Alte Männer sollen ORF modernisieren

9. Mai 2012, 16:56
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Medienwissenschaftler Christl und Hausjell kritisieren: Durchschnittsalter zwischen 60 und 70 - Keine Frauen

Wien  - Jene Arbeitsgruppe, die demnächst über die Reform der ORF-Gremien beraten soll, fällt nicht gerade durch ihre innovative Schlagkraft auf, finden zwei Medienwissenschafter. Reinhard Christl, Leiter des Instituts für Journalismus & Medienmanagement an der Fachhochschule Wien, kritisierte, dass das Durchschnittsalter jener Gruppe, die dem ORF ein zeitgemäßeres Kleid verpassen und ihn in Richtung Zukunft reformieren soll, "zwischen 60 und 70 Jahren liegt".

Zur Teilnahme an der Arbeitsgruppe hat das Bundeskanzleramt laut "Kurier" Peter Huemer, der sich mit der Plattform "SOS ORF" seit langem für die politische Unabhängigkeit des ORF stark gemacht hat, sowie Kurt Bergmann, ehemals ÖVP-Abgeordneter und ORF-Generalsekretär unter Gerd Bacher und Mitglied der Plattform "Rettet den ORF" eingeladen. Der legendäre ORF-Kommentator Hugo Portisch soll ebenfalls gehört werden. Als Experten werden darüber hinaus Roger de Weck, Generaldirektor des öffentlich-rechtlichen Schweizer Rundfunks, Matthias Traimer, Chef der Medienabteilung des Kanzleramts, sowie Michael Truppe von der Medienbehörde gehört, aus dem ORF Betriebsräte sowie Redakteurssprecher Fritz Wendl. Keine Gespräche soll es dem Vernehmen nach mit aktiven ORF-StiftungsrätInnen geben.

Wichtige gesellschaftliche Bereiche nicht anbgedeckt

Fachhochschul-Leiter Christl und der Kommunikationswissenschafter Fritz Hausjell vermissen in der Zusammensetzung den weiblichen Input sowie ExpertInnen aus den Bereichen Internet und Social Media. Für Hausjell ist etwa der ehemalige ORF-Generalsekretär und -Stiftungsrat Kurt Bergmann "eine Person, die das alte polit-gesteuerte System verkörpert", ihn als Reformer darzustellen, findet Hausjell "wenig überzeugend, es sei denn, er wäre vom Saulus zum Paulus mutiert".

Die Arbeitsgruppe soll nach Informationen der Branchendienste horizont.at und etat.at erstmals am 23. Mai tagen.

Ehemalige StiftungsrätInnen sehen in der Zusammensetzung zwar eine totale Vielfalt der Positionen gegeben, glauben aber nicht, dass diese Arbeitsgruppe auch nur annähernd zu gemeinsamen Ergebnissen beziehungsweise einem Konsens kommen kann. Dass im Rahmen der ExpertInnengespräche keine amtierenden VertreterInnen der ORF-Gremien vertreten sind, werten sie als Schlag ins Gesicht des SPÖ-"Freundeskreises", der zuletzt Tendenzen in Richtung Unabhängigkeit zeigte und einen "Freundeskreis"-Leiter bestimmte, der nicht den Wünschen der Parteizentrale entsprach. (APA, 9.5.2012)

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