Schwierige Ausgangslage für Zentrist Bayrou

9. Mai 2012, 13:43
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Politische Zukunft des Zentrumspolitikers ungewiss

Paris - Die politische Zukunft des zentrumsbürgerlichen Chefs der "Mouvement Democrate" (MoDem), Francois Bayrou, erscheint ungewisser denn ja. Am Mittwoch kündigte Sozialistenchefin Martine Aubry (PS) nach Angaben der Tageszeitung "Le Figaro" (Online-Ausgabe) an, dass ihre Partei bei den Parlamentswahlen vom Juni im Wahlkreis des ehemaligen Erziehungsministers einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken wird. In den vergangenen Tagen hatten einige Sozialisten wie etwa Altpremier Laurent Fabius die Möglichkeit in Aussicht gestellt, auf einen PS-Kandidaten zu verzichten, nachdem Bayrou zwischen den beiden Wahlgängen erklärt hatte, dass er für den neu gewählten sozialistischen Präsidenten Francois Hollande stimmen werde.

Die konservative Partei "Union für eine Volksbewegung" (UMP) des amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy hatte bereits am Montag angekündigt, dass sie einen eigenen Kandidaten im südwestfranzösischen Wahlkreis der Pyrenäen gegen Bayorou ins Rennen schicken werde. Laut "Le Figaro" handelt es sich dabei um den Präsidenten der "Jägerpartei" CPNT ("Chasse Pêche Nature et Tradition"), Frederic Nihous. Diese ultrakonservative Randpartei setzt sich für die Bewahrung der Traditionen in Frankreich ein.

Amt des Präsidenten der Nationalversammlung ausgehandelt

Angesichts der Konkurrenz aus rechts und links ist es fraglich, ob Bayrou erneut seinen Parlamentssitz erobern kann. "Le Figaro" berichtete vergangenes Wochenende unter Berufung auf sozialistische Kreise, dass Bayrou im Gegenzug für seine Stimmabgabe zugunsten Hollandes das Amt des Präsidenten der Nationalversammlung versprochen worden sei. Dies wäre aber unmöglich, wenn der 60-Jährige nicht den Sprung in die Nationalversammlung schafft. Der Zentrumspolitiker, der 2007 mit 18,6 Prozent der Wählerstimmen im ersten Durchgang der Präsidentenwahl für die große Überraschung gesorgt hatte, musste sich diesmal im ersten Durchgang mit 9,1 Prozent der Stimmen begnügen.

Der Hobbybauer versucht seit Jahren mit relativ geringem Erfolg, Frankreichs Rechts-Links-Schema aufzubrechen. Bayrou, ehemaliger Lehrer für Latein, Griechisch und Französisch und sechsfacher Vater, ist seit Jahrzehnten von seiner Sendung als Staatsmann überzeugt und kämpft gegen Wind und Wetter für sein Ziel. Schon der verstorbene sozialistische Präsident Francois Mitterrand bewunderte die Willenskraft, mit der Bayrou als junger Mann ein schweres Stottern überwand. (APA, 9.5.2012)

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    Bayrou darf sich im Kampf um einen Parlamentssitz nicht von linken und rechten Parteien zermürben lassen.

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