Englisch-Zentralmatura als Routineübung

8. Mai 2012, 11:11
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Schüler und Lehrer betonen gute Vorbereitung beim Schulversuch Englisch - Skepsis bei Mathematik

Wien - 14.400 AHS-Schüler haben heuer ihre Englisch-Klausuren im Rahmen eines Schulversuchs bereits als Zentralmatura geschrieben. Dabei werden die Aufgaben nicht vom Klassenlehrer, sondern zentral und einheitlich erstellt und vom Lehrer nach einem vorgegebenen Schlüssel ausgewertet. Am Amerlinggymnasium in Wien-Mariahilf hat man am Montag den Ernstfall im Fach Englisch geprobt, die AHS hat schon zum vierten Mal am Schulversuch teilgenommen. Und auch wenn die schriftliche Zentralmatura an den AHS verpflichtend erst 2014 eingeführt wird, wirken Lehrer und Schüler beim Besuch der APA schon jetzt wie Routiniers.

In zwei Jahren müssen alle Schüler am selben Tag dieselben Klausuraufgaben in Deutsch, Mathematik und den Fremdsprachen lösen, 2015 sind dann auch die Schüler an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) dran. Zumindest in Englisch, wo seit dem Schuljahr 2007/08 Schulversuche durchgeführt werden, ist die neue Art der Prüfung aber kein Grund zum Fürchten, ist Englischlehrerin Gabriele Köstinger überzeugt. Immerhin seien die Jugendlichen die gesamte Oberstufe hindurch auf die neuen Frageformate vorbereitet worden. "Unsere Schularbeiten waren in dieser Art aufgebaut, das System ist bekannt", sagt sie zur APA.

Mit den Schülern per Sie

Auch im Vergleich zur bisherigen Reifeprüfung sieht ihre Kollegin Ursula Pucher keine großen Änderungen. "Ich glaube nicht, dass es schwieriger geworden ist für die Schüler. Vielleicht für uns Lehrer, weil wir so viele Zettel haben, von denen wir ganz genau vorlesen müssen, standardisiert. Und dass wir die Schüler bei der Begrüßung per Sie ansprechen müssen, ist ganz neu." Direktorin Regina Niedermayer sieht Vorteile für Schüler und Lehrer: "Fast alle AHS in Wien nehmen an den Schulversuchen teil, weil es auch einfacher ist. Die Hörverständnistexte selber zu erstellen ist ein großer Aufwand für die Lehrerinnen und Lehrer, das ist also eine Erleichterung. Und damit haben wirklich alle dieselben Aufgaben."

Die Schüler des Amerlinggymnasiums sehen die Prüfung ebenfalls gelassen. Immerhin, so der Tenor, kennen sie die benutzten Formate seit Jahren. "Wenn die Lehrer die Fragen stellen, dann hat man es halt öfter durchgeübt im Unterricht", meint Anja Stany. "Aber eigentlich war kein großer Unterschied."

"Die ganze Zeit" vorbereitet worden

Auch Maturantin Antonia Mayer glaubt nicht, dass die Englisch-Reifeprüfung mit zentral erstellten Fragen schwieriger ist. Auf die Lese- und Hörverständnisaufgaben seien die Schüler bereits "die ganze Zeit" vorbereitet worden "und das kommt dann auch so, wie man das geübt hat". Eine Einschränkung macht die Schülerin allerdings: "Das wichtigste ist, dass der Text, also das Kreativschreiben, noch von den Lehrern vorgegeben ist."

Das wird sich allerdings ändern, wenn 2014 bzw. 2015 die Zentralmatura Pflicht für alle Maturanten wird. Am Amerlinggymnasium haben - wie an vielen am Schulversuch teilnehmenden AHS - schrittweise zentral erstellte Aufgaben die der Klassenlehrer ersetzt. In diesem Jahr stammen drei der vier Prüfungsteile - Hör- und Leseverständnis sowie Sprachverwendung im Kontext - vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie), das für die Zentralmatura verantwortlich ist. Künftig wird auch der Aufgabenteil "Schreiben" zentral vorgegeben.

Mängel in Französisch

Die Vorbereitung auf die Umstellung durch das Bifie ist für Pucher "in Ordnung" - allerdings nur in Englisch. In ihrem Zweitfach Französisch, bei dem am Amerlinggymnasium ebenfalls der Zentralmatura-Schulversuch durchgeführt wird, sieht sie hingegen Mängel. Es gebe für den Prüfungsteil Sprachverwendung im Kontext "fast keine Übungen" vom Bifie und auch keine Lehrbücher, kritisiert sie. "Es gibt ein einziges Lehrbuch, mit dem man einigermaßen üben könnte."

Problem Mathematik

Skepsis kommt von den Schülern, wenn es um die Zentralmatura beim Fach Mathematik geht. Hier gibt es heuer die ersten Schulversuche an einigen wenigen Standorten. Schüler-, Lehrer- und Elternvertreter haben wegen angeblich mangelnder Vorbereitung wiederholt eine Verschiebung des Starttermins an den AHS gefordert. Anja Stany etwa glaubt, dass eine österreichweit einheitliche Mathematikmatura eine Erschwernis bringt - immerhin würden die Mathe-Lehrer die Aufgaben "schon immer auf das Niveau der Klasse abstimmen". Auch Antonia Mayer ist skeptisch. "Das wäre dann vielleicht doch etwas anderes, weil man doch immer mit den Lehrern ein bisschen bespricht, was man mehr lernen sollte." (APA, 8.5.2012)

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    Die Prüfungsunterlagen werden in einem versiegeltem Karton in die Schule gebracht.

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