Aufputschmittel-Missbrauch unter US-Piloten gängig

20. Juni 2003, 16:48
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Schottischer Dokumentarfilmer deckt auf: "Das ist ein schmutziges Geheimnis - US Kampfpiloten unter Drogen"

Hamburg/Washington - Nach einem Dokumentarfilm des schottischen Journalisten Jamie Doran ist die Einnahme von Aufputschmitteln bei Kampfpiloten der US Air Force gängige Praxis. Im vom NDR mitproduzierten Film "Das ist ein schmutziges Geheimnis - US Kampfpiloten unter Drogen" berichtet er, dass Air-Force-Piloten sich zur Einnahme des Amphetamins Dexedrin schriftlich bereit erklären müssen. Ansonsten könne der Kommandant den Einsatz verweigern.

Amphetamine auch unter dem Namen "Speed" bekannt

Amphetamine haben eine aufputschende Wirkung und sind auch unter dem Namen "Speed" bekannt. Sie lösen Euphorie und Hyperaktivität aus. Amerikanische Piloten bezeichnen Dexedrin in dem am Freitag in Hamburg vorab gezeigten Film als "Go-Pill". Einige erzählen, das Mittel habe sie aggressiv gemacht.

Pentagon führt nach Verbot 1996 die Ausgabe von Dexedrin wieder ein

In dem Film wird berichtet, dass das Pentagon die Ausgabe von Dexedrin an die Soldaten nach dem Golfkrieg von 1991 verboten hat. 1996 sei sie aber wieder eingeführt worden. Das US-Verteidigungsministerium wollte sich nach Angaben von Dorman nicht zu dem Thema äußern.

Die ARD zeigt den Film am Mittwoch, den 25.Juni, um 23.00 Uhr. Zu der Zeit läuft sonst die ausgesetzte Talk-Show "Nachgefragt" von Michel Friedman. Das die ARD als Alternative nun einen Film über Drogen zeigen will, sei "reiner Zufall", sagte Thomas Schreiber, Redaktionsleiter für Dokumentationen beim NDR.

US-Piloten bombardierten in Afghanistan kanadische Soldaten: Außergerichtliche Lösung

Die US-Luftwaffe wird zwei Piloten, die im vergangenen Jahr in Afghanistan bei einem versehentlichen Bombenangriff vier kanadische Soldaten getötet hatten, nicht vor ein Kriegsgericht stellen. Dies verlautete am Donnerstag aus dem US-Verteidigungsministerium. Der mit der Untersuchung der Vorkommnisse beauftragte Generalleutnant Bruce Carlson sei zu dem Schluss gekommen, dass beide außergerichtlich bestraft werden sollten. Bei einem Kriegsgerichtsprozess hätten den Soldaten bis zu 64 Jahre Haft gedroht.

Der Fall wird in Kanada aufmerksam verfolgt, wo viele noch empört sind, dass US-Präsident George W. Bush zwei Tage brauchte, um sich für den Angriff vom 17. April 2002, bei dem auch noch acht kanadische Soldaten verwundet wurden, zu entschuldigen. Eine amerikanisch-kanadische Kommission war zu dem Ergebnis gekommen, dass die Schuld für den Angriff bei den Piloten lag. Die Bombe war abgeworfen worden, obwohl ein Fluglotse die Piloten aufgefordert hatte, nicht zu feuern.

Piloten standen unter Drogeneinfluß

Die beiden beschuldigten Piloten Harry Schmidt und Walter Umbach geben an, unter dem Einfluss von Amphetaminen ("Speed") gestanden zu sein. Amphetamine wirken antriebssteigernd und erhöhen Selbstwertgefühl sowie Risikobereitschaft.

Laut dem US-Frernsehsender ABC ist der Einsatz von Amphetaminen bei Kampfjetpiloten eine "Standardprozedur" der US-Luftwaffe, um aufkommende Müdigkeit der Piloten auf langen Missionen zu unterdrücken. (red/APA/AP)

TV-Tipp

US Kampfpiloten unter Drogen"
ARD, Mi., 25.6., 23 Uhr

Link

Hintergründe des Unfalls auf "The Scotsman"

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    Bei einem Kriegsgerichtsprozess hätten Harry Schmidt und Walter Umbach bis zu 64 Jahre Haft gedroht

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