Weber pilotierte fast zwölf Jahre lang im Chef-Cockpit

18. Juni 2003, 16:54
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Sanierer und Lufhanseat mit Leib und Seele

Köln - Die Entscheidung, das Steuer aus der Hand zu geben, ist dem Chef der deutschen Lufthansa, Jürgen Weber, nicht leicht gefallen. Schließlich übergibt er nach 36 Jahren im Konzern, davon fast zwölf Jahre als Chefpilot, sein Lebenswerk an seinen bisherigen Copiloten, den Österreicher Wolfgang Mayrhuber (56). Nur wenige hätten dem studierten Luftfahrttechniker bei seinem Amtsantritt im September 1991 zugetraut, den unrentablen Staatsbetrieb in eine der profitabelsten Airlines Europas zu verwandeln. Dafür gab es auch auf der Hauptversammlung am Mittwoch in Köln Lob von allen Seiten. 1999 kürte ihn das "Manager Magazin" zum Manager des Jahres.

Der Wunsch seiner Mutter, aus ihm möge "etwas Ordentliches" werden, kann damit wohl als erfüllt gelten. Der 1941 in Lahr im Schwarzwald geborene Weber sah sich zwar nicht dazu berufen, das Sägewerk seiner Eltern zu übernehmen. Ihnen zum Gefallen begann er dafür das Studium an der Technischen Hochschule Stuttgart. Schon bald zog es den Ingenieur zur Lufthansa nach Hamburg, wo er sich Stück für Stück die Karriereleiter hinaufarbeitete.

Flugzeugwartung

Mit 32 Jahren leitete er die Flugzeugwartung, 1987 ernannte ihn die Konzernspitze zum Generalbevollmächtigten Technik. Zwei Jahre später holte ihn der Aufsichtsrat zunächst als stellvertretendes Mitglied in die Vorstandsetage. Im Jänner 1990 übernahm er das Ressort Technik, ein Jahr später nahm er auf dem Chefsessel der Kranich-Linie Platz.

Seitdem hat Weber den deutschen Branchenprimus besser als die Konkurrenz durch Terrorfolgen, Konsumflaute, Kriegsgewirr, die Lungenseuche Sars und die Angriffe der Billigflieger gelenkt. Der Beinahe-Ruin Anfang der Neunziger Jahre hat sich tief eingebrannt. Die Lektion auch: Runter mit den Kosten. Es dürfe nicht passieren, "dass uns eine externe Krise völlig aus der Bahn wirft und Menschen durch vermeidbare Fehler ihren Arbeitsplatz verlieren."

Lebte den Sparkurs vor

Der Chef selbst lebte den Sparkurs vor. Anders als manche Kollegen fuhr Weber nach seinem Amtsantritt seinen alten Dienstwagen, bis der fast auseinander fiel. Der ständige Blick auf die Kostenseite hat dem Techniker den Spitznamen "der Rechner" eingebracht - was nicht immer wohlwollend gemeint ist.

Doch seine Erfolge lässt sich der Vater zweier erwachsener Kinder nicht schlecht reden. Wer seine Botschaften allzu kritisch hinterfragt oder gar Widerspruch anmeldet, muss schon mal mit einem Unmutsausbruch rechnen. Der 61-Jährige ist durch und durch Lufthanseat. Das verraten nicht zuletzt die Krawatten wahlweise in konzerngelb oder mit Flugzeugmotiven und das Handy in der Firmenfarbe.

Weber ist mit dem Konzern verbunden wie kein Zweiter. An seinem letzten Arbeitstag als oberster Lufthanseat griff Weber zu einem Bild der Seefahrt. "Als Fahrensmann, der die Lufthansa aus zwei Krisen wieder herausgeführt hat, verlasse ich ungern die Brücke bei stürmischer See", sagte er heute bei der Hauptversammlung in Köln. Kritik an "seiner" Lufthansa nimmt er persönlich. Dass sich der Patriarch künftig als Aufsichtsratschef vornehm zurückhält, ist daher höchst unwahrscheinlich.(APA/dpa)

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