Slawen- Missionierung im Kloster Bischofshofen

20. Juni 2003, 16:18
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Fundstück aus Kupfer bringt Neues über Salzburg im frühen Mittelalter

Salzburg - Ein unscheinbares Stück vergoldetes Kupferblech hat zu einer nicht unbedeutenden Erkenntnis über die Geschichte Salzburgs geführt. Das berühmte Rupertus-Kreuz - eines der weltweit bedeutendsten Kunstwerke aus dem frühen Mittelalter - ist nicht für den Salzburger Dom, sondern für die Kirche und das Kloster Bischofshofen (Pongau) angeschafft worden.

"Das hebt die Bedeutung von Bischofshofen als kirchliches Zentrum und als Vorposten zur Missionierung der Slawen", sagte Eva Maria Feldinger, Archäologin des Salzburger Museums Carolino Augusteum (SMCA) am Freitag, bei einer Pressekonferenz in Bischofshofen.

Teil des Rupertus-Kreuzes

Mehr als vier Jahre nach dem Fund des Bruchstückes (1999) im Estrich der Pfarrkirche Bischofshofen wurde die Bedeutung des vergoldeten Stücks Kupferblech erkannt: Es ist Teil jenes Rupertus-Kreuzes, das als Parade-Kunstwerk des Landes mit weltweiter Bedeutung gilt.

Dieses Kreuz aus Holz, Kupferblech, Blattgold und Edelsteinen aus dem frühen Mittelalter lag jahrhundertelang unbeachtet und vergessen in einer Ramschkiste auf dem Dachboden der Bischofshofner Kirche und ist vor wenigen Jahrzehnten ins Dommuseum "zurückgeholt" worden.

Für Bischofshofen angefertigt

"Doch eigentlich gehört es tatsächlich nach Bischofshofen. Durch den Fund des Bruchstückes ist bewiesen, dass das zwischen 700 und 750 nach Christus geschaffene, enorm teure Kreuz nicht für den Dom in Salzburg, sondern für Bischofshofen angefertigt worden war", erläuterte Feldinger.

Bischof Virgil, ein Ire, hat das Kreuz in englischer Handwerktradition herstellen lassen. Virgil wollte damit die im Jahr 720 von den Slawen zerstörte Missionsstation in der Pongauer Stadt aufwerten und würdigen. (APA)

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