Tatort Griechenland

9. Mai 2012, 17:07
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Das ZDF zeigte am Dienstag, wie öffentlich-rechtliche Qualität massentauglich aufbereitet werden kann

Gut. Die Musik mag ein wenig allzu hochspannungsgeladen gewesen sein. Und die Stimme aus dem Off hatte vielleicht eine Spur zu viel Konspirationstremolo aufgelegt. Aber andererseits auch wieder klar.

Schließlich ging es um Korruption und Betrug, um kriminelle Energie, Vetternwirtschaft, Bankrott, Steuerbetrug, Realitätsverlust, gefälschte Budgetzahlen und gebrochene Verträge - kurz: Es ging um Die Griechenland-Lüge.

Diesen gleichermaßen packenden wie erschütternden Polit- und Wirtschaftskrimi zur besten Sendezeit am Hauptabend programmierte - nein, nicht der ORF. Das ZDF zeigte am Dienstag, wie öffentlich-rechtliche Qualität massentauglich aufbereitet werden kann. Im ORF lief parallel dazu, eh lieb, auch ein Krimi: Soko Kitzbühel.

Im ZDF sah und hörte man, wie am Tatort Griechenland, immerhin dem Geburtsland von Diophantus, dem Begründer der Algebra, Kleinrechnen von Schulden und Umverteilen von Arm zu Reich zur hohen Staatskunst verfeinert wurde. "Wir hätten", sagte ein hoher EU-Beamter, "als EU ermitteln müssen. Aber das war politisch nicht gewollt."

Auch wenn wir es lieber nicht sehen würden, weil die Welt schön und die Wirtschaft gut ist: Bitte, liebe Öffentlich-Rechtlichen: Mehr dieser hochaktuellen, hervorragend recherchierten und gestalteten Dokus! (Andrea Schurian, DER STANDARD, 10.5.2012)

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