Deeskalation im Handgepäck

8. Mai 2012, 19:36
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Die Uni Klagenfurt verbindet in einem Projekt Friedens- und Tourismusforschung

Am 24. April 2012 unterzeichneten die Welttourismusorganisation der Uno (UNWTO) und die Alpen-Adria-Universität Klagenfurt ein "Memorandum of Understanding". In diesem Fall ist der Begriff sogar passend, weil dadurch ein bis Ende 2013 laufendes Forschungsprojekt begann, das die Potenziale von Tourismus für den Frieden ergründet.

Vorerst soll anhand bestehender Länderstudien (etwa aus Ruanda, Irland oder Nordkorea) eruiert werden, unter welchen Voraussetzungen Tourismus Antrieb für Frieden, Menschenrechte oder Verständnis sein kann. Dabei werden insbesondere auch die Rollen einzelner Interessengruppen beleuchtet, um daraus später Empfehlungen für die Akteure (Reisende, touristische Unternehmen, aber auch Regierungen) abzuleiten. Der wohlstandsfördernde Aspekt von Tourismus wird nicht im Fokus stehen, es sind die interkulturellen Begegnungen, die bisher kaum Forschungsgegenstand im Tourismus waren.

Cordula Wohlmuther, Leiterin des Projekts an der Uni Klagenfurt und früher selbst für die UNWTO tätig, ergänzt: "Empirische Untersuchungen, die belegen, dass Tourismus gezielt als Friedensinstrument eingesetzt werden kann, gibt es noch nicht." Um in der zweiten Phase des Projekts solche durchführen zu können, sind die Forscher auf die Kooperationsbereitschaft einzelner Staaten und auf deren Mittel angewiesen.

Wohlmuther geht davon aus, dass gewisse Typen von Reisen - mit zugegebenermaßen geringem Marktanteil - der Konfliktprävention dienlich sein können. Realistisch gesehen entstünde ein Dialog aber nur dort, wo der Tourist bewusst auf einen solchen aus ist. Dennoch müsse sich eine Untersuchung, die Friedensforschung mit Tourismus verknüpft, eben erstmal auf diese kleine Gruppe konzentrieren. Wohlmuther sieht ethisch und kulturell motivierte Reisende aber als Trendsetter, die immer relevanter werden. (saum)

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