Dreikammer-Systeme werden MR-tauglich

8. Mai 2012, 11:25
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Die Neuentwicklung wurde erstmals in Graz eingepflanzt - Die Implantate zeichnen sich durch weniger Metall und neue Schaltkreise aus

Graz - Magnetresonanz-Untersuchungen (MR) bei Herzpatienten mit elektrisch aktiven Implantaten waren lange Zeit nicht vorstellbar. Nun sind diese Untersuchungen erstmals auch für Menschen mit Herzinsuffizienz, die ein elektrisch aktives Herzimplantat eingebaut haben, zugelassen.

Möglich wird dies durch einen speziellen Aufbau der sogenannten Dreikammer-Systeme, die den magnetischen Kräften des MR standhalten können. Die Neuentwicklung wurde dieser Tage erstmals in Österreich eingesetzt.

MR oft fatal für aktive Herzimplantate

Dreikammer-Herzschrittmacher und -Defibrillatoren bringen die beiden Herzkammern von Patienten mit ausgeprägter Herzschwäche wieder in Gleichtakt, schilderte Peter Lercher, Kardiologe am Grazer LKH-Universitätsklinikum.

Im fortgeschrittenen Alter können aber vermehrt Begleiterkrankungen wie Arthritis, Schlaganfall und Gehirntumore auftreten, bei denen für eine genaue Diagnose MR-Untersuchungen notwendig sind.

Diese Untersuchungen konnten sich bisher jedoch fatal auf die aktiven Herzimplantate auswirken: "Es kann zu Vibrationen und Verschiebungen des Implantats und der Sonden, der direkten Zerstörung der Elektronik oder einer starken Überhitzung an den Sondenspitzen kommen.

Letzte Lücke geschlossen

"Dadurch können wiederum irreparable Schäden am Herzgewebe verursacht werden", erläuterte der Herzchirurg Günther Prenner. Mit den neuen Systemen werde die letzte Lücke in der MR-bezogenen Gerätetherapie für Herzpatienten geschlossen, zeigten sich die beiden Grazer Spezialisten erleichtert. Sie haben dieser Tage in Graz die österreichweit erste entsprechende Implantation durchgeführt.

"Während normale Herzschrittmacher und Defibrillatoren seit wenigen Jahren MR-tauglich sind, gab es im Bereich der Dreikammer-Systeme bisher keine Zulassung. Die hohe Komplexität der Dreikammer-Geräte mit drei im Herzen verankerten Sonden hat die Hersteller im Bezug auf die MR-Tauglichkeit vor besondere Herausforderungen gestellt", erklärte Berndt Eber vom Klinikum Wels nach dem Einbau des weltweit ersten MR-tauglichen Dreikammer-Herzschrittmachers den Umstand, dass betroffene Patienten so lange auf eines entsprechende medizintechnische Lösung warten mussten. 

1.000 Implantationen zu erwarten

Gelungen ist es letztlich dem Berliner Medizintechnikunternehmen Biotronik, das die Metallanteile in den Herzschrittmacher- und Defibrillatoren-Systemen auf ein Minimum reduziert und die Schaltkreise modifiziert hat.

In Österreich wurden die ersten Implantationen der neuen Systeme sowohl am Grazer Uniklinikum, dem AKH Linz und am Landesklinikum Wels/Grieskirchen gestartet. Österreichweit rechnet man mit rund 1.000 entsprechenden Implantationen im Jahr. (APA, 8.5.2012)

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