Düstere Lage im Irak

19. Juni 2003, 19:13
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Die Angriffe auf US-Einrichtungen und -Soldaten haben längst den spontanen Charakter verloren - von Gudrun Harrer

Kaum zu glauben, in Bagdad gibt es noch immer keinen Strom - oder zumindest tagelange Ausfälle, bei über 50 Grad Hitze -, aber bereits ein Umfrageinstitut, das in diesen Tagen zu seiner wahrscheinlich ersten Übung dieser Art schritt. Demnach sagen 73 Prozent der Befragten, dass die USA darin gescheitert seien, der irakischen Hauptstadt Sicherheit zu bringen. Das ist, boshaft gesagt, angesichts der Zustände in Bagdad ein erstaunlich gutes Ergebnis für die Amerikaner. Aber die Iraker und Irakerinnen - so Letztere angesichts der fortschreitenden Islamisierung noch bei Umfragen mittun dürfen - sind eben realistische Leute: Und so kommt es, dass sich laut Meinungsumfrage nur 17 Prozent der Menschen den sofortigen Abzug der Amerikaner wünschen. 51 Prozent wollen, dass die US-Truppen erst gehen, wenn der Irak wieder eine Regierung hat, und zwar nicht nur eine provisorische, sondern eine ständige.

Tatsächlich sind die USA im Irak zum Erfolg verdammt, momentan ist die Lage jedoch düster. Die Angriffe auf US-Einrichtungen und -Soldaten haben längst den spontanen Charakter verloren, sie sind vielleicht noch nicht untereinander koordiniert, aber sehr wohl bereits organisiert.

Umso wichtiger ist in diesem Zusammenhang die Verhaftung von Saddam Husseins persönlichem Sekretär, Abid Hamid Mahmud, dem schnurrbärtigen Schatten, der auf so vielen Fotos hinter dem irakischen Diktator zu sehen ist. Er war derjenige, der den Zugang zu Saddam verwaltet hat, wenn er nicht weiß, was aus ihm geworden ist, dann weiß es niemand. Die Amerikaner haben angesichts der Osama-Story die Wichtigkeit, Saddam zu fassen oder seinen Verbleib zu klären, immer heruntergespielt. Es bleibt aber dabei: Aus ist es erst, wenn auch seine verkorkstesten Anhänger kapiert haben, dass er nicht zurückkommt. Wenn allerdings die Angriffe auf die Amerikaner bereits aus einem anderen Eck kommen, ist das eine Katastrophe. (DER STANDARD, Printausgabe, 20.6.2003)

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