Neuer Berliner Flughafen weist grobe Mängel auf

9. Mai 2012, 14:28
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Management wollte die Brandschutztüren vorübergehend per Hand bedienen lassen. Gepäckabfertigung soll Probleme machen

Berlin/Schönefeld - Nach der Berliner Flughafen-Blamage rücken die Ursachenforschung und die Suche nach Verantwortlichen in den Mittelpunkt. Zugleich kommen neue Details zu dem Debakel ans Tageslicht. Zur verschobenen Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg werden Einzelheiten über mögliche Ursachen bekannt.

Skurriles um Brandschutztüren

Nach Zeitungsberichten gehen die Gründe für die Terminpanne über eine Verzögerung bei der Brandschutzprüfung hinaus. So habe der Landkreis Dahme-Spreewald als zuständige Genehmigungsbehörde die Inbetriebnahme des Großflughafens in Schönefeld verweigert, berichten die "Potsdamer Neuesten Nachrichten".

Laut der "Bild"-Zeitung war auch eine Sondergenehmigung für die Nutzung der automatischen Brandschutzanlagen abgelehnt worden. Der Landkreis hätte der Flughafengesellschaft bis zum 21. Mai Zeit gegeben, die erforderlichen Nachbesserungen vorzunehmen. Der Flughafenbetreiber wollte laut "PNN" etwa die Brandschutztüren durch 700 befristet eingestellte Mitarbeiter von Hand bedienen lassen, was der Landkreis nicht genehmigen wollte.

Der Flughafenchef Rainer Schwarz sagte dazu, der seit November laufende Probebetrieb habe eine Reihe von Problemen zutage gebracht, die aber mit "operativen Maßnahmen" hätten bewältigt werden können. "Wenn etwa die Technologie der Türöffnung nicht funktioniert, kann man die Türen auch manuell öffnen lassen."

Gepäckabfertigung soll nicht funktionieren

Die Flughafengesellschaft hatte noch vor wenigen Wochen erklärt, der Eröffnungstermin werde gehalten. Überraschend war dann am Dienstag mitgeteilt worden, der Flughafen könne nicht wie geplant am 3. Juni in Betrieb gehen, weil die Abnahme für die Brandschutzanlage fehle. Demnach funktioniere die Steuerung der Anlage noch nicht einwandfrei. Es ist bereits die zweite Verschiebung des Eröffnungstermins, der ursprünglich zum 30. Oktober 2011 vorgesehen war.

Auch andere Mängel verhinderten offenbar eine rechtzeitige Inbetriebnahme. So soll die Gepäckabfertigung den Berichten zufolge nicht reibungslos funktionieren. Zudem sollten für die Anfangsphase des Betriebs Notterminals eingerichtet werden, weil die Abfertigungskapazität nicht ausreichte.

Welche Auswirkungen die Verschiebung auf die Gesamtkosten des Flughafens haben wird, ist noch unklar. Offen ist auch die Frage, wie viele der geplanten Flüge während der nunmehr vermutlich bis August dauernden Übergangsphase von Tegel und Schönefeld zusätzlich starten können.

Eröffnungstermin soll nächste Woche stehen

Der neue Eröffnungstermin für den Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg soll in der nächsten Woche feststehen. "Wir gehen davon aus, dass wir Anfang der kommenden Woche Klarheit darüber haben werden", sagte Flughafenchef Rainer Schwarz am Mittwoch auf einer Tourismus-Tagung in Berlin. Einen Rücktritt wegen der erneuten, möglicherweise monatelangen Verzögerung lehnte er erneut ab.

Schwarz sagte, die Eröffnung des Flughafens in Schönefeld sei ausschließlich wegen des noch nicht funktionstüchtigen Brandschutzes verschoben worden - und nicht auch wegen anderer Probleme, die beim Probebetrieb aufgetaucht wären. In Presseberichten war von Mängeln etwa bei der Gepäckabfertigung die Rede.

Bei der Brandschutzanlage habe das Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten nicht einwandfrei funktioniert. Beteiligt gewesen seien Firmen wie Bosch und Siemens. Schwarz sagte, es habe auch am Montag eine geringe Chance bestanden, die Brandschutzprobleme bis zum bis dahin geplanten Eröffnungstermin am 3. Juni in den Griff zu bekommen. Er habe aber die Reißleine gezogen, um die Sicherheit der Passagiere nicht aufs Spiel zu setzen. "Die Brandschutzanlage muss nicht zu 95 Prozent, sie muss zu 100 Prozent funktionieren."

Eine Million Passagiere umgeleitet

Vom verschobenen Eröffnungstermin für den Hauptstadtflughafen in Berlin sind allein bei der Lufthansa 500.000 bis 1 Million Passagiere betroffen. Sie würden jetzt auf den Flughafen Tegel umgebucht und per Telefon, E-Mail oder SMS informiert, sagte Lufthansa-Manager Oliver Wagner am Mittwoch in Berlin. Die geplanten Abflugzeiten würden sich aber höchstens im Viertelstundenbereich ändern. Eine Detailplanung gebe es spätestens Anfang kommender Woche.

"Ich rate bei dem Thema allen zur Gelassenheit", sagte Wagner. Der Flughafenbetreiber habe zu Recht entschieden, den Termin zu verschieben - wenn auch zu spät. Über die Höhe der Schadenersatzforderungen der größten deutschen Airline könne er noch keine Angaben machen.

Air Berlin, die deutsche Nummer zwei unter den Fluggesellschaften, muss nach Angaben von Vorstandsmitglied Paul Gregorowitsch eine Million Passagiere umbuchen. Er sagte, sein Unternehmen sei von der Terminverschiebung überrascht worden. (APA, 9.5.2012)

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