Seniorität befördert Gewerkschafter Hable

8. Mai 2012, 17:58
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Streitbarer Gewerkschafter vor Kapitänsweihe

Wien - Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass aufgrund der Senioritäts-Regel ausgerechnet Gewerkschafter Wolfgang Hable, ein Upgrading vom Kopiloten zum Kapitän bekommen soll, der im Vorjahr monatelang krank war und zudem das Unternehmen mit diversen Klagen eindeckt. Der Aufstieg ergibt sich, weil 43 Piloten das Unternehmen jüngst freiwillig verlassen haben.

Das mögliche Upgrading Hables ist eines der "Altlasten" aus dem AUA-Kollektivvertrag. Dort heißt es, dass, sofern die fachliche Qualifikation vorhanden ist, das Upgrading durchzuführen ist. Es sei denn, man schafft die Prüfung (Simulatorflug) nicht, was so gut wie nie vorkommt. Nur in sehr seltenen Ausnahmefällen entscheidet der letztverantwortliche Flugbetriebsleiter, dass ein Kopilot nicht zum Kapitän geeignet sei.

Hable hat sich im Juni 2011 bei der AUA krankgemeldet. Erst im Dezember war er wieder "fit to fly". Wäre Hable länger krankgemeldet gewesen, hätte er mit einer Gehaltskürzung rechnen müssen. Er flog also gerade so viel, dass seine Lizenz nicht verfiel. Ende Jänner 2012 befand er sich wieder im Krankenstand - in Summe war er heuer bereits drei Wochen krank. Dennoch hat er zu Jahresbeginn an den Verhandlungen mit der AUA-Spitze über ein Sparpaket teilgenommen. Allerdings nur elf Minuten, denn seine erste Frage war: Wie steht es um meine Freistellung? Als keine für ihn befriedigende Antwort kam, verließ Hable die Verhandlungen, und die AUA kündigte den Kollektivvertrag. Ex-AUA-Chef Alfred Ötsch gewährte ihm die Freistellung, Vorstand Peter Malanik hob dieselbe auf. Hable klagte Malanik und den Personalchef. Die Klage wurde vom Gericht abgewiesen. Aktuell sind noch einige im Laufen, etwa die auf rechtswidrigen Abzug der Betriebsratsumlage.

Aus der AUA verlautet, das Upgrading des Betriebsrates Hable sei noch nicht hundertprozentig fix. Es werde noch gerechnet, zumal auch Umschulungen stattfänden. Mit dem Standard will Hable "nicht sprechen". (cr, DER STANDARD, 9.5.2012)

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