Tötschinger ruft zum "Kampf" ums Funkhaus auf

8. Mai 2012, 13:20
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Wrabetz: Machen Programm und erhalten keine Kulturdenkmäler - "Ausdruck des Austrofaschismus" - ORF lässt derzeit Kosteneinsparungen durch neuen Standort rechnen

Wien - Auch wenn es nicht Thema des ORF-Publikumsrats ist, ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz musste sich am Dienstag bei einer Sitzung der Hörer- und Sehervertretung der öffentlich-rechtlichen Anstalt Fragen zur anstehenden Standort-Entscheidung stellen. Den Kampf um den Erhalt des Funkhauses sagte ihm dabei der bürgerliche Publikums- und Stiftungsrat Gerhard Tötschinger an. Und der ebenfalls bürgerliche Publikumsrat Andreas Kratschmar stellte fest, dass die günstigste der drei möglichen Standort-Varianten im Sinne des Gebührenzahlers die einzig mögliche sei. Wrabetz hielt dem wiederum entgegen, dass noch gar nicht absehbar sei, welche Variante die tatsächlich günstigste ist.

"Wenn das Funkhaus in Gefahr sein sollte, werde ich mich zu wehren wissen", polterte Tötschinger. Er habe eine Reihe Gleichgesinnter versammelt, die nur darauf warten, dass der "Kampf ums Funkhaus" mit dem Startsignal - einer Pressekonferenz - eröffnet wird. "Das Funkhaus aufzugeben halte ich für blanken Wahnsinn", so Tötschinger und auch Georg Weissmann plädierte für den Erhalt des Funkhauses.

Wrabetz: Funkhaus ursprünglich "Ausdruck des Austrofaschismus"

"Wir sind hier, um Fernsehen und Radio zu machen, und nicht, um Kulturdenkmäler zu erhalten", hielt ORF-Chef Wrabetz dem entgegen. Ausschlaggebend dürfe nur die Frage sein, was ökonomisch und produktionstechnisch für den ORF am besten ist. Wrabetz wehrte sich auch gegen die historische Glorifizierung des Standortes in der Argentinierstraße. Immerhin sei das Gebäude ursprünglich "Ausdruck des Austrofaschismus" und vom Architekten Clemens Holzmeister als solches geplant gewesen. Historisch sei das Gebäude also durchaus "differenziert zu betrachten, auch wenn dort heute natürlich ein völlig anderer Geist weht", so Wrabetz.

Kratschmar betonte: "Jeder Euro muss ins Programm investiert werden und nicht in Immobilienabenteuer". Dem entgegnete der ORF-Chef, dass man aus den bisher kommunizierten Zahlen keine falschen Schlüsse ziehen dürfe. Wie bisher bekannt wurde, soll ein Neubau in St. Marx auf 35 Jahre gerechnet inklusive der laufenden Betriebskosten 1,49 Milliarden Euro kosten. Der Preis für Sanierung und einen konsolidierten Betrieb auf dem Küniglberg wären im gleichen Zeitraum mit 1,37 Milliarden Euro um 120 Millionen Euro günstiger und die aktuelle Drei-Standort-Variante würde sich auf 35 Jahre gerechnet auf 1,24 Milliarden Euro belaufen.

Wrabetz erklärte, dass diese Zahlen nicht für die Öffentlichkeit sondern nur für die in der Arbeitsgruppe Standort vertretenen Fachleute bestimmt gewesen wären. Außerdem seien in dieser Rechnung Einsparungen durch Synergien und ein neues Setting noch nicht berücksichtigt. Kosteneinsparungen durch Synergieeffekte würden derzeit errechnet, sagte der ORF-Chef und warnte vor voreiligen Schlüssen. Wrabetz betonte darüber hinaus, dass ein Umzug nicht automatisch heißen müsse, "dass wir Mitarbeiter verlieren oder abbauen". (APA, 8.5.2012)

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