"Die Frage ist, wer mich draftet"

21. Juni 2003, 20:46
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Nach einer Super-Saison im College wird der 19-jährige Österreicher Thomas Vanek von zahlreichen NHL-Klubs umworben

Wien/Nashville - Der Entry-Draft der National Hockey League (NHL) 2003 am Wochenende in Nashville wird aus österreichischer Sicht zu einem historischen Event. Supertalent Thomas Vanek wird am Samstag als erster Österreicher in Runde eins an die Reihe kommen. Der 19-jährige Steirer hat sogar gute Chancen, unter den besten zehn Talenten zu landen.

Divis einziger NHL-Österreicher

In dem seit 1963 durchgeführten Draft erwerben die Klubs der NHL (derzeit 30) die Rechte an den besten 18- bis 20-jährigen Eishockey-Talenten aus Nordamerika sowie den in Europa tätigen Spielern, die in die NHL wollen. Rund 300 Spieler werden gedraftet, die stärkste Liga der Welt bleibt aber für viele nur ein Traum. Von den bisher acht gedrafteten Österreichern schaffte nur Torhüter Reinhard Divis (drei Spiele für die St. Louis Blues) den Sprung in die NHL.

"Most Outstanding Player"

Vanek wird ihm ziemlich sicher folgen. Der linke Flügel hatte in seinem ersten College-Jahr eine sensationelle Saison für die University of Minnesota und wird von allen Experten hoch gehandelt. Die "Golden Gophers" gewannen die landesweite Uni-Meisterschaft, Vanek war mit 62 Punkten (31 Tore, 31 Assists) der beste Scorer seines Teams, sowohl im Halbfinale als auch im Finale führte er Minnesota mit dem Siegestreffer zum Triumph. Der Lohn: er wurde zum "Most Outstanding Player" des Finalturniers gewählt, in der Division WCHA hatte man Vanek zuvor zum "Rookie of the year" gekürt.

Hoch im Kurs

"Das war die beste Saison, die ich je hatte. Ich habe immer gewusst, was ich kann und woran ich noch arbeiten muss. Aber dass die Saison so gut wird, habe ich nicht erträumt", erklärte Vanek. Der Grazer wird im unverbindlichen Ranking des Central Scouting Service als Nummer drei in der Kategorie Feldspieler Nordamerika eingestuft, "Sports Illustrated" führt ihn gesamt als Nummer sieben. "Ich gehe relaxed in den Draft. Ich schätze, es wird die erste Runde, das wäre optimal", gibt sich Vanek zurückhaltend.

College oder NHL

Wie es dann weiter geht, muss er mit dem künftigen Klub klären. Zur Diskussion steht ein weiteres Entwicklungsjahr im College, wo weniger Spiele, aber mehr Trainingseinheiten auf dem Programm stehen, oder gleich der Sprung in den Profi-Kader. Vanek ist für beide Varianten offen. "Die Frage ist, wer mich draftet. Wenn der Klub sagt, ich passe in ihr System und sie wollen mich in der NHL, dann gehe ich. Sonst bleibe ich noch ein Jahr auf dem College."

Große Nachfrage

Das Wochenende wird jedenfalls der Höhepunkt einer anstrengenden Woche. Vanek, der Besuch von seiner Familie und einigen Freunden erhielt, hatte noch Termine mit Vertretern von 15 bis 20 NHL-Klubs, bereits in der Woche davor gab es 10 bis 15 Meetings. Praktisch kein Klub wollte dem Steirer mit tschechoslowakischen Vorfahren nicht auf den Zahn fühlen. Am Dienstag stand zudem die Reise nach Washington an, zum traditionellen Empfang der College-Meister beim US-Präsidenten im Weißen Haus. Den Championship-Ring erhält er erst im September, möglicherweise schon als NHL-Spieler. (APA)

Die österreichischen Eishockey-Spieler im Draft der National Hockey League (NHL):

1995 Martin Hohenberger: Montreal Canadiens (Nr. 74)
1997 Gregor Baumgartner: Montreal Canadiens (Nr. 37)
1998 Matthias Trattnig: Chicago Blackhawks (Nr. 94)
1999 Andre Lakos: New Jersey Devils (Nr. 95)
1999 Gregor Baumgartner: Dallas Stars (Nr. 156)
2000 Reinhard Divis: St. Louis Blues (Nr. 261)
2001 Oliver Setzinger: Nashville Predators (Nr. 76)
2001 Bernd Brückler: Philadelphia Flyers (Nr. 150)
2002 Christoph Brandner: Minnesota Wild (Nr. 237)

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