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Kobold Himalya-Shop in Kathmandu.

Namgyaal und Thundu Sherpa.

Unternehmer und Abenteurer Michael Kobold.

Sir Ranulph Fiennes, "Brand Ambassador in Chief" und Bergkamerad.

Kobold Himalaya.
"Ich bin auf dem Weg zum Basislager und schaue auf den Schnee-bedeckten Berg gegenüber." Michael Kobold, lobt die Schönheit der Bergkulisse im Himalaya. Aber aufgeregt klingt er nicht. Immerhin bestieg er schon dreimal den Mount Everest und kam zweimal bis zum Gipfel. Mit dem englischen Ex-trem-Bergsteiger und Abenteurer Ranulph Fiennes (der erste Mensch, der sowohl den Nord- als auch den Südpol auf dem Landweg erreichte), Namgyaal Sherpa und Lakpa Thundu Sherpa.
Wenn die Sherpa den amerikanischen Unternehmer diesmal wieder auf den Mount Everest begleiten, dürfte es nur aus Freundschaft sein. Denn den Bergführer-Job haben Namgyaal Sherpa und Thundu Sherpa, die im Nachnamen tatsächlich Sherpa heißen und die einem der 20 Clans entstammen, die das Volk der Sherpa ausmachen, an den Nagel gehängt. Und das hat ursächlich mit Michael Kobold aus Pittsburgh, Pennsylvania, zu tun.
Michael Kobold, ursprünglich aus Frankfurt stammend, ist Uhrmacher mit amerikanischem Abenteurer-Geist. Aber nicht nur mit Geist. Er schreitet auch zur Tat. Anders als die meisten Uhrenmarken, die gerne Helden extremer Sportarten als Testimonial einsetzen, ist Kobold gemeinsam mit "Brand Ambassador in Chief" Ranulph Fiennes sein eigenes Testimonial. Und davon lebt seine Marke, die in Pittsburgh mit einem Personalstand von zehn Leuten sportliche Uhren mit Gehäusen "aus amerikanischem Stahl" auf Basis der Schweizer Kaliber von Eta und Valjoux baut. Die Produkte sind allesamt für die Funktion unter extremen Bedingungen gedacht.
Kleinheit der Manufaktur
Marketing-mäßiges Schielen nach Zielgruppen ist nicht Kobolds Ding. Es gibt keine liebliche Kollektion für Damen, keine für elegante Stadtstreicher, gediegene Golfspieler und was die Großen der Branche sonst noch so erfinden. Die Kleinheit der Manufaktur würde solche Strategien wohl gar nicht gestatten. Außerdem: "Wir sind eben so. Die ganze Marke ist dem verpflichtet." Und so nahm der Mann mit dem beschaulichen Beruf Fitness-Nachhilfe bei den amerikanischen Navy Seals und wurde - derart gestählt - der erste Uhrmacher auf dem Mount Everest. Das Training bei der Elite-Truppe hatte sich gelohnt. Die ersten Expeditionen verliefen ohne Zwischenfälle.
Im Mai 2010 brach die Seilschaft wieder Richtung Everest-Gipfel auf. Alles lief nach Plan. Bis die Gruppe den Hillary-Step erreichte und auf Gegenverkehr traf. Ein Bergsteiger aus der entgegenkommenden Gruppe verlor die Nerven. "Er drängte sich zwischen mich und die Felswand. Ein Karabiner löste sich, ich war drauf und dran abzustürzen. Und da geht's richtig runter," erinnert sich Kobold. Namgyaal und Thundu Sherpa stabilisierten ihn und retteten Kobolds Leben. Im Lauf derselben Expedition verlor plötzlich ein anderes Mitglied der Seilschaft, Kobolds Frau Anita, das Bewusstsein. Namgyaal und Thundu Sherpa retteten abermals die Situation und brachten sie zum nächsten Stützpunkt, wo medizinischen Hilfe wartete.
300.000 Dollar Kapital
In der Folge beschloss Michael Kobold den beiden Sherpa ein Angebot zu machen und deren Leben zu ändern. "Ich habe sie nach Pittsburgh eingeladen um eine Uhrmacherausbildung zu machen." Und so geschah's. Namgyaal und Thundu waren zehn Monate lang Gäste im Haus der Kobolds und Uhrmacher-Lehrlinge in der Manufaktur. Und nun sind sie nicht nur in der Lage die Werke der Kobold-Uhren zu reparieren, sondern die ihrer eigenen. Mit 300.000 Dollar Kapital aus Michael Kobolds Tasche wurde die Marke Kobold Himalaya gegründet, deren Eigentümer Namgyaal und Thundu Sherpa je zur Hälfte sind. Die Komponenten für die Uhren liefert Kobold aus Pittsburgh. Ansonsten schalten und walten die Sherpa in ihrem Shop in Kathmandu in Eigenverantwortung.
Profit aus seinem Investment erwartet sich Kobold keinen: "Es ging mir darum, Namgyaal und Thundu ein gefahrloses Leben zu ermöglichen und für ihre Familien sorgen zu können. Wenn hundert Stück von der Kobold Himalaya verkauft werden, sind alle zufrieden. Die Sherpa sind keine profitorientierten Menschen. Wenn sie ein Auskommen haben, reicht es."
Zifferblatt aus Gestein vom Mount Everest
Als Klientel kommen freilich nicht Nepalesen, sondern die Bergsteiger in Betracht. Speziell für diese wurde - schwer am Souvenir schrammend - eine Version mit Zifferblatt aus Gestein vom Mount Everest kreiert, dessen Bearbeitung so schwierig war, dass nur ein spezialisiertes Unternehmen in Deutschland, die Brocken zu einem stabilen Blatt schleifen konnten.
Wenn die Investition auch keinen Profit zeitigt, bringt sie doch Michael Kobolds Namen unter die Leute. So wurden Namgyaal und Thundu Sherpa bei großen Branchentreffs der Uhrenwelt vorgestellt um über ihre Uhren zu sprechen, aber auch um ihre Geschichte zu erzählen. Und wann immer sie gefragt werden, ob ihnen die Expeditionen auf das Dach der Welt nicht fehlen werden, ob sie die Sehnsucht nach der Sauerstoff-armen Luft nicht von Uhrmachertisch und Lupe wegziehen werde, heißt's lakonisch und direkt: "No!" (Bettina Stimeder, Rondo, DER STANDARD, 11.5.2012)
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