Einstellung der Tierrettung droht

18. Juni 2003, 15:32
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Investitionsmittel der Veterinärmedizinischen Universität Wien auf dem Stand von 1991

Wien - An der Veterinärmedizinischen Universität Wien (VUW) droht angesichts der angespannten finanziellen Lage die Einstellung der österreichweiten Tierrettung. "Laut vorab gegebenen Informationen des Bildungsministeriums droht den Unis ein Minus von 100 Millionen Euro gegenüber 2002, damit müssen einige Leistungen auf der Strecke bleiben", erklärte VUW-Rektor Wolf Dietrich von Fircks bei einer Pressekonferenz nach einer Sitzung des Universitätskollegiums am Mittwoch in Wien.

Rettung rund um die Uhr

Die Tierrettung wird an der VUW mit zwei Transport-LKW und sieben Fahrern rund um die Uhr betrieben. Nutztiere und Pferde werden quasi auf Einweisung eines Tierarztes bei Bedarf aus ganz Österreich an die Wiener Uni-Kliniken geholt, um die Tiere dort mit den modernsten Methoden behandeln zu können.

Pro Jahr gibt es rund 700 bis 1.000 Ausfahrten, der Transport ist für die Tierbesitzer in der Regel gratis. "Ich glaube kaum, dass sich etwa Bauern und Höfe die Transportkosten leisten könnten, wir müssten daher den Betrieb bei weiteren Kürzungen unseres Budgets einstellen", so Fircks.

Kein Rasenmäherprinzip

Die Uni-Verantwortlichen sprachen sich dagegen aus, die Budgetkürzungen nach dem Rasenmäherprinzip an die Institute weiter zu geben. "Wir werden schwerpunktmäßig dort sparen, wo Studium und Forschung am wenigsten leiden", so der VUW-Chef.

Neben der Tierrettung könnten auch Aufnahme und Gratis-Behandlung von aufgefundenen Wild- und Haustieren schon bald der Vergangenheit angehören. Lediglich in Wien sei dafür ein Fonds eingerichtet worden, andere Bundesländer könnten etwa für die Behandlung vom Zoll beschlagnahmter Tiere zur Kasse gebeten werden.

Investitionsmittel auf dem Stand von 1991

"Die drohende Kürzung des Budgets fällt in eine Zeit, da wir ohnehin schon Jahre lang einen Rückstand bei Investitionen haben", betonte Fircks. Laut Berechnungen von externen Gutachtern habe man an der Universität einen Rückstau an Erhaltung und Investitionen von elf bis 13 Millionen Euro. So müssten etwa Sterilisatoren in Operationsräumen dringend erneuert werden.

Die prognostizierten 1,3 Millionen Euro an Investitionskosten für heuer wären der gleiche Stand wie 1991, so Fircks. Das Argument, dass an der VUW ohnehin alles neu sei, würde nur zum Teil gelten. Viele Geräte hätten Ablaufdaten und diese seien vielfach schon weit überschritten.

Fehlende Mittel

Für die geforderte Implementierung des Universitätsgesetzes 2002 seien bisher keine Mittel zur Verfügung gestellt worden, bemängelte der Rektor weiter. Alleine an der VUW würden dafür 600.000 Euro nötig sein.

"Die Implementierung zu bestellen und dann nicht zu bezahlen gleicht nämlich Zechprellerei in einem Gasthaus", sagte Fircks. In Abstimmung mit der Österreichischen Rektorenkonferenz (ÖRK) werde man daher Rechnungen im Zusammenhang mit der Umsetzung daher an das Ministerium weiterleiten. (APA)

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