Ahnungsloser Präsident mit dominanter Ader

8. Mai 2012, 19:04
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Leo Wallner, Expräsident des Österreichischen Olympischen Comités, bestritt vor Gericht, dass es ein Schwarzgeldkonto gab. Seinen angeklagten Exvertrauten Heinz Jungwirth belastete er

Wien - Dass Leo Wallner seinem ehemaligen Vertrauten Heinz Jungwirth am Dienstag ein Hackl ins Kreuz haut, ist ein Euphemismus. Es ist eher eine Kettensäge. Denn der ehemalige Präsident des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC) widerspricht am Wiener Landesgericht praktisch allen Aussagen, die der wegen Untreue angeklagte Jungwirth am Montag gemacht hat.

"Es gibt keine Schwarzgeldkonten", sagt der freundlich auftretende 77-Jährige vor dem Schöffensenat unter dem Vorsitz von Georg Olschak. Was doch ein wenig im Widerspruch zur Darstellung steht, die Wallners ehemaliger Generalsekretär abgeliefert hat. Der erzählte dem Gericht nämlich, dass das in der Buchhaltung nicht aufscheinende Konto in Absprache mit Wallner eingerichtet worden sei - um heiklere Aufgaben zu finanzieren.

Wie den Kauf eines Tiroler Hotels für das Australische Olympische Komitee. "Der ist mir erinnerlich, Australier durften kein Grundstück erwerben, daher haben wir es gekauft und dann an sie vermietet", sagt Wallner. Um eine überraschende Feststellung folgen zu lassen: "Ich weiß nicht, ob das in der Buchhaltung vorgekommen ist."

Wie der Exchef der Casinos Austria generell viel Vertrauen in sein Umfeld hatte, wie es scheint. "In welche Details haben Sie sich eigentlich eingemischt?", will Richter Olschak wissen. Seine Aufgabe sei eher der Umgang mit den Sponsoren gewesen, antwortet Wallner. Ob ihm der angebliche Fehlbetrag von 2,8 Millionen Euro, die Jungwirth laut Anklage für private Zwecke abgezweigt haben soll, nicht aufgefallen sei? "So etwas ist sehr schwierig herauszufinden auf einem ehrenamtlichen Posten" , sagt Wallner.

Der vom Schöffensenat, Staatsanwalt Andreas Allex und Jungwirths Verteidiger Herbert Eichenseder erstaunlich sanft angefasst wird. Obwohl die Salzburger Staatsanwaltschaft auch gegen ihn ermittelt. Dass Jungwirth entgegen der ÖOC-Satzungen ohne Vorstandsbeschluss freihändig über das Geld verfügen konnte, leugnet Wallner nicht. Aber: "Schriftlich fixiert braucht das nicht zu werden."

Offizielle Vorstandsbeschlüsse und schriftliche Vereinbarungen dürften beim ÖOC unter Wallners Herrschaft generell nicht so gefragt gewesen sein. "Da hat eigentlich jeder jedem vertraut. Ein gutes Vereinsklima", merkt Olschak an anderer Stelle an.

Beispielsweise bei der Unterstützung der Bewerbung Salzburgs für die Winterspiele 2014. Dafür wurde der Olympia-Förderverein gegründet, den wiederum Jungwirth betreute und den das ÖOC mit Geld ausstattete. Es ging um 50.000 Euro, sagt Wallner - zuvor hatte aber der Zeuge Gottfried Forsthuber, von 2005 bis 2009 Kassier im ÖOC, noch von einigen 100.000 Euro gesprochen.

Dass mit Jungwirth, der die Aussage emotionslos verfolgt, für seine Mühen mehr als 200.000 Euro Honorar vereinbart worden seien, wie dieser behauptet, bestreitet der Expräsident. Ebenso dementiert er, dass akkordiert gewesen sei, dass der Angeklagte Gelder für private Zwecke von Konten und Sparbüchern des ÖOC abheben konnte, auch wenn er sie wieder zurückgezahlt haben sollte.

Das Selbstbild von Wallner als sponsorenbringender Frühstückspräsident relativiert Zeuge Forsthuber etwas. "Durch die Dominanz von Wallner wurden Entscheidungen nicht hinterfragt oder kritisiert", erläutert dieser auf die Frage, warum er als Kassier offenbar alles hinnahm, solange die (offiziellen) Bücher stimmten.

Wobei selbst bei denen viele Fragen offen sind. Denn laut Jungwirth seien auf das Schwarzgeldkonto Zahlungen des Internationalen Olympischen Komitees geflossen. Warum niemandem auffiel, dass diese Mittel fehlten, bleibt vorerst unklar. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 9.5.2012)

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    Ein Bild aus besseren Zeiten. Ex-ÖOC-Präsident Leo Wallner (li.) und Exgeneralsekretär Heinz Jungwirth kämpften damals noch für Olympische Spiele in Salzburg. Nun trafen sie sich vor Gericht.

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