Familie nach Brand im Kloster Mehrerau ohne Wohnung

8. Mai 2012, 18:42
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Klostersprecher: "Die lassen sich nicht helfen"

Bregenz - Beim Großbrand im Bregenzer Kloster Mehrerau wurde in der Nacht auf Freitag nicht nur ein wesentlicher Teil der Wirtschaftsbetriebe zerstört, auch eine Familie kam um ihr gesamtes Hab und Gut. Die vom Kloster gemietete Wohnung neben dem Holzlager gibt es nicht mehr. Im Lager war durch einen technischen Defekt an einem Stapler der Brand ausgebrochen, so erste Ergebnisse der Brandermittler. Die Familie, die vorübergehend bei einem Verwandten unterkam, klagt nun über mangelnde Hilfsbereitschaft des Klosters.

16 Jahre lang, seit sie aus Bosnien geflüchtet sind, hätten er und seine Eltern in der Klosterwohnung gelebt, erzählt Samir Husic. Sein Vater habe bis zur Frühpensionierung im Bauhof des Klosters gearbeitet, die Heizanlage betreut. "Jetzt stehen wir da und haben nichts mehr." Der 21-Jährige alarmierte in der Brandnacht die Feuerwehr, "bedankt hat sich bei mir keiner, es hat auch keiner aus dem Kloster gefragt, wie es mir geht". 

Möbelgutscheine abgelehnt

Erst nach vier Tagen habe Abt Anselm van der Linde die Familie zu einem Gespräch eingeladen. Er habe Gutscheine eines Möbelhauses in der Höhe von 3000 Euro als Hilfe angeboten. "Die Familie hat das abgelehnt", wundert sich Klostersprecher Harald Schiffl. "Wir möchten vom Kloster ein vernünftiges Wohnungsangebot", begründet dies Husic.

Das Kloster habe zwar für drei Monate eine Überbrückungswohnung zu gleichen Bedingungen wie die alte Wohnung (380 Euro Miete) angeboten, "aber danach müssten wir für diese Wohnung 900 Euro bezahlen, das können wir nicht". Das sei ein ortsüblicher Preis für die Lage am See, sagt Schiffl. Das Kloster habe ein faires Angebot gemacht, sei ganz sicher nicht unmenschlich, "aber diese Familie lässt sich einfach nicht helfen" . Das zeige ja auch der Umstand, dass eine Wohnung der Stadt abgelehnt wurde.

Wohnung ohne Heizung

Die Stadt habe am Morgen nach dem Brand 400 Euro Soforthilfe geleistet, sagt Stadtrat Michael Rauth (ÖVP). "Die Familie könnte sofort in eine gerade adaptierte Wohnung einziehen, will aber nicht." Die Wohnung habe keine Heizung, entgegnet Husic, "mein Vater ist herzkrank, dem kann man so eine Wohnung nicht zumuten." Die Mieter müssten sich eine Kochgelegenheit anschaffen und einen Ölofen, räumt Rauth ein. Den Vorwurf, die Stadt helfe Menschen in Notsituationen nicht wirklich, will er nicht gelten lassen. "Diese Wohnung können sie für 303 Euro haben, so lange sie wollen. Wir halten sie auf jeden Fall noch einen Monat frei."

Die öffentliche Kritik der Familie am Kloster löste wüste ausländerfeindliche Beschimpfungen in Internetforen aus. (jub, DER STANDARD, 9.5.2012)

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    Nach dem Brand am Gelände des Klosters Mehrerau, bei dem auch die Wohnung einer Familie niederbrannte, gibt es Anschuldigungen von mehreren Seiten.

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