Atombehörde macht Druck auf Teheran

19. Juni 2003, 19:50
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USA erreichen keine Verurteilung

Es wurde keine Verurteilung, wie es sich die USA gewünscht hätten, die Internationale Atomenergie-Behörde (IAEO) verlangte am Donnerstag vom Iran aber dringend Aufklärung über sein Atomprogramm.

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Wien - Der Gouverneursrat der in Wien ansässigen Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEO) hat den Iran am Donnerstag aufgefordert, Kontrollen seiner Atomanlagen ohne Bedingungen zu akzeptieren. IAEO-Generaldirektor Mohamed ElBaradei erklärte in Wien, es herrsche Einigkeit bei der IAEO, dass der Iran diese Forderung akzeptieren müsse. Die USA und andere Staaten werfen dem Iran vor, mit dem Bau seines ersten Atomkraftwerkes auch insgeheim Atomwaffen entwickeln zu wollen.

Laut Meinung von Diplomaten ist der Bericht härter als erwartet, er sei allerdings als Tadel und nicht als Verurteilung gehalten. So konnte sich auch der Botschafter an der IAEO, Ali Salehi, nach dem Treffen zufrieden zeigen, dass die Versammlung der Gouverneure dem Druck der USA nicht stattgegeben habe. Salehi sagte auch, nur "einige Länder" im Gouverneursrat seien der Meinung, dass der Iran härtere Inspektionen akzeptieren müsse.

In einem Bericht vom Montag hatte die IAEO der Führung in Teheran Versäumnisse bei der Offenlegung seines Atomprogramms vorgeworfen. ElBaradei hatte von Teheran die sofortige Unterzeichnung eines Zusatzprotokolls zum Atomwaffensperrvertrag verlangt, das IAEO-Inspektoren den Zugang zu allen Atomanlagen des Landes ermöglichen würde.

"Rein zivile Zwecke"

Teheran weist die Anschuldigungen zurück und erklärt stets, sein Atomprogramm diene allein zivilen Zwecken. Auch gegen die Unterzeichnung eines Zusatzprotokolls wehrt sich die iranische Führung. Präsident Mohammed Khatami erklärte, unangemeldete Kontrollen würden nur akzeptiert, wenn der Westen im Gegenzug technologische Hilfe leiste.

Der amerikanische Botschafter bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien, Kenneth Brill, forderte den Iran auf, das Zusatzprotokoll zum Atomsperrvertrag sofort und ohne Bedingung zu unterzeichnen. "Der Iran stellt Bedingungen, die kein anderes Land bisher gestellt hat", erklärte Brill am Dienstag laut Redetext in seiner Rede vor dem Gouverneursrat der Atombehörde.

Brill forderte das Generalsekretariat der IAEO dazu auf, mit ihren Inspektionen fortzufahren. "Die USA erwarten, dass das Sammeln weiterer Information nur auf eins hinauslaufen wird: Dass der Iran aggressiv ein Atomwaffenprogramm verfolgt". Irans so genannte "völlige Transparenz" habe sich in wichtigen Bereichen als leeres Versprechen erwiesen. Es sei damit die Absicht verfolgt worden, die Aufmerksamkeit von heimlichen nuklearen Aktivitäten abzulenken.

Die Informationen im IAEO-Bericht zum iranischen Nuklearprogramm würden nicht vom Iran, sondern aus anderen Quellen stammen. "Was wäre gewesen, wenn die Presse nicht darüber berichtete hätte? Ich glaube die Antwort ist klar. Der Iran würde das extensive Atomprogramm geheim weiterführen", sagte Brill. (AFP, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 20.6.2003)

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