Private zahlen Fünftel der Kosten

8. Mai 2012, 13:35
posten

Lernende zahlen mehr als ein Fünftel der Kosten selbst - Pro Jahr werden in Österreich 2,6 Milliarden Euro für Weiterbildung aufgewendet

Wien - Der eigene Beitrag der Lernenden zur Weiterbildung ist in Österreich am höchsten im Vergleich zu Finnland, Schweden, Großbritannien und Australien. Das zeigt eine aktuelle Studie, die am Dienstag bei einer Veranstaltung der Arbeiterkammer präsentiert wurde. "Auch bei der Weiterbildung brauchen wir in Österreich mehr Chancengleichheit", Melitta Aschauer, Bereichsleiterin Bildung in der AK Wien, in einer Aussendung. Der hohe Kostenanteil Privater führe dazu, dass niedrig Qualifizierte und Ältere sich weniger stark an Weiterbildung beteiligen können als in den Vergleichsländern. "In Österreich gibt es durchaus Potenzial für die Qualifizierung zusätzlicher Fachkräfte", so Aschauer, "aber dafür muss noch mehr getan werden."

Seit heuer ist das Nachholen von Basisqualifizierung und des Hauptschulabschlusses kostenlos. Als nächstes fordert die AK, dass das Nachholen eines Lehrabschlusses und die Berufsreifeprüfung kostenlos werden.

2,6 Milliarden Euro

In Österreich werden im Jahr 2,6 Milliarden Euro für Weiterbildung aufgewendet (zu Preisen von 2009), ergibt die Studie vom Institut für Höhere Studien. Davon zahlen die Lernenden 530 Millionen oder mehr als ein Fünftel (21 Prozent) selbst. Das ist der höchste Anteil Privater im Vergleich mit Finnland (8 Prozent), Schweden (8 Prozent), Großbritannien (6 Prozent) und Australien (5 Prozent). Und: Der Anteil der staatlichen Finanzierung (hier von Bund und Ländern) ist in Österreich mit acht Prozent der geringste in den verglichenen Ländern, während die Unternehmen immerhin ein Drittel (34 Prozent) zahlen.

In die Finanzierungslücke springt in Österreich das Arbeitsmarktservice mit Schulungen für Arbeitssuchende ein. Es zahlt ein Drittel (37 Prozent), nur in Finnland ist der Anteil der Arbeitsmarktpolitik an der Finanzierung der Weiterbildung mit 41 Prozent ähnlich.

Mit maximal Pflichtschulabschluss machen in Österreich 18 Prozent eine Weiterbildung, in Finnland aber 34 Prozent, in Schweden 52 Prozent und in Großbritannien 28 Prozent. Von den über 55-Jährigen sind in Österreich 25 Prozent in Weiterbildung, in Finnland 37 Prozent, in Schweden 60 Prozent und in Großbritannien 33 Prozent. Wenn es nach den Wünschen der Arbeiterkammer geht, dann sollten alle Arbeitnehmer in Österreich ein Recht auf jährlich mindestens 35 Stunden Weiterbildung in der Arbeitszeit bekommen. (red, derStandard.at, 8.5.2012)

  • Die IHS-Studie zum Thema Weiterbildung von Lorenz Lassnig, Ingrid Osterhaus und Stefan Vogtenhuber.

    Download
Share if you care.