Explosion trifft Konvoi der UN-Beobachter

9. Mai 2012, 15:56
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Acht Angehörige der Sicherheitskräfte verletzt - Wahlergebnis verzögert sich

Amman - Trotz der vereinbarten Waffenruhe in Syrien gehen die gewaltsamen Übergriffe weiter und machen auch vor den UN-Beobachtern nicht halt. Staatliche Medien und Regierungsgegner berichteten am Mittwoch übereinstimmend, in Daraa (Deraa) seien die Begleitfahrzeuge der Beobachter vor deren Augen von einer schweren Explosion getroffen worden. Die UN-Mitarbeiter wurden offenbar nicht verletzt. In der Hauptstadt Damaskus töteten Rebellen nach Angaben von Aktivisten mindestens sieben Regierungsmilizionäre.

Die Armee habe mit einem Beschuss des Gebiets reagiert. Angesichts der Gewalt drohte der Kommandant einer größeren Rebelleneinheit, den Kampf wieder aufzunehmen. Der Waffenstillstand ist ein Kernpunkt des internationalen Friedensplans.

60 Beobachter im Land

Der regierungstreue Fernsehsender Addunia berichtete von acht Verletzten unter den syrischen Sicherheitskräften bei dem Angriff in Daraa. Auch der Chef der Beobachter, Generalmajor Robert Mood, habe sich in dem Konvoi befunden. Er habe die Verletzten später im Krankenhaus besucht. Der Friedensplan des internationalen Gesandten Kofi Annan sieht die Entsendung von bis zu 300 Beobachtern vor. Sie sollen die Umsetzung und Einhaltung der Waffenruhe überwachen. Gegenwärtig sind etwa 60 von ihnen in Syrien.

Der oppositionelle Syrische Nationalrat (SNC) machte die Führung in Damaskus für den Anschlag verantwortlich, Frankreich verurteilte die Tat. Der Chef der UN-Beobachter, Generalmajor Robert Mood, sagte nach Angaben seines Sprechers Neeraj Singh, der Anschlag sei ein "konkretes Beispiel" der Gewalt in Syrien, die "in allen ihren Formen" beendet werden müsse.

Urnengang muss wiederholt werden

Die Bekanntgabe des Ergebnisses der von der Protestbewegung boykottierten Parlamentswahl in Syrien verzögert sich. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, in zwei Wahlbezirken der Provinz Hassaka werde der Urnengang an diesem Mittwoch wiederholt. Zur Begründung hieß es, die Leiter des Wahlvorstandes in diesen zwei Wahllokalen hätten gegen das Gesetz verstoßen.

Die Agentur meldete weiter, die Auszählung der Stimmen sei noch nicht in allen Provinzen abgeschlossen. Ursprünglich hätten die Ergebnisse der Wahl vom Montag am Dienstagabend vorliegen sollen.

Geringe Wahlbeteiligung

Oppositionelle berichteten, in den Provinzen Aleppo, Homs, Hama, Daraa, Idlib, Deir as-Saur, Hassaka und Damaskus-Land sei die Wahlbeteiligung sehr gering gewesen. Ein ehemaliger Offizier aus Aleppo behauptete sogar, in seiner Heimatstadt hätten nur 3.000 Wähler abgestimmt. Außerdem erklärte er, ihm seien bereits am Wahltag die Namen derjenigen Kandidaten zugespielt worden, die von den Behörden zum "Gewinner" bestimmt worden seien. Unter ihnen seien einige Mitglieder der Syrischen Sozialen Nationalistischen Partei (SSNP). Diese Partei, die von einem "Großsyrien" träumt, gehört nicht zu den neun Parteien, die in den vergangenen Monaten neu zugelassen worden waren. Die SSNP ist Teil der regimenahen "Opposition", die schon seit einigen Jahren toleriert wird.

In Syrien hat die Armee nach Angaben von Aktivisten im Morgengrauen die Rebellenhochburg Duma unter Beschuss genommen. Die im Nordwesten der Hauptstadt Damaskus gelegene Stadt befinde sich unter Dauerbeschuss, teilte die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch mit. In Damaskus gab es demnach im Viertel Al-Maissat einen Schusswechsel zwischen Sicherheitskräften und Aufständischen.

Zivilisten getötet

Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden zudem nahe der Stadt Jisr al-Shugur in der nordwestlichen Provinz Idlib ein Zivilist getötet und drei weitere verletzt. Die nahe der Grenze zur Türkei gelegene Region ist seit Beginn des Aufstands vor mehr als einem Jahr eine der Hochburgen der Protestbewegung. Ebenfalls in Idlib habe es nahe einer Straßensperre eine Explosion gegeben, woraufhin Schüsse zu hören gewesen seien, teilte die Beobachtungsstelle mit.

Seit dem Beginn der Protestbewegung im März 2011 wurden nach Angaben der Aktivistengruppe fast 12.000 Menschen in Syrien getötet, die große Mehrheit davon Zivilisten. Seit dem 12. April ist offiziell ein Waffenstillstand in Kraft, doch wird dieser regelmäßig von den Sicherheitskräften und den Rebellengruppen gebrochen. Eine UN-Beobachtermission befindet sich im Land, um die Einhaltung der Waffenruhe zu überwachen. (red/APA/Reuters, 9.5.2012)

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    Ein syrischer Soldat präsentiert seine Verletzungen

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