterhelfen.
18.000 Besucher
Anziehungspunkte in der Halle bildeten ungewöhnliche Objekte, etwa eine LED-Leuchte in Form einer riesigen Halskette ("Pearl Light" von Polka), und interaktive Präsentationen wie "collective works" von mischer'traxler. In einer ihrer typischen Gestell-Maschinen wuchs ein hölzerner Furnierstreifen, maschinell mit Leim bestrichen, langsam zu einem Korb heran. Doch in Gang kam die Maschine erst (gesteuert von außen liegenden Sensoren), sobald sich Menschen um sie herum versammelten, sie beobachteten, sich ihr zuwandten, miteinander ins Gespräch kamen.
Dann trugen Filzmarker (die häufig nachgefüllt werden mussten) außen am Korb einmal mehr, einmal weniger intensiv Farbstriche auf, die schließlich nachvollziehbar machten, wie stark die Besucher mit der Maschine interagierten. Besser kann man Design als Prozess und Ergebnis, als Machen und Beobachten, als Mischung aus Absicht und Zufall, als Ereignis und Dauerhaftes kaum darstellen. Davon haben sich in "La Pelota" immerhin 18.000 Besucher überzeugen können. (Thomas Edelmann, Rondo, DER STANDARD, 11.5.2012)
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