Wissenschaft als Beruf für Jugendliche "uncool"

9. Mai 2012, 11:18
  • Beruf(ung) mit großen Risiken.
    foto: apa/hochmuth

    Beruf(ung) mit großen Risiken.

Einsparungen, Prekarisierung und strenge Hierarchien belasten Jungforscherkarrieren - Lehre statt Forschung oft Realität, so der Tenor bei einer Diskussion

Wien - Zunehmende Prekarisierung, geografische und persönliche Flexibilität ein Muss, Opferbereitschaft empfohlen: Wer heutzutage eine Karriere in der Forschung anstrebt, der müsse viel Begeisterung, eine hohe Frustrationstoleranz und jede Menge Glück mitbringen. Das ist der Konsens, den die Teilnehmer der Podiumsdiskussion zum Abschluss des Symposiums "Wissenschaft als Beruf" der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) am Dienstagabend Nachwuchsforschern mitgaben.

"Kann man einem jungen Menschen heute noch empfehlen, den Beruf eines Wissenschafters oder einer Wissenschafterin zu ergreifen?" Die Ausgangsfrage der Diskussion beantwortete Christoph Badelt, Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien, persönlich eindeutig und aus vollster Überzeugung mit ja. Dennoch gebe es auch eine objektive Sicht der Dinge und diese beschrieb Badelt als düster: Schrumpfende Budgetierung für die Wissenschaft, Verträge nach dem alten Dienstrecht, die unkündbare Dauerstellen ermöglicht hätten, und die starke Hierarchie im österreichischen Universitätsbetrieb machten es Jungforschern zunehmend schwerer, dauerhaft Fuß zu fassen. "Unter diesen Bedingungen wird mein grundsätzlicher Rat zur Wissenschaft zu Zynismus", sagte Badelt.

Nur geforscht, was publiziert wird

Ähnlich problematisch sah Edeltraud Hanappi-Egger, Professorin für Gender- und Diversity in Organizations an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien die Lage: "Die Hauptmotivation, die Freude am Forschen, die inhaltliche Wissensfreude, wird zunehmend infrage gestellt." Geforscht werde großteils nur noch, was die Journale auch publizieren würden. Internationale Rankings und Verlage gäben den Hochschulen ihre wissenschaftliche Politik vor, meinte Hanappi-Egger. "Das Berufsbild und Selbstverständnis der Wissenschafter befindet sich im Wandel, der jedoch noch nicht vollzogen ist. Zurück bleibt derzeit nur ein Spannungsfeld. Da muss man sagen: Nein, tun Sie es nicht." Zusätzlich zu den internen Restriktionen in den Universitäten und Forschungsinstituten käme auch die mangelnde Wertschätzung der Öffentlichkeit, so Hanappi-Egger.

Die Wissenschaft als Beruf fand Sigrid Jalkotzy-Deger, Vizepräsidentin der ÖAW immer noch ein lohnenswertes Ziel. "Aber man muss sich der Risiken bewusst sein." Das Problem der beruflichen Aussichten treffe verstärkt auch die Geisteswissenschaften, da die Budgetmittel hier deutlich zurückgefahren wurden. Kaum einer der jungen Wissenschafter erhalte eine dauerhafte Stelle. "Wir müssen die jungen Menschen mit den Spielregeln konfrontieren und ihnen raten, sich daran zu halten", ergänzte Hanappi-Egger. Diese Spielregeln beinhalten nicht nur eine hohe persönliche und örtliche Flexibilität und soziale Ungebundenheit, sondern auch eine gewisse Verwertungslogik und damit Outputdruck. Dabei müsse die eigene Forschung oft hinter Lehrtätigkeiten oder Verwaltungsaufgaben zurücktreten.

Giulio Superti-Furga, Wissenschaftlicher Direktor des Forschungszentrums für Molekulare Medizin (CEMM) der ÖAW, ortete ein Paradoxon in der Einstellung junger Menschen: "Jugendliche leben in einer Welt, die von Wissenschaft und Technik kreiert worden ist. Trotzdem finden sie Wissenschaft als Beruf weitgehend uncool." Dabei seien die Zeiten für eine wissenschaftliche Karriere noch nie so gut wie heute, meinte Superti-Furga. Der Zugang zu Quellen sei besser denn je, der Zugang zu Information demokratischer und offener. Immer häufiger gebe es die Möglichkeit, auch interdisziplinär zu arbeiten. "Vielleicht ist die Vorstellung des sicheren Jobs in der Forschung passe, dennoch sind Wissenschaften die beste Waffe, um mit der Welt zurechtzukommen", sagte der Molekularbiologe. (APA, 9.5.2012)

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"Scheinstudenten"

Ein grosses Manko ist der Mangel an wirklich guten Professoren, die für ihr Fach BRENNEN und wo es einfach nur eine Freude ist, in die Vorlesung zu gehen.
Es gibt ein paar, aber sie sind die Ausnahme.
Für viele Studenten wird das Studium leider nur zum reinen Absammeln von Zeugnissen, einschlägig auch "Scheine" genannt - man kann also getrost von "Scheinstudenten" sprechen ....

