Hahnenkampf um Sabatina

20. Juni 2003, 13:04
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Der "Skandal" und seine Macher - Lebensgeschichte der Linzerin wird in Gazetten und Talkshows zerpflückt

Wien - Das, was jetzt mit ihr geschehe, habe sie so nicht gewollt, beschwert sich Sabatina James. "Ich stehe in einer Situation, wo jeder mit mir macht, was er will", sagt die 20 Jahre alte, schöne Linzerin pakistanischer Herkunft, deren Lebensgeschichte derzeit in Gazetten und Talkshows zwischen Neusiedler und Nordsee zerpflückt wird.

Ihr Image changiert dabei zwischen Opfer der Scharia und Skandalnudel. Seit die Zeitschrift News einschlägige Halbnacktfotos der Buchautorin veröffentlicht hat, überwiegt Bild Nummer zwei. Die Verbindung von Freizügigkeit mit Erzählungen über Todesdrohungen aus der eigenen Familie und Konversion zum Christentum (samt Betszenen mit Sabatina in enger Businesskleidung) bringt Quoten.

Zum Glück sei Sabatina imstande, vieles wegzustecken, beruhigen Exghostwriter Rupert Leutgeb und Verleger Josef Kleindienst: zwei Männer (und Gegner), die sich um die finanzträchtige Story raufen.

Doch die Umkämpfte selbst wirkt im Gespräch mit dem STANDARD eher deprimiert: Enttäuscht sei sie, "weil ich mit dem Buch nicht erreichen werde, was ich wollte": Diskussionen über "Menschen ohne Zukunft" wie sie selbst, die mitten in Europa von Fatwa (Mordfreigabe wegen Verstoßes gegen die Scharia) bedroht seien. "Die Bilder haben alles ruiniert. Dabei hatte ich sie sperren lassen."

Sabatina sei einmal "schwach" gewesen, wendet Ex-FP-Polizist Kleindienst für die christliche Öffentlichkeit ein. Während Exautor Leutgeb von "Ungereimtheiten" spricht: "Mir war die Suppe für ein wirklich biografisches Buch zu dünn."

Dabei, so der Experte für das mystische Waldviertel, sei Sabatina seine Entdeckung gewesen. Vier Monate habe die bibliografische Zusammenarbeit gewährt. Bis er "zwei Wochen vor Textschluss von Kleindienst gekündigt" worden sei: "Bisher habe ich kein Honorar gesehen."

Kleindiensts Version divergiert: "Leutgebs Manuskript entsprach nicht den Anforderungen. Also habe ich die Zusammenarbeit mit ihm aufgekündigt. Außerdem schuldet er mir Geld: einen Vorschuss."

Viel Material für Gerichte also - und für die Quotenjäger, solange die bedrohte Schöne mitspielt. Was sie tut: "Ich mache, was das Marketing sagt." (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 20.6.2003)

Sabatina James, die Linzerin mit pakistanischen Wurzeln und neuem christlichen Glauben, fühlt sich immer noch von ihrer Familie bedroht - und mittlerweile auch fremdbestimmt.

Link

sabatina.at

Nachlese

Blattsalat: Der verschlungene Weg zu Jesus

Kommentar der anderen: Die James-Bond-Christin

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