Der "naturbelassene" Gamsstein

    13. Juni 2003, 13:07
    posten

    Fast mutierte der Gamsstein zu einem trendigen Skigebiet, blieb aber - sehr zur Freude der Wanderer - ein "naturbelassener", abgeschiedener Mugel

    Der an der Grenze von Niederösterreich zur Steiermark liegende Gamsstein sollte vor 25 Jahren als Skigebiet erschlossen werden. Obgleich man mit den Arbeiten an der Nordseite des lang gestreckten Berges begann, zerschlug sich das Projekt aus Finanzierungsgründen, und der Gamsstein blieb - sehr zur Freude der Wanderer - ein "naturbelassener", abgeschiedener Mugel, auf dem man nie viele Alpinisten trifft, obwohl er zu den schönsten in den Ybbstaler Alpen zählt und z.B. der Stumpfmauer um nichts nachsteht.

    Eine grandiose Aussicht belohnt die Mühen des Anstieges; in der Runde liegen die Gesäuseberge, Hochschwab, Hochkar, Stumpfmauer, Ennstaler Alpen, ein Teil des Sengsengebirges und des Toten Gebirges. Den - zum Teil steilen - Anstieg säumen die schönsten Alpenblumen, mit etwas Glück kann man auch den scheuen Auerhahn oder das Birkhuhn beobachten.

    Zu einer Tour auf den Gamsstein sollte man sehr früh, am besten im Morgengrauen, aufbrechen, denn in den vielen Latschengassen, die man passieren muss, erreicht unter der Sonneneinstrahlung die Temperatur um die Mittagsstunden beachtliche Höhen. Und man sollte genug Getränke im Rucksack haben, denn auf der schweißtreibenden Route gibt es keine Schutzhütte und kein Gasthaus. Nur auf dem Niederscheibenberg findet man eine Quelle, bei der man die Feldflasche wieder auffüllen kann.

    Obgleich der Gamsstein nur 1774 m hoch ist, hat er hochalpinen Charakter, was bei der Ausrüstung zu berücksichtigen ist. Bei unsicherer Wetterlage sollte man von der Tour Abstand nehmen, bei aufziehendem Gewitter so rasch wie möglich den Kamm verlassen.

    Die Tour

    Beim Forsthaus Sandgraben an der Straße von Hollenstein nach Lassing beginnt die rote Markierung, auf der man in Kehren zum Niederscheibenberg gelangt. Wieder wird es steil, ehe man den Kamm erreicht, auf dem es durch Latschengassen und über mit Dolinen und Karstmulden übersäte freie Flächen zum Rosskogel und weiter zum höchsten Punkt des Berges geht. Gehzeit ab Sandgraben 3 Stunden. Der Rückweg erfolgt auf der Anstiegsroute, man benötigt etwa 2½ Stunden bis zum Ausgangspunkt.

    Vom oberen Teil des Weges zweigen zwei rot markierte Wege nach Palfau ab, sodass eine Überschreitung möglich wäre. Es gibt aber keine Busverbindung zwischen Ausgangs- und Endpunkt. (DER STANDARD, ALBUM, Printausgabe vom 13./14.6.2003)

    Von Bernd Orfer

    Gesamtgehzeit 5½ Stunden, Höhendifferenz rund 1000 m. Kein Stützpunkt auf der Route. Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 70 (Waid- hofen/Ybbs) und 100 (Hieflau)

    • Bild nicht mehr verfügbar
    Share if you care.