Mustererkennung verbessert Prothesen

8. Mai 2012, 12:51
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Mit "Pattern Recognition" kann die Steuerung von Prothesen optimiert werden

Wien - Chirurgen können durch bionische Rekonstruktion die Anatomie von Patienten so verändern, dass High-Tech-Prothesen die verlorene Funktion der Gliedmaßen optimal ersetzen. Mit sogenannter Mustererkennung ("Pattern Recognition") soll das noch verbessert werden.

Der Hintergrund: Am 8. Mai wurde das Christian Doppler Labor für die Wiederherstellung von Extremitätenfunktionen eröffnet. Es steht unter der Leitung von Oskar Aszmann von der Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie der Universitätsklinik für Chirurgie an der MedUni Wien im AKH Wien und stützt sich auf eine Kooperation mit dem Medizintechnik-Unternehmen Otto Bock Healthcare.

Prothesen reagieren auf Gedanken

Pattern Recognition ist die neueste Entwicklung in der bionischen Rekonstruktion, womit "Gedanken gesteuerte Prothesen" gemeint sind.

Im Rahmen der Arbeiten werden über ein spezielles Computerprogramm, das gemeinsam mit dem Unternehmen entwickelt wurde, ganz individuelle Bewegungsmuster des Prothesenanwenders gespeichert, auf welche die Prothese reagiert. "Das heißt, die Prothese erkennt, wenn der Patient oder die Patientin eine bestimmte Bewegung ausführen möchte, und führt diese dann aus", erklärte Aszmann laut einer Aussendung der MedUni Wien.

Zunächst muss aber der Computer "lernen", die Intention der Prothesenanwender zu erkennen: Die Patienten werden über Elektroden auf der Haut mit dem Computer verbunden und aufgefordert, bestimmte Bewegungen mit der nicht mehr vorhandenen Extremität auszuführen, was Muskelkontraktionen und Impulse hervorruft. Dabei entsteht jenes Aktivitätsmuster, das als Bewegung interpretiert werden kann, die der Benutzer gerade beabsichtigt.

System derzeit experimentell im Einsatz

Mithilfe dieser Muster kann dann die High-Tech-Prothese individuell angepasst werden. Aszmann: "Derzeit ist dieses System experimentell im Einsatz." Aber spätestens in eineinhalb Jahren, so der Chirurg, sei damit zu rechnen, "dass man einen Patienten damit nach Hause schicken kann."

Das auf genau diese Thematik zugeschnittene Christian Doppler-Labor soll die Top-Position der MedUni Wien noch weiter untermauern. Aszmann: "Weitere Forschungsprojekte werden zu einem intensiven Schub sowohl in der technologischen Entwicklung als auch in der klinischen Anwendung führen." (APA, 8.5.2012)

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