Lässt Ecclestone Silverstone sausen?

19. Juni 2003, 19:13
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Formel-1-Boss von Umbauarbeiten wenig beeindruckt - Verlust des britischen Grand Prix würde Österreich wieder ins Spiel bringen

London - Jetzt droht Formel-1-Boss Bernie Ecclestone auch Silverstone unverhohlen mit dem Entzug des Grand Prix. Der Brite bezichtigte die Verantwortlichen angesichts der laufenden Umbau-Arbeiten der Verschwendung und äußerte seine Enttäuschung über den Fortgang der Modernisierung.

"Wir müssen kein Rennen in Großbritannien haben"

Ecclestone stellte sogar die Notwendigkeit eines britischen Formel-1-Rennens öffentlich in Frage. "Warum brauchen wir das? Ich hoffe nicht, dass es passiert. Aber wir müssen kein Rennen in Großbritannien haben", sagte Ecclestone am Rande des Kanada-GP in Montreal.

Ungenügende Renovierungsarbeiten

"Was haben sie getan? Nichts. Sie haben einige Straßen gebaut und 14 Millionen Pfund (20,1 Millionen Euro) für einen Parkplatz und 4,5 Millionen Pfund (6,4 Millionen Euro) für Architektenhonorare ausgegeben", sagte Ecclestone über die Bauarbeiten. Silverstone und der britische Rennfahrer-Club BRDC bemühen sich seit längerem, die Zukunft des GP von Großbritannien durch umfangreiche Renovierungen zu sichern.

"Ungerechtfertigte" Vorwürfe

Ecclestone bemängelte nun, dass weder Boxen noch Boxenmauer, Pressezentrum oder VIP-Bereiche erneuert worden seien. Der BRDC-Vorsitzende Martin Brundle sowie Präsident Jackie Stewart wiesen die Ecclestone-Äußerungen als "ungerechtfertigt" zurück. Die britische Motorsport-Legende erklärte am Donnerstag, dass die britische Regierung sehr an einer Rettung des Silverstone-Grand-Prix interessiert sei. Stewart, der Besitzer des Silverstone-Kurses ist, hat laut eigenen Angaben bereits mehrere Meetings mit Regierungsmitgliedern hinter sich und erwartet am 20. Juli wichtige Resultate.

Frank Williams: "Druckmittel"

Auch Williams-Teamchef Frank Williams hat sich zu Wort gemeldet. "Ich glaube, dass unser Rennen überleben wird. Wenn alle Modifikationen abgeschlossen sind, können wir auf unsere Strecke stolz sein", meinte Williams über den Kurs in Silverstone, wo sein Team 1979 den ersten Sieg der Geschichte eingefahren hatte. Die Worte von Ecclestone, der mit dem Entzug des Rennens gedroht hat, sieht Williams nur als Druckmittel.

Österreich-GP wieder ein Thema?

Ein Verlust des britischen GP würde die Chancen, dass 2004 in Österreich doch wieder ein Formel-1-GP gefahren wird, weiter verbessern. Ecclestone muss 17 GP-Rennen garantieren, allerdings ist Spa aus dem Kalender gefallen, auch Imola wackelt und ob die neuen Rennstrecken in Schanghai und Bahrain rechtzeitig für 2004 fertig sind, bleibt abzuwarten.

Österreich-GP 2004 trotz Bauarbeiten möglich

Deshalb hatte Ecclestone schon während des heurigen GP in Spielberg angedeutet, dass es im Gegensatz zu seinen noch im Winter gemachten Aussagen 2004 sehr wohl wieder ein Rennen in Österreich geben könne. Auch Neo-Betreiber Red Bull ist mittlerweile offensichtlich bereit, die geplanten Bauarbeiten am A1-Ring so zu koordinieren, dass im nächsten Jahr ein Grand Prix möglich ist. Das hatte Red-Bull-Boss Ecclestone dem Formel 1-Chef zuletzt in Monaco zugesagt.

Neuland

Erst 2005 soll sich die Landkarte der expandierenden Formel 1-WM endgültig ändern. In der EU tritt dann ja das Tabakwerbeverbot in Kraft (aber erst nach dem Österreich-GP), zudem sollen bis dahin nicht nur die Strecken in China und Bahrain sondern auch jene in der Türkei (Istanbul) fertig sein. Dazu kommen soll noch ein GP in Moskau. "Wenn auch das klappt, sind wir insgesamt mehr oder weniger dort, wo wir hin wollten", so Ecclestone. (APA/Reuters)

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    Ein verständnisloser Bernie Ecclestone: "Sie haben einige Straßen gebaut, 20,1 Millionen Euro für einen Parkplatz und 6,4 Millionen Euro für Architektenhonorare ausgegeben."

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