"Gute Luft" und viel Bier auf der Insel

20. Juni 2003, 23:06
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Veranstalter erwarten bis Sonntag 2,5 Millionen Besucher, die 1500 Hektoliter Bier vertilgen werden

Zum Einklang des 20. Donauinselfestes blies der Ostwind. Bevor des Abends Rockgrößen wie Shakin' Stevens, Andy Lee Lang und die Jazz Gitti vor plastikbecherbewährten Bier- und Softdrinkkonsumenten über die Bühne fegten, rüsteten die Männer von der Naturwacht zur Umweltsünderabwehr.

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Wien - Wolfgang Sehner will die Sünden der Vergangenheit nicht vergessen. Im Gegenteil: Farbkopiert und zusammengeheftet hat der Landesleiter der Wiener Naturwacht Fotos "der extremsten Umweltsünden des letzten Jahres" mit auf die Donauinsel gebracht.

Zu bewundern gibt es da zum Beispiel tschickgarnierte Ölflecken auf blanker Inselerde; abgestellte (und stehen gelassene) Plastikkübel voller gebrauchtem Frittierfett; Idyllen mit Plastikflaschenhaufen oder platt gewalzten Cola-Dosen unter Bäumen: "Jeden Morgen", erläutert Sehner, "gehen wir Ehrenamtlichen auf Tour. Entdecken wir Verschmutzungen, so melden wir es der Organisationszentrale. Der betroffene Standler bekommt dann weniger Kaution zurück."

Jeder Standler nämlich sei in seinem Bereich verantwortlich für die umweltfreundliche Stillung von Durst und Hunger der Massen: 2,5 Millionen Besucher dürften es heuer werden, schätzt man im SPÖ-Servicebüro - und sie werden rund 1500 Hektoliter Bier vertilgen. Um in gelabtem Zustand den Auftritten von 2000 Künstlern und Künstlerinnen beizuwohnen. Auf 16 logistisch klug angeordneten Bühnen im Festgebiet: 4,5 Kilometer Donauinsel.

Auf den Bühnen ist am Donnerstag kurz vor Mittag nicht viel los. Nichts Künstlerisches, um genau zu sein: "Ja, so, ja, so, ja, so!", tönt, abgemildert durch einen heftigen Ostwind, der Soundcheck von der Wien-Energie-Festinsel. Die Vorbeischlendernden beachten das nur am Rande.

Überblick gewinnen

Weil sie angestrengt kauen (Langos, Pizzaecken), die Kinder im Auge behalten, volle Becher balancieren oder sonst wie trachten, nicht das Gleichgewicht zu verlieren: An den Zeiträndern des Donauinselfestes haben sich viele Jogger, Skater und Radfahrer auf Überblickstour gemacht. Auf einigen in Donaurichtung angetauten Fischerbooten wird ohnehin gefischt, als sei das ganze Fest nur eine Schimäre.

Es ist die relative Ruhe vor dem Sturm, weiß Johann Mayer, ein altgedienter Festbierstand-Betreiber. Dem zu erwartenden Viertagesstress (das 20. Donauinselfest wurde, wegen des Feiertags, um einen Tag verlängert) stellt er einen betonten Optimismus entgegen: "Im Grund ist das hier wie eine Woche Urlaub. Du bist in der freien Natur und in der guten Luft - was willst du mehr?"

Die Kids, die derweil durch den unter der Schnellbahnbrücke zur Besichtigung aufgestellten City Airport Train toben - laut Flyer soll er den Flughafen ab Dezember 2003 "in die Stadt bringen" -, teilen ganz augenscheinlich diese Ansicht. Während an anderen Orten schon Festfeeling, wie es die Nacht für so manchen bringen dürfte, durchzusickern beginnt: "Wo bist du?! Ich find' dich nicht!", brüllt eine junge Frau ins Handy hinein. Dann startet sie los, das Mobiltelefon fest ans Ohr gepresst: "So, jetzt geh' ich vom Cat zur Ö3-Insel. Siehst mich?" (bri/DER STANDARD, Printausgabe, 20.6.2003)

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    Zum 20. Mal - und diesmal um einen Tag länger: Das Donau- inselfest bietet 600 Stunden Programm von 2000 Künstle- rinnen und Künstlern, während sich die Besucher 1500 Hektoliter Bier durch die Kehlen rinnen lassen

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