Neun Bundesländer, zehn Verbände

Fritz Neumann
9. Mai 2012, 18:16

Was hinter der ASKÖ-Spaltung in Wien steckt und wohin sie führen könnte

Wien - "Glücklich", sagt Peter Wittmann, "glücklich ist kein Mensch damit." Der SPÖ-Nationalratsabgeordnete und Chef der Bundes-Sportorganisation (BSO) spricht in seiner Funktion als Präsident der Arbeitsgemeinschaft für Sport und Körperkultur in Österreich (ASKÖ). Mit "damit" meint er die Tatsache, dass die ASKÖ nicht über neun Landesorganisationen verfügt, sondern über zehn. Wien ist seit Dezember gespalten. Das Beispiel könnte Schule machen, schließlich gibt es in Österreich drei Dachverbände, neben der SPÖ-nahen ASKÖ die ÖVP-nahe Union sowie den ASVÖ. Macht, zumindest in der Theorie, 26 weitere Aufspaltungsmöglichkeiten.

Die Bundes-ASKÖ, der Wittmann vorsteht, stellte ihrem eigenen Wiener Landesverband einen zweiten Verband zur Seite. Der Wiener Arbeiter Turn- und Sportverein (WAT) hatte dies beantragt, das ASKÖ-Präsidium einstimmig abgenickt. Zuvor war der WAT selbst Mitglied der ASKÖ Wien gewesen, wiewohl er als eigener kleiner Dachverband firmiert und fünfzig Vereine vereint. Dennoch hatte der WAT bei ASKÖ-Abstimmungen nur eine Stimme, das war einer der Anstoßsteine. Aus dem WAT ist zu hören, er habe "in Notwehr gehandelt", um zu verhindern, dass ihn die Wiener ASKÖ " am Ende ausrottet".

SP vs SP

Wenn man so will, hat sich ein SPÖ-internes Match entwickelt. Auf der einen Seite Beate Schasching, Ex-Nationalratsabgeordnete und aktuelle Vizepräsidentin des niederösterreichischen Landesschulrats. Auf der anderen Seite Christian Pöttler, Chef des Echo-Medienhauses. Schasching hat in der ASKÖ Wien seit April 2001 gemeinsam mit Geschäftsführer Werner Raabe das Sagen. Sie spricht selbst davon, dass "der WAT eine historisch begründete Eigenstellung hat", es deshalb "oft Dissenz und Diskussionen gab". Sie habe deeskalieren wollen und Pöttler, den WAT-Chef, vor drei Jahren als Vizepräsidenten ins Boot geholt. "Eine Zeitlang war er präsent, dann zog er sich zurück." Pöttler: "Es gibt unterschiedliche Auffassungen, wie Sport in Wien zu organisieren ist." Und seine Auffassung habe "mit Offenheit und mit Dialog zu tun".

Wittmann will sich "heraushalten", es gelingt ihm nicht ganz. In Wien gebe es, sagt er, "seit etlichen Jahren Schwierigkeiten", jetzt hoffe er, "dass die Wiener vernünftig werden". Das Match ASKÖ gegen WAT will er sich "ein Jahr lang anschauen".

Wer mit wem (nicht) kann

Letztlich, ist aus beiden Lagern zu hören, lässt sich alles auf persönliche Differenzen herunterbrechen. Wittmann kann nicht mit Schasching und vice versa. Pöttler, der den WAT-Vorsitz 2008 vom 26 Jahre lang amtierenden Karl Blecha übernahm, kann nicht mit Raabe und vice versa. Aktuell rüstet der WAT, für den sich auch Ex-Wasserspringerin Anja Richter ins Zeug legt, ordentlich auf, was schon einige Klubs dazu bewegte, von der Wiener ASKÖ hinüberzuwechseln. Diese, an Klubs zehnmal so stark wie der WAT, hält dagegen. "Warum zum Schmiedl gehen, wenn's auch einen Schmied gibt?", schrieb Raabe in einer Aussendung. "Bundespräsident" Wittmann legt Wert darauf, dass die Wiener ASKÖ-Vereine insgesamt nicht mehr Fördergelder lukrieren als früher.

So oder so bleibt bemerkenswert, dass man sich innerhalb dieses SPÖ-nahen Verbands sogar mit FPÖ und BZÖ vergleicht, die "ja auch einmal zusammen waren und auseinandergegangen sind". Von ewiger Zweigleisigkeit geht innerhalb der ASKÖ freilich niemand aus. Schasching redet davon, " Arbeitsgruppen zu bilden mit dem Ziel, wieder eine Einheit zu werden". Und auch Pöttler spricht von einer "Trennung auf Zeit". Sieht so aus, als könnte das eine Bundesland Wien über kurz oder lang doch wieder mit einem ASKÖ-Landesverband das Auslangen finden. "Und dessen Präsident", sagt Pöttler, "sollte dann am besten weder Schasching noch Pöttler heißen." (Fritz Neumann, DER STANDARD, 10.5. 2012)

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15 Postings

weg mit den dachverbänden und die gesamte finanzierung über die fachverbände!!!
würde kosten sparen und politischen einfluss bremsen.
ABER. wer sägt schon an seinem eigenen stuhl???

