Timoschenko beendete ihren Hungerstreik

9. Mai 2012, 17:05
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Deutscher Neurologe behandelt nun inhaftierte ukrainische Ex-Ministerpräsidentin in Klinik in Charkiw

Kiew/Moskau - Julia Timoschenko ist am Mittwoch in ein Charkiwer Krankenhaus eingeliefert worden und darf vom Neurologen Lutz Harms von der Berliner Charité behandelt werden - damit wurden die wichtigsten Bedingungen für ein Ende ihres Hungerstreiks erfüllt, den die 51-Jährige am Nachmittag dann auch tatsächlich beendete. Seit dem 20. April hatte Timoschenko aus Protest gegen ihre Haftbedingungen den Hungerstreik aufrechterhalten.

Im neunten Stock der Klinik belegt die inhaftierte Oppositionspolitikerin unter strenger Bewachung nun drei Zimmer.

Harms begann umgehend mit ersten Untersuchungen und Behandlungen. "Wir werden sie langsam aus dem Hungerzustand herausführen; zuerst mit Wasser und Säften, später auch mit fester Nahrung", erklärte der Charité-Professor am Mittwoch. Danach werde man ihre Rückenbeschwerden behandeln.

Widersprüchliche Angaben

Die Angaben über den Gesundheitszustand Timoschenkos sind widersprüchlich und oftmals gefärbt von der politischen Ausrichtung der jeweiligen Quelle. So erklärten Politiker ihres Blocks BJuT, dass Timoschenko sehr geschwächt sei und durch den Hungerstreik rund zehn Kilogramm verloren habe. Ob Timoschenko allerdings tatsächlich verprügelt wurde, um sie gewaltsam ins Krankenhaus zu überführen, ist nach wie vor ungeklärt und strittig. Die lang gepflegte Behauptung der Gefängnisärzte, dass Timoschenko nur simuliere, wurde unterdessen durch den Befund einer unabhängigen Ärztekommission, die einen ernsthaften Bandscheibenvorfall diagnostizierte, widerlegt. Dies dürfte ein Grund für Timoschenkos Forderung nach einer Behandlung durch ausländische Spezialisten gewesen sein.

Die Zeit der Behandlung wird Timoschenko in Charkiw verbringen. Eine Verlegung der Ex-Premierministerin nach Berlin - wie die deutsche Bundesregierung angeboten hatte - kommt für die ukrainische Führung nicht infrage. Ohnehin hatte Präsident Viktor Janukowitsch der Behandlung durch den Berliner Professor erst auf massiven internationalen Druck zugestimmt. So musste die Ukraine den geplanten Jalta-Gipfel nach dem Boykott mehrere europäischer Staatschefs absagen.

Die EU erhält den Druck weiter aufrecht: Am Mittwoch hat EU-Kommissar Herman van Rompuy den ukrainischen Premier Nikolai Asarenko vom EU-Ukraine-Gipfel ausgeladen. Mit diesen Maßnahmen soll Kiew gedrängt werden, seine Politik zu ändern. Brüssel nennt das Urteil gegen die wegen Betrugs verurteilte Timoschenko politisch motiviert. (DER STANDARD, 10.5.2012)

 

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    Lutz Harms behandelt Timoschenko

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