Berlusconi soll Senator mit einer Million Euro bestochen haben

9. Mai 2012, 14:13
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Um Sturz seiner Regierung abzuwenden - Medienzar von seinem mutmaßlichen Erpresser Lavitola belastet

Rom - Der italienische Journalist Valter Lavitola, der in einen umfangreichen Skandal um die Bestechung des ehemaligen Premiers Silvio Berlusconi involviert ist, hat vor den Staatsanwälten berichtet, im Auftrag des Ex-Regierungschefs Parlamentarier bestochen zu haben. Dem Senator Sergio De Gregorio habe er eine Million Euro gezahlt, um ihn zum Übertritt in das Mitte-rechts-Lager des Medienzaren zu bewegen. Damit hatte Berlusconi 2010 gehofft, seine wackelige Mehrheit im Senat zu stützen und den Sturz seiner Regierung abzuwenden, berichtete Lavitola.

Chefredakteur festgenommen

Lavitola, Chefredakteur der Tageszeitung "L'Avanti", wurde im April auf dem römischen Flughafen Fiumicino festgenommen, nachdem er sich nach einer mehrmonatigen Flucht im Ausland zur Rückkehr nach Italien entschlossen hatte. Der Journalist, der sich in einem neapolitanischen Gefängnis befindet, gilt als Drahtzieher in einem Skandal um die Erpressung Berlusconis, der im vergangenen Jahr international für Aufsehen gesorgt hatte. Lavitola wird verdächtigt, gemeinsam mit dem süditalienischen Unternehmer Giampaolo Tarantini Berlusconi erpresst zu haben, der damals noch als Premier amtierte. Tarantini soll laut den Ermittlern von Berlusconi eine halbe Million Euro für Falschaussagen über Callgirls, die in seiner römischen Residenz verkehrten, kassiert haben.

"Ich habe Berlusconi nicht erpresst. Wenn ich die Möglichkeit oder den Willen gehabt hätte, Berlusconi zu erpressen, hätte ich es für einen politischen Auftrag gemacht", erklärte Lavitola.

Tarantini hatte im Jahr 2008 das Escortgirl Patrizia D'Addario und mehrere andere junge Frauen in Berlusconis Residenz Palazzo Grazioli und in seine Villa auf Sardinien eingeladen. Berlusconi hatte stets behauptet, er habe D'Addario als Freundin Tarantinis kennengelernt. Er habe nicht gewusst, dass es sich um eine Prostituierte handelte. Den Ermittlern zufolge bezahlte Berlusconi den Unternehmer, damit er diese Version bestätigte. Ein Teil der Summe, die Tarantini angeblich erhielt, soll in die Taschen Lavitolas geflossen sein. Dieser habe dem 35-jährigen Unternehmer Methoden zur Erpressung Berlusconis empfohlen, vermuten die Ermittler. (APA, 9.5.2012)

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