AUA-Stellenabbau: Streit geht weiter

19. Juni 2003, 19:22
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Bertriebsrat kritisiert "ökonomischen Autismus" des Vorstands

Wien - Der Streit in der Austrian Airlines-Gruppe (AUA) zwischen Management und Belegschaft um den geplanten Stellenabbau und einen neuen Konzern-Kollektivvertrag geht weiter. Die Betriebsräte kritisierten am Donnerstag in einer Pressemitteilung den "ökonomischen Autismus" des Vorstands und dessen "unprofessionelles Handeln". Die AUA-Bordbetriebsräte hätten dem AUA-Vorstand mehr als eine Mio. Euro an Kostenersparnis angeboten. Der Vorstand habe diesen Vorschlag aber abgelehnt und bestehe weiter auf der Kündigung von 26 Co-Piloten.

"Der Vorstand will nicht sparen, sondern durch die Kündigungsaktion die Beschäftigten demütigen und verunsichern", meinten der Vorsitzende der Fachgruppe "Bord" in der Gewerkschaft Handel, Transport, Verkehr (HTV) und stellvertretende AUA-Bord-Betriebsratsvorsitzende, Wolfgang Hable, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Lauda Air, Thomas Fischelmaier, und der Betriebsratsvorsitzende Tyrolean Airways, Norbert Fröwis, heute in einer Presseaussendung.

"Informationen werden gefiltert"

Allerdings gewinne der Betriebsrat zunehmend den Eindruck, dass die von den Belegschaftsvertretern vorgelegten Vorschläge den AUA-Vorstandsvorsitzenden Vagn Sörensen nicht direkt erreichen würden, weil die Informationen zuvor - möglicherweise in der Pressestelle und von Vorstandsdirektor Walter Bock - gefiltert würden, sagte Hable: "Hier wird ein Spiel auf dem Rücken der Co-Piloten gespielt". Daher sei der Betriebsrat nach wie vor an mündlichen Verhandlungen mit dem Management interessiert: "Wir sind jederzeit zu Gesprächen bereit".

Der Betriebsrat habe konkret zwei Vorschläge zur Kosteneinsparung auf den Tisch gelegt. Der Betriebsrat wäre zum einen bereit, einer Teilzeitregelung im Ausmaß der Höhe der Personalkosten für 26 zur Kündigung anstehenden Co-Piloten, die laut Geschäftsleitung für die Weiterbeschäftigung dieser Piloten von Juli bis Dezember 2003 rund 380.000 Euro ausmachen würden, zuzustimmen, so Hable. Zum anderen habe man auch angeboten, einer Ruhezeitverkürzung (Kurzumläufen) in Japan, die über Kostensenkungen bei Hotelkosten und Tagesdiäten mehr als 1 Mio. Euro Einsparungen bringen würde, von Juli bis Dezember zuzustimmen. Die Flugsicherheit würde damit nicht gefährdet, betonte Hable.

"Ein ökonomisch vernünftig handelnder Vorstand sollte im Interesse der Sicherheit der Passagiere und der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens an einer motivierten Belegschaft Interesse haben", so Fröwis. Management, Mitarbeiter und Belegschaftsvertreter könnten gemeinsam durch verantwortungsvolles Arbeiten ein Unternehmen selbst in schwieriger Situation zum Erfolg führen, ist Fischelmaier überzeugt: "Aber von diesem Prinzip will dieser Vorstand offensichtlich nichts wissen."

Kündigung belastet Piloten

Der Vorstand weigere sich außerdem, wie international üblich, gekündigte Piloten vom Dienst freizustellen, da eine Kündigung eine besondere psychische Belastung für die Betroffenen darstelle und nach Ansicht von Flugexperten die Flugfähigkeit der Betroffenen nicht garantiert werden könne.

In Sachen Konzern-Kollektivvertrag spiele der Vorstand ein doppeltes Spiel, so die Belegschaftsvertreter weiter. Ein Konzern-Kollektivvertrag werde vom Vorstand mit dem Hinweis auf einen möglichen Branchen-KV abgelehnt, gleichzeitig aber würden die AUA-Vertreter in der Wirtschaftskammer Österreich gegen einen Branchen-KV stimmen. (APA)

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    Streit in der AUA um den neuen Kollektivvertrag

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