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Es begann als Kulturschock, fuhr rasante Gefühlsachterbahntouren und wurde letztendlich zum Real-Life-Bilderbuch und größten Abenteuer meines Lebens.
Fünf Monate Montpellier. Aber gleich zu Beginn kratzte die Desillusion hartnäckig den Lack vom Aushängeschild Südfrankreich ab. Statt des erwarteten süßen Savoir-vivre stieß ich auf autoritäre Familienstrukturen, unvermeidliches Heimweh und die Sprachbarriere, die die Zunge in Ketten legt und mit ihr die ganze Persönlichkeit.
Heim- und Fernweh
So gar nicht wie Gott, sondern wie ein Satansbraten in Frankreich trat ich unwissentlich in jeden Fettnapf und überschritt Regeln, deren Existenz ich nicht einmal erahnte. Handylos und mutterseelenallein in der Pampa der Mitternacht entgegen und dem letzten Bus zurück in die Zivilisation nachsehen - so fühlt sich Verlassenheit an. Dank löwenhaften Durchsetzungsvermögens, verrückter Zufälle und einer mir selbst bisher unbekannten Rebellion gegen das zu enge Regelkorsett der Austauschorganisation erreichte ich schließlich gastfamilientechnische Veränderungen.
Et voilà! Mittlerweile sind meine Tage von Euphorie und einem Gefühl unbegrenzter Freiheit geprägt; von stundenlangem trilingualem Philosophieren mit Freunden aus allen Ecken dieses Planeten; von Fernweh, dass sich nur um einen Mittelmeerwindstoß von Heimweh unterscheidet und von der vagen Vermutung, ein winziges Stück mehr vom Mysterium Welt verstanden zu haben.
Hinsichtlich meiner einerseits viel zu baldigen, andererseits heiß ersehnten Rückkehr nach Österreich weiß ich, dass wohl keine andere Entscheidung mich auf eine derart (über)fordernde, intensive und zugleich unendlich wertvolle Weise wachsen hätte lassen.
So klopfe ich in den vielen Momenten, die zu perfekt sind, um real zu sein, voller Skepsis an nächtlich beleuchtete Terrakotta-Häuserwände, um sie als Filmkulissen zu entlarven. (Julia Höftberger aus Montpellier, DER STANDARD, 9.5.2012)
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