Kaum Frauen in medizinischen Führungspositionen

20. Juni 2003, 11:50
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Verteilung je nach Fach unterschiedlich - ARGE-Ärztinnen-Vorsitzende Oberhauser mahnt zu mehr Selbstbewusstein und Netzwerkbildung

Wien - In den Hörsälen der medizinischen Fakultäten ist der Frauenüberhang groß, am Ende des Studiums haben die Männer bereits aufgeholt. Auch bei der Turnusausbildung zeigt sich ein ähnliches Bild. Für Frauen katastrophal ist die Situation bei den Führungspositionen im medizinischen Bereich. Dort gibt es lediglich 164 Frauen denen 1603 Männer gegenüberstehen. Für die Vorsitzende der ARGE-ÄrztInnen im ÖGB, der Kinderärztin Dr. Sabine Oberhauser, muss sich das schleunigst ändern.

Wenig Bewerbungen von Frauen

Alarmierend ist für die ARGE-ÄrztInnen-Vorsitzende auch, dass sich bei mehr als zwei Drittel aller Ausschreibungen keine Frau für eine Führungsposition bewirbt. Allerdings: bewirbt sich eine Frau, zeigt sich die Tendenz, dass Frauen eher genommen werden.

Für Oberhauser liegen die Gründe klar auf der Hand:

  • Frauen beginnen mit sehr hohen Erwartungen das Studium und sind auch besonders leistungsorientiert. Die Klinik-Realität wirkt und am Ende des Studium ist die Situation umgekehrt und der Frust zieht ein.
  • Frauen entscheiden sich oft nicht nach ihren Interessen für ein bestimmtes Fach. Sie wählen sogenannte Frauenfächer, da dort die Akzeptanz wegen des höheren Frauenanteils größer ist.

    Die Folge liegt auf der Hand. Im Bereich der Physikalischen Medizin liegt der Frauenanteil (Stand 2002) bei 55,1 Prozent, bei der Kinderheilkunde bei 42,8 Prozent, Dermatologie 43,4 Prozent und Anästhesie 43 Prozent. Demgegenüber liegt der Frauenanteil in den Bereichen Gynäkologie bei 24,8 Prozent, Innere Medizin 22,4 Prozent, Chirurgie 11,6 Prozent und Unfallchirurgie 6,4 Prozent.

    "Von Männern lernen"

    Für die ARGE-ÄrztInnen-Vorsitzende muss sich diese Situation schleunigst ändern. Oberhauser: "Wir Frauen müssen hier von den Männern lernen. Das heißt: Netzwerke müssen gebildet und auch genutzt werden. Frauen müssen sich verstärkt bewerben. Frauen müssen einfach vor den Vorhang treten und zeigen, dass sie bestens qualifiziert sind. Wir müssen unsere Karriere selbst in die Hand nehmen. Mehr Frauen in medizinischen Führungspositionen würde uns allen gut tun, vor allem auch den PatientInnen. (red)

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