"Auf Hypo-Vorstand verlassen"

8. Mai 2012, 18:05
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Hypo-Liechtenstein Verwaltungsrat nickte Kredite ab

Klagenfurt - Die Hypo Alpe Adria International (HBInt) brauchte nach den Swap-Verlusten 2004 dringend frisches Eigenkapital. Man besorgte es sich über Vorzugsaktien der Hypo-Leasing. Über Liechtenstein wurde ein kompliziertes Finanzkonstrukt mit elf Gesellschaften gegründet - und das Geld für den Vorzugsaktiendeal streckte die Hypo-Liechtenstein-Tochter als Kredit vor - insgesamt 56 Millionen Euro.

Die Anklage im Hypo-Prozess III sieht darin ein konzerninternes "Geldkarussel", mit dem die Generierung von Eigenkapital nur vorgetäuscht werden sollte und der Bank ein Schaden von 5,5 Mio. Euro entstanden sei. Angeklagt wegen Untreue sind die beiden Exvorstandsdirektoren Wolfgang Kulterer und Günther Striedinger, sowie als Beitragstäter Anwalt Gerhard Kucher und Steuerberater Hermann Gabriel.

Am Dienstag bestätigte ein weiterer Zeuge der damals prüfenden Finanzmarktaufsicht (FMA), dass man zu keinem abschließenden Ergebnis bezüglich Eigenmittelqualität habe kommen können: wegen des extrem strengen Liechtensteinischen Bankgeheimnisses und weil entscheidende Informationen fehlten. So sei den Prüforganen nur ein dürres Organigramm vorgelegt worden, aus dem nicht ersichtlich gewesen sei, welche Personen hinter diesen elf Gesellschaften stünden, noch über welche Mittel sie verfügten.

Nichts gewusst, nichts gehört, nichts gesehen haben will auch der frühere Vorsitzende des Hypo-Liechtenstein-Verwaltungsrats, Dieter Falschlehner.

"Gängiges Geschäft"

Für ihn sei die Kreditfinanzierung der Hypo-Leasing-Aktien aber ein "gängiges Lombardgeschäft mit erstklassiger Besicherung" gewesen, versichert Falschlehner auf Frage der Richterin Sabine Roßmann. Er habe sich auf die Informationen durch den Hypo-Vorstand verlassen, wonach hinter den elf Anstalten "echte lebende juristische und natürliche Personen" stehen würden. Dass auch ein Schwager des Steuerberaters Hermann Gabriel dabei gewesen sei, habe er auch nicht gewusst.

Dennoch bewilligte der Verwaltungsrat die Kredite. Die Eigenmittelqualität zu prüfen, sei nicht dessen Aufgabe gewesen, sagt Falschlehner. Für Vorzugsaktien-Käufer Heinrich Pecnik stellte der Vorzugsaktiendeal eine "logische Überbrückung" bis zum vorgesehenen Börsengang dar. (stein)

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