Debatte um Alkoholverbot: "Mei Bier is ned deppad"

Kommentar8. Mai 2012, 17:24
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Wenn es in Österreich um Alkohol geht, weicht die Lethargie dem Tatendrang

Kollektives Biertrinken gegen Verbotskultur und Konsumzwang: So lautete das Motto des Bierflashmobs am vergangenen Samstag am Wiener Stephansplatz. Trotz Regenwetters tummelten sich dort rund 200 Prostbürger, um gegen das von Ursula Stenzel (ÖVP), Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt, geforderte Alkoholverbot in der Öffentlichkeit zu protestieren oder besser gesagt Bier zu trinken. 

Nachdem in Graz in der vergangenen Woche erstmals in Österreich ein flächendeckendes Alkoholverbot eingeführt worden war, zog Stenzel nach und fragte: "Wenn es in Graz geht, warum nicht auch in Wien?" Prompt wurde via Facebook ein Aufruf zu einem Bierflashmob gestartet, dem die Freunde des Gerstensaftes - gewappnet mit demselbigen - folgten.

Law and Order in der City 

Stenzel zeigte schon in der Vergangenheit immer wieder Ambitionen für den Posten des Wiener Law-and-Order-Sheriffs: Ausbau der Videoüberwachung, Demonstrationsverbot rund um den Stephansdom, ein generelles Bettelverbot und die Privatisierung von Parks sind nur ein paar Punkte auf ihrer Wunschliste. Deren Umsetzung würde Wien sicherer, sauberer und schöner machen. 

Für Drogenabhängige, Obdachlose, Punks, Bettler oder betrunkene Jugendliche wäre in diesem Wien dann leider kein Platz mehr. Für Wachkörper und Stadtwachen dafür schon. Richtig empört hat sich die Bevölkerung über Stenzels skurriles Wunschkonzert bislang nicht. Lediglich die Wiener Clubszene hat sich mit dem Musikvideo "Ursula Stressned" gegen die Sperrstundenregelung und deren rigorose Einhaltung aufgelehnt.

Doch mit ihrer Forderung nach einem Alkoholverbot im öffentlichen Raum scheint Stenzel einen Nerv der österreichischen Kultur getroffen zu haben. Stellte doch schon der Wahlwiener Ludwig van Beethoven fest: "Solange der Österreicher Bier und Würstel hat, revoltiert er nicht." (Elisabeth Mittendorfer, derStandard.at, 8.5.2012)

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