Wahnsinn^^

Superti-Furga, der sollte Motorräder bauen oder einen Formel1 Rennstall gründen^^

furga ist einer der überheblichsten seiner sorte. und besonders hier hat er sich nun definitiv geoutet. wenn einer heute sagt, dass die zeiten für eine wiss. karriere noch nie so gut gewesen sind" muss man leider sagen, dass dieser vor lauter selbstliebe das leid der anderen nicht mehr zu sehen scheint.

Er hat schon Recht. Aber eine wissenschalftliche Karriere ist für Österreicher nicht in dem Land möglich, in dem sie studiert haben.

Dass es besser für den wissenschaftlichen Austausch ist, auf Hausberufungen zu verzichten bestreiten die wenigsten.

wo ist es denn besser?

Im Ausland?

Dort, wo das Gras grüner ist?

Einige Zeit lang war's Ostdeutschland, dann im hohen Norden wo's das halbe Jahr finster ist - zumindest in meinem Fach.

Inm eigenen Land an der eigenen Uni braucht man ncith drauf spekulieren - Hausberufungen werden (aus wissenschaftlicher Sicht glücklicherweise) immer weniger, und das Land ist zu klein um viele unis parallel zu haben.

Aber akademische Karriere ist sowieso was internationales. Wenn man nicht mobil ist, sollte man's lieber gar nicht versuchen.

ja dann...schiessen sie mal los wo es ihrer meinung nach grade soviel besser ist...

Verstehe ich! I

Ich bin selbst in der Wissenschaft seit nicht ganz 10 Jahren taetig (MINT) und kann heute keinem Studenten empfehlen eine wissenschaftliche Karriere zu machen.

Warum?
a) Eine Famile haelt das auf dauer nicht oder nur sehr schwer aus. 1 Woche im Monat auf Reisen (min.) Arbeiten jedes Wochenende, verrueckte Zeiten, etc.

b) Miserables Gehalt fuer die Verantwortung und die Arbeitszeiten. Man verdient weniger als die Sekretaerin/h gerechnet.

c) Die Lehre ist jedem egal, man kann nichts gewinnen wenn man gut unterrichtet. Also warum anstrengen? Den Studenten ists egal solange sie positive Noten auf die Prfg bekommen.

d) Um mithalten zu koennen braucht man das neuste Equipment, Software, PC etc das kostet aber keiner will es zahlen

Verstehe III

zum Publizierdrang ist zu sagen.

Die Grundfrage ist wie mist man die Qulitaet eines Forschers? Da faellt den Buerokraten halt nichts besseres ein als Citations, H factor, etc...
Das ist allerdings sehr Fachabhaengig, Ein Mediziner bekommt da viel leichter hohe Werte als ein Maschinenbauer.

Die Frage ist muss man das Messen? Und wenn ja sind papers das richtige ?

In letzter Zeit sieht man immer mehr das sich gewisse Kreise immer gegenseitig zitieren und Forschungsarbeiten die eigentlich eine sein sollten auf 2-3 aufteilen damit die Statistik in die Hoehe schnellt.
Na ob das das mass aller Dinge ist weis ich nicht.

Wenn man schaut die wirklich guten arbeiten kommen von Leuten die vielleicht 1 Paper im Jahr schreiben.

Verstehe ich II

Es ist noch hinzuzufuegen:

e) Es gibt ja gar keine Stellen fuer Junge oder mid career Leute. A. ist eigentlich zu klein um ein Akademisches Karrieremodel zu haben. In jedem Wissenschaftsfeld gibt es vielleicht 1-2 Institute die aehnliche Sachen machen. Dann gibt es vielleicht 10-15 Position. Wo ist da Platz fuer Junge?

f) Eine Forschungsanstalt so wie in Deutschland oder der Schweiz gibt es bei uns auch nicht. Sowas wie die dortigen Forschungszentren wo man hin koennte.

g) Das system ist so verkrustet und wird gefuehrt wie ein Koenigreich von einem Vorstand. Das ist in anderen Laendern viel besser wo es keinen Vorstand so wie wir das kennen gibt sondern nur Gruppen.

h) Es gibt kaum externe Reviews von dept.

