Coca-Cola droht Kartellverfahren der EU-Kommission

19. Juni 2003, 12:21
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Konzern soll Marktmacht auch in Österreich missbraucht haben

Brüssel - Coca-Cola droht laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" bereits im Sommer ein Kartellverfahren der EU-Kommission. Wettbewerbskommissar Mario Monti verdächtige den US-Getränkehersteller, seine dominante Marktposition in Deutschland, Dänemark und Österreich missbraucht zu haben, um Kunden an sich zu binden, berichtete das Blatt am Donnerstag unter Berufung auf Kommissionskreise.

Noch im Sommer werde Monti voraussichtlich ein formelles Verfahren einleiten, hieß es. Sollte sich der Verdacht bestätigen, drohen dem Konzern empfindliche Geldbußen.

Der Kartellfall geht auf eine Untersuchung von Montis Vorgänger Karel van Miert zurück. Dieser hatte erstmals im Sommer 1999 die Büroräume von Coca-Cola und seinen Abfüllunternehmen in Deutschland, Dänemark und Österreich sowie deren Hauptbüro in Großbritannien durchsuchen lassen. Damals monierte van Miert, dass der Konzern erhebliche Werberabatte in Form von Preisnachlässen gewährt und unentgeltlich Zusatzmengen von Produkten geliefert habe. Damit sei Coca-Cola in der Lage, Wettbewerber aus dem Markt zu drängen, argumentierte der Kommissar.

Coca-Cola Gelassen

Der Coca-Cola-Konzern sieht einer möglichen Untersuchung der EU-Wettbewerbshüter gelassen entgegen. "Wir öffnen uns für eine Untersuchung und wollen entsprechend der Gesetze handeln", sagte ein Sprecher der Deutschland-Tochter von Coca-Cola am Donnerstag in Berlin. Das Thema sei nicht neu und bereits Gegenstand von Prüfungen der EU-Kommission gewesen. Der Erfolg von Coca-Cola basiere nicht auf Werbezuschüssen an Händler. Er sei vielmehr auf "immer neue Produkte, die Mitarbeiter sowie hohe Investitionen" zurückzuführen.

Die EU-Kommission will nach Angaben der "Financial Times Deutschland" gegen den Coca-Cola-Konzern wegen angeblichen Missbrauchs seiner marktbeherrschenden Stellung in mehreren EU- Ländern vorgehen. Dazu solle noch im Sommer ein förmliches Kartellverfahren eröffnet werden.

Die EU-Kommission hat den Konzern schon seit längerem im Visier. EU-Ermittler durchsuchten in den Jahren 1999 und 2000 in mehreren europäischen Ländern Abfüller und Tochtergesellschaften, darunter auch in Deutschland. Die damals sichergestellten Dokumente werden in der EU-Behörde seit Jahren ausgewertet. (APA)

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