Kroatische Alpine-Tochter vor Konkurs

8. Mai 2012, 16:05
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Restrukturierung von Osijek Koteks im Gange

Zagreb - Die kroatische Tochter der Salzburger Alpine Bau, Osijek Koteks, steht vor ernsthaften Problemen. Wie das kroatische Nachrichtenmagazin "Nacional" berichtete, steht das Unternehmen, an dem die Alpine knapp 70 Prozent hält, vor dem Konkurs. Angeblich sind alle Konten gesperrt. Die Geschäftsführung wandte sich demnach mit einem Schreiben an ihre Subunternehmer, in dem sie den Erlass von 30 Prozent der Schulden als Bedingung dafür vorschlägt, dass der Rest ausbezahlt wird.

Hatte Osijek Koteks 2008 noch einen Umsatz von 1,5 Milliarden Kuna (200 Mio. Euro), sanken die Umsätze 2010 infolge der allgemeinen Wirtschaftskrise auf 716 Mio. Kuna und es wurde ein Verlust von 71 Mio. Kuna eingefahren. Laut "Nacional" betrug der Verlust im vergangenen Jahr 95 Mio. Kuna. Alpine schoss bisher angeblich bis zu 120 Mio. Kuna zu. Von der Alpine in Salzburg, die zur spanischen FCC-Gruppe gehört, hieß es auf APA-Anfrage lediglich: "Das wirtschaftliche Marktumfeld in Kroatien stellt die gesamte Baubranche vor große Herausforderungen. Auch Osijek Koteks muss sich an das schwierige Marktumfeld anpassen." Osijek Koteks sei in einer "Phase der Neufokussierung, Konsolidierung und Konzentration auf das Kerngeschäft". Seit November 2011 ist bei Osijek Koteks ein neues Management tätig.

Osijek Koteks beschäftigt etwa 800 Mitarbeiter und ist das größte Bauunternehmen im Osten Kroatiens. Für negative Schlagzeilen sorgte der ehemalige Geschäftsführer Drago Tadic im vergangenen Jahr. Er muss sich nun vor Gericht verantworten, weil er laut Anklage versucht hat, einen kroatischen Höchstrichter zu bestechen. Mit 70.000 Euro sollte der Richter milde gestimmt werden und dem verurteilten Kriegsverbrecher Branimir Glavas die Haftstrafe herabsetzen. Eine weitere Anklage betrifft Korruption in Zusammenhang mit der staatlichen Autobahngesellschaft HAC.

Mit dem Hinweis auf bestehende Verträge mit HAC versucht die jetzige Geschäftsführung, die Subunternehmer bei Laune zu halten, doch zur Ausführung der Projekte, die großteils vor 2009 vereinbart worden waren, dürfte es nicht kommen, so das Magazin. Der jetzige Infrastrukturminister Sinisa Hajdas Doncic stufte Verträge zwischen HAC und Bauträgern als nachteilig ein, die Auflösung der Verträge und Strafanzeigen gegen die ehemalige HAC-Führung drohen. Mitte 2009 war Ex-Premier Ivo Sanader zurückgetreten, gegen den mittlerweile drei Korruptionsprozesse laufen. (APA, 8.3.2012)

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