Mir ging es früher nicht anders; auch in einem MINT Fach promoviert, allerdings dann ab in die Wirtschaft; aber nicht in den Verkauf oder in die üblichen Bürojobs, bei denen man sich fragt, warum man sich das Studium angetan hat, sondern in die F&E.
Dort kann ich mich kaum beklagen: Gute Bezahlung, Karriereplanung ohne die Voraussicht auf einen Standortwechsel alle 3 Jahre, Dienstwagen, selten Wochenendarbeit, keine post-pubertären Habilitationsmachtkämpfe. Dafür nur produktorientierte Forschung und kaum Publikationen (aber wer braucht die außerhalb der Academia).
Trotzdem, ich habe kein einziges Mal zurückgeblickt.

"Brauchen" ist ja nicht so die Frage - grundsätzlich hab ich gern publiziert, und hätt schon immer wieder publizierenswerte Sachen - aber wenn ich mal wirklich das Thema ansprechen würde wär die Antwort "Geheimhaltungsvereinbarung".
;-)

Kenne ich woher :)
Allerdings frage ich mich dann immer: Wozu? Der ganze Aufwand, die Journal-spezifische Formatierung, die Zitate, das Theater mit den Reviewern...im Endeffekt kümmern die Publikationen außerhalb der akademischen Wissenschaft kaum jemanden. Den Aufwand für eine weitere Zeile im Lebenslauf?

Das wozu ist nur mit "weil es Spas macht" zu beantworten. Ansonsten gibt's wie SIe schreiben besser bezahlten Zeitvertreib. ;-)

Und Sie selber machen es weil?

"Trotzdem finden sie Wissenschaft als Beruf weitgehend uncool."

"Vielleicht ist die Vorstellung des sicheren Jobs in der Forschung passe, dennoch sind Wissenschaften die beste Waffe, um mit der Welt zurechtzukommen"

Kein Wunder bei dem beständigen Leistungsdruck als Forscher. Wer ein guter Forscher ist wird Erfolg haben.

Der Rest geht unter, gemäss dem Motto Publish-or-Perish.

Das vergleiche man mit einem Studium an der WU, wo man auch mit einem normalen Abschluss ohne Probleme hochbezahlte und sichere Jobs findet.

Vielleicht sind die "Jugendlichen" schlauer als Giulio Superti-Furga meint?

Als Forscher hat man's echt ned leicht.

Je forscher ich werd, umso weniger Leut mögen mich

:-(

;-)

Keine Überraschung...

Keine Exzellenz in Österreich, Grundlagenforschung ist meist nur Nachforschung der Ergebnisse der internationalen Spitze, bei den Naturwissenschaften wird man in Forschung&Entwicklung in der Privatwirtschaft besser behandelt. Also wozu Karriere als akademischer Wissenschafter anstreben?

Status, "ungezwungende" Umgebung, Umfeld (im Vergleich zu mit Anzug 8-12 Stunden im Büro hocken), Forschung macht vielen Spaß und auch Lehre bereitet einigen Freude, Bezahlung jetzt nicht übermäßig aber halt auch nicht so wild bescheiden wie häufig getan wird (Bezogen auf Geistes-Sozial-Wirtschaftswissenschaften), es besteht idR die Möglichkeit immer noch später in die Privatwirtschaft zu wechseln, Geld alleine ist nicht für alle die primäre Motivation ("bescheidener" Lebensstil und kein Wunsch nach großer Wohnung und vernünftigem Auto, Erbschaft usw.).

Status, "ungezwungende" Umgebung, Umfeld, Forschung gibt's genauso auch in der Privatwirtschaft. Naturwissenschafter laufen auch da nicht mit Anzug und Krawatte herum.
Dazu kommt noch neuestes Equipment, keine Zeitverschwendung mit Administration oder Lehre und praktische Umsetzung von Forschungsergebnissen auf Industrieniveau (nicht bloß proof-of-concept). Der einzige Nachteil ist, daß man seine Forschungsergebnisse in der Regel nicht publizieren kann.

Ich hab in meinem Posting doch eh

"...(Bezogen auf Geistes-Sozial-Wirtschaftswissenschaften)..."

geschrieben. Da gibts in der Privatwirtschaft kaum Jobs (zumindest keine mir bekannten, außer vielleicht Marktforschung für einige "Auserwählte" und selbst da kann kaum jemand mit Jean und Pullover in der Firma antanzen wie viele an der Uni) die mit Anstellungen an der Uni, anderen staatl. Forschungseinrichtungen, vergleichbar sind.

Nope sorry, stimmt nicht was du da schreibst.

Was "Trolling is a art." geschrieben hat stimmt hingegen.

"es besteht idR die Möglichkeit immer noch später in die Privatwirtschaft zu wechseln"

Ja, hat ein Freund von mir vor ein paar Jahren getan. Er verdient nun auch wesentlich besser.

Die Frage ist - wieso hat er dies nicht bereits vor 5 Jahren gemacht? Hätte er mehr Geld verdient in der Zwischenzeit. Die "Zeit" als Forscher hat ihm nicht wirklich etwas gebracht, ausser man redet sich das Gegenteil ein so wie du es versuchst. ;)

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