Schumacher wettert über die Pneus

9. Mai 2012, 12:33
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Mercedes-Pilot wagt sich ob der schnell abbauenden Reifen nicht an das Limit heran und übt als einziger Pilot Kritik - Ferrari hofft auf eine Wende zum Positiven

Montmelo/Barcelona - Rekordweltmeister Michael Schumacher hat erneut schwere Kritik an den aktuellen Formel-1-Reifen geäußert. "Wir fahren wie auf rohen Eiern", sagte der Deutsche in einem CNN-Interview vor dem Europa-Auftakt am Wochenende in Spanien. Die neuen Pirelli-Reifen bauen derartig schnell ab, dass man sie zu keinem Zeitpunkt voll belasten könne.

"Die Reifen sind so angeschlagen und speziell, dass man weder die Autos noch sich selbst am Limit bewegen kann", meinte Schumacher. Dabei sei das eigentlich der Reiz der Königsklasse. Pirellis Motorsportchef Paul Hembery wies allerdings darauf hin, dass die Formel 1 vom Hersteller schnell abbauende Pneus verlangt hatte, um die Spannung in den Rennen zu erhöhen.

Dem siebenfachen Champion missfällt das. "Ich denke, dass sie eine zu große Wirkung haben", betonte Schumacher. Der 43-Jährige ist seit seinem Comeback 2010 nicht mehr auf dem Podest gestanden. Sein Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg dagegen holte Mitte April in China seinen ersten Grand-Prix-Sieg.

Mit dem die Reifen besonders stark beanspruchenden Mercedes scheint Rosberg etwas besser zurechtzukommen als der Altmeister. "Ich verstehe Michaels Frust", hatte Hembery vergangene Woche bei den Testfahrten in Mugello erklärt. "Wenn ein Fahrer verärgert ist und 23 sind zufrieden, dann können wir aber nicht viel machen." Pirelli hatte mit Schumachers Wiedereinstieg 2010 Bridgestone als einzigen Reifenlieferanten der Königsklasse abgelöst.

Ferrari hofft auf runderneuerten F2012

Ferrari erhofft sich in Montmelo bei Barcelona einen signifikanten Schritt aus der Krise. Der Bolide des Traditionsteams war in den ersten Rennen, abgesehen vom Regenrennen in Malaysia, alles andere als konkurrenzfähig. In Katalonien wird ein runderneuerter F2012 zu sehen sein. "Ich will ein konkurrenzfähigeres Auto, dann haben wir diese Saison eine Chance", erklärte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo.

Sein Starpilot Fernando Alonso liegt in der WM auf Rang fünf. Allerdings fehlen dem Spanier dank eines Überraschungssieges im Regenchaos von Malaysia nur zehn Punkte auf Spitzenreiter Sebastian Vettel im Red Bull. Im Vorjahr hatte Alonso seine Fans beim Heim-Grand-Prix mit einem Raketenstart entzückt, ehe er in einem hoffnungslos unterlegenen Ferrari von WM-Dominator Vettel die Höchststrafe erfuhr und überrundet wurde.

Alonso gab sich nach dreitägigen Testfahrten vergangene Woche auf der Ferrari-Hausstrecke in Mugello vorsichtig optimistisch. "Wir haben signifikante Updates, aber wir sind in keiner einfachen Situation", warnte der Weltmeister von 2005 und 2006. "Wir wissen, dass wir 100 Prozent geben müssen." In der WM liege man gar nicht so schlecht. "Aber in Barcelona müssen wir einen Schritt nach vorne machen und das Mittelfeld hinter uns lassen."

Die zahlreichen neuen Teile, darunter eine veränderte Auspuffvariante, hinterließen bereits in Mugello einen vielversprechenden Eindruck. Barcelona ist der entscheidende Gradmesser. "Ich war geschockt, wie wir in die Saison gestartet sind. Das habe ich so nicht erwartet", gestand Montezemolo.

Für eine echte WM-Chance müsse der F2012 nun vorne dabei sein, betonte der Ferrari-Boss. "Wir müssen einen großen Schritt nach vorne machen", sagte Montezemolo. "Das habe ich verlangt, denn nach Spanien haben wir ein gutes Programm zur Weiterentwicklung."

Zwei Wochen nach dem Europa-Auftakt folgt der Klassiker in Monte Carlo, danach geht es in Montreal und Valencia weiter. Der Ferrari präsentierte sich bisher unter normalen Bedingungen sehr unruhig und schwierig zu fahren.  (APA/Reuters, 9.5.2012)

  • Schumacher, der Mercedes und die Reifen bilden keine Einheit.
    foto: epa/carlo ferraro

    Schumacher, der Mercedes und die Reifen bilden keine Einheit.

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