Commerzbank verdient weniger, muss Boni zahlen

9. Mai 2012, 12:20
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Der Nettogewinn ist im ersten Quartal um gut 60 Prozent auf 369 Millionen Euro gesunken. Geldhaus muss Investmentbankern mehr als 52 Millionen Euro an Prämien nachschießen

Frankfurt - Die deutsche Commerzbank bleibt hinter ihren eigenen Erwartungen zurück. Der Gewinn im ersten Quartal ist um mehr als 60 Prozent eingebrochen. Doch der teilverstaatlichte Konzern hält sich zugute: Die Kapitalanforderungen der Aufseher sind vor der Frist erfüllt.

Stopfen des Eigenkapitalmangels kostet

Die Commerzbank nimmt für das Stopfen ihres gigantischen Kapitallochs einen Gewinneinbruch in Kauf. Im ersten Quartal verdiente der teilverstaatlichte deutsche DAX-Konzern mit 369 Millionen Euro unter dem Strich gut 60 Prozent weniger als vor einem Jahr (985 Millionen Euro). Das Frankfurter Institut verwies bei der Vorlage der Zahlen am Mittwoch aber darauf, dass die Kapitalanforderungen der europäischen Bankenaufsicht EBA vorzeitig erfüllt wurden.

Neben der Neubewertung der eigenen Schulden belasteten Aufräumarbeiten in der Bilanz, mit denen die Bank die Kapitallücke zu einem großen Teil stopfte. Ohne diese Sondereffekte von gut einer halben Milliarde Euro wäre das operative Ergebnis fast stabil geblieben, rechnete die Bank vor.

Das Schließen der Kapitallücke habe Priorität gehabt, erklärte Konzernchef Martin Blessing. Bereits Ende März und damit drei Monate vor Ablauf der Frist seien die EBA-Anforderungen erfüllt. Sein Institut habe die Vorgaben sogar um 1,1 Milliarden Euro übertroffen. Bei ihrem letzten Stresstest hatte die Behörde bei der deutschen Nummer zwei einen Kapitalbedarf von 5,3 Milliarden Euro festgestellt - den größten aller deutschen Institute.

Die Bank schloss diese Lücke durch den Abbau von Randaktivitäten und Risikopositionen, den Rückkauf eigener Schulden, die Umwandlungen von nachrangigen Anleihen in eigene Aktien sowie die Einbehaltung von Gewinnen. Die Gewinne fielen im ersten Quartal allerdings nicht so hoch aus wie erhofft. Die zu einem Viertel in Staatsbesitz befindliche Bank hatte stets betont, das Loch ohne neuerliche Staatshilfe oder eine große Kapitalerhöhung schließen zu können.

Gericht verdonnert Bank zur Boni-Nachzahlung

Weniger erfreulich für das deutsche Kreditinstitut ist, dass sie ihren Prozess um Bonuszahlungen in London verloren hat. Das Geldhaus muss mehr als 100 Investmentbankern mehr als 52 Millionen Euro an Prämien nachzahlen. Richter Robert Owen urteilte am Mittwoch im Londoner Court of Justice zugunsten der Kläger. Die Bank will das Verfahren allerdings neu aufrollen.

Die Klagen waren eine Altlast aus der Zeit der Finanzkrise und der Übernahme der Dresdner Bank. In London erregt der Prozess großes Aufsehen, weil Großbritannien gerade erneut in einer hitzigen Debatte über Banker-Boni steckt. Erst im Jänner hatte Premierminister David Cameron kritisiert, die Sonderzahlungen und Leistungsprämien an die Investmentbanker seien "außer Kontrolle geraten".

EZB-Spritze von 16 Milliarden Euro

Die Commerzbank hat bei den langfristigen Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) ordentlich zugelangt. Insgesamt habe Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus 16,2 Milliarden Euro abgerufen, sagte der neue Finanzchef Stephan Engels am Mittwoch in einer Analystenkonferenz. Davon entfielen zehn Milliarden Euro auf den ersten Drei-Jahres-Tender der EZB im Dezember. Das Geld war damals für die hochdefizitäre Immobilien- und Staatsfinanzierungstochter Eurohypo. Beim zweiten Langfrist-Tender Anfang 2012 hatte die Commerzbank Kreisen zufolge über ihre Töchter in Südeuropa zugegriffen. (APA, 9.5.2012)

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