SÄMTLICHE DACHVERBÄNDE

sind unnötig wie ein Kropf und gehören abgeschafft!
Das Einzige das hier gespielt wird, ist vordergründig politisches Pfitschigogerln irgendwelcher Profilneurotiker, die im Namen des Sports (und zum durchaus eigenen Nutzen) nichts anderes tun, als unnötig Geld zu verbrennen.
Da ist ja das österreichische Sozialversicherungsmonster noch direkt effezient dagegen!

Lachhaft

Wenn sich die ASKÖ Kärnten in ASKÖ Villach und ASKÖ Klogenfurt aufspalten, lachen sich die Wiener tot. Selbst ist der ASKÖ Bund noch dümmer ! Geld in die Administration statt in den Sport. Aber das Stadthallenbad tropft, das Happel-Stadion ist nicht CL tauglich, die Wiener MA 51 schaut hilf- und tatenlos zu. Die Politiker kochen ihr Süppchen. Nicht vergessen: Hinter A.Richter steht Sekr.Deutsch ! Und wenn alles wieder eins wird, wars nur Geldvernichtung ! Einfach dumm !

wenigsten hat die schaschnig einen sicheren posten in noe und dazu auch noch gut bezahlt

möcht nicht wissen, wie sie ihren job ausfüllt - stundenmäßig wirds ja hoffentlich passen.

Da wird wer den Traum vom Minister-/Staatssekretärsposten begraben können.

Oder wars eh nur mehr BSO-Chef????

Die parteipolitische Orientierung der Dachverbände ist verheerend!
In NÖ wird die Union mit Geld zugeschüttet. ASKÖ und ASVÖ bleiben außen vor. Das ist sehr ärgerlich!

Darüber hinaus muss man sagen, dass es nicht so viel Geld zu verteilen gibt. Somit verschlingt die dreifache Verwaltung mit Sekretariaten, Büros, Sitzungsgeldern, diversen Jubiläumsveranstaltungen, Zeitungen, ... einen wesentlichen Anteil der Gelder, die eigentlich dem Sport zugute kommen sollten. In Zeiten, in denen Gelder chronisch knapp sind, kann man sich sowas nicht mehr leisten.

Weg mit den Dachverbänden! Verteilt das Geld über die Fachverbände und der Sport profitiert davon.

besser lässt sich die katastrophal-lächerliche situation der sportstrukturen in wien (in ganz österreich nicht besser) demonstrieren. weltweit einzigartig, dass mehr oder weniger parteipolitsche vorfeldorganisationen den sport verkomplizieren und teuer machen. auf der strecke bleibt der sport, und das betrifft den spitzen-, hobby- und gesundheitssport. an einer dringend notwendigen radikalen reform hat sich noch jeder sportminister die zähne ausgebissen, weil die jeweiligen parteifreunde im sport keine veränderung zulassen.

geht weiter so im rettungswesen,autofahrerorganisationen und und und

überall kübeln parteipolitiker ihren "geistigen" abfall in die förderkübel,

Hmm.. kanns sein dass ich in den 90ern in der Jugend von WAT Wieden Basketball gespielt hab..? Soweit ich mich erinnere hießen wir so... war nett! :)

kann sein ja =) ^^

diese ganzen vereinsmeier!

wenn es nicht so traurig wäre, dann würde ich lachen. Wien hat exakt NULL Infrastruktur für den Spitzensport: keine große Mehrzweck-Arena für Weltsportarten wie Basketball, Eishockey, Handball, etc., keine geeignete Schwimmhalle, keine Leichtathletik-Anlagen die den Namen verdienen, keine Eiszeiten für Eisläufer etc. und die Liste ließe sich lange fortsetzen. Und dann streiten diese Hanseln von den Dachverbänden um ihre Pfründe. Oh du schönes Wien - du warst nie eine Sportstadt und wirst nie eine sein!

vor ca 80-100 Jahren war Wien doch noch DIE Fußballhauptstadt von Kontinentaleuropa?
Eine der ersten mit Profifußball und so.
Was mit anderen Sportarten war, weiß ich leider nicht, aber im Fußball hats der Nationalsozialismus zerstört und nachher wurde in einem sehr kleinen Land halt nie was vernünftiges aufgebaut.

Erinnert mich an die...

Sportklub vs. Sportclub Geschichte, nur halt in noch größeren dimensionen.

Aber warum sollte es hier anders sein als in den meisten kleinen Vereinen: Was übrig bleibt ist ein jahrmarkt der eitelkeiten....

Ihre energie könnten die akteure auf jeden fall besser nutzen.

Kindergarten!

Einzig und alleine sollte doch der Sport im Vordergrund stehen.
Ich versteh diese ASKÖ vs. Union bzw. hier auch ASKÖ vs. WAT herum geeiere sowieso nicht. Wer motiviert für einen Sport ist, dem ist das sch**ß egal für welchen Verband er spielt!

Leider ist das auch der Grund warum sich Sportler herrlich instrumentalisieren lassen, weils ihnen egal ist.

Mittlerweile kann man auch verstehen, warum in Ö nie eine tägliche Schulturnstunde eingeführt werden wird. Da würde viel Geld für die Dachverbände wegfallen und auch parteipolitische Werbung nicht möglich sein.

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