Handke will nicht länger ein Idiot sein...

18. Juni 2003, 15:33
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...und niemals wieder in der Öffentlichkeit auftreten, erklärte der Schriftsteller bei Verleihung der Ehrendoktorwürde

Salzburg - Bei Verleihung des Ehrendoktorats der Universität Salzburg hat der Schriftsteller Peter Handke am Mittwoch in Salzburg erklärt, zum letzten Mal öffentlich aufgetreten zu sein. Anders als in der Antike, wo die Idioten abseits der Stadt lebten, würden heute viele Idioten in der Öffentlichkeit stehen. Es sei die Frage, ob die Öffentlichkeit nicht mehr Idioten herausbringe, als die vielen, die im Verborgenen arbeiten würden. Deshalb wolle er nicht länger ein Idiot sein und niemals wieder in der Öffentlichkeit auftreten, sagte Handke in seiner Dankesrede zur Verleihung.

Das ist das letzte Mal, dass ich mein Idiotentum öffentlich zeige

"Deswegen sage ich hier ein für alle Mal: Liebe Leute, es freut mich, dass ich hier sein durfte, aber das ist das letzte Mal, dass ich mein Idiotentum öffentlich zeige. Ab jetzt könnt ihr mich vor Gericht bringen, wenn ich noch einmal im Leben öffentlich auftreten soll", sagte Handke.

Schmidinger: Einer der dezidiertesten Friedensstifter der neuen Literatur

Rektor Heinrich Schmidinger würdigte Handke als einen, der zur "Unperson" der großen Meinungsmacher geworden sei, was ihn sehr ehre. Seine literarisch-wissenschaftliche Beschäftigung biete neue Übergänge in eine offene Welt. Außerdem sei er mit seinem Schreiben und Erzählen einer der dezidiertesten Friedensstifter der neuen Literatur.

Laudotor Haslinger: Handke fordert einen neuen Blick auf die Dinge

In seiner Laudatio hob der Salzburger Germanist Adolf Haslinger, ein langjähriger Freund des Geehrten und Biograf von Handkes Jugendjahren hervor, dass Handke einen neuen Blick auf die Dinge fordere. Handkes Erzählkunst schaffe neue Zusammenhänge auf Grund tiefer innerer Erlebnisse. Vor allem Unscheinbares, Kleines, Nebensächlichkeiten erschienen bei Handke in neuer Form und Gestalt. Er gehe nicht einfach spazieren, er gehe. Handke sei Geograph, Naturforscher und Bildforscher zugleich, kenne jede Biegung, jede Erdbewegung, jedes Wirtshaus und jeden Kellner.

Zur Person

DDDr.h.c. Peter Handke, am 6. Dezember 1942 in Griffen (Kärnten) geboren, hat als hervorragende Dichterpersönlichkeit der deutschsprachigen Literatur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entscheidende Impulse gegeben. Sein Werk zählt zur Weltliteratur. Als Übersetzer literarischer Werke aus dem Altgriechischen, Englischen, Französischen und Slowenischen hat er zum Dialog der Sprachen und Kulturen beigetragen.

Handke lebte von 1979 bis 1987 in Salzburg. Hier schrieb er so bedeutende Werke wie "Die Lehre der Sainte Victoire" (1980), "Kindergeschichte" (1981), "Der Chinese des Schmerzes" (1983), "Nachmittag eines Schriftstellers" (1987), "Die Wiederholung" (1986) und "Die Abwesenheit" (1987). In dem Band "Am Felsfenster morgens" (1998) sind Notizen und Reflexionen aus den Salzburger Jahren 1982 - 1987 erschienen. Die Salzburger Festspiele brachten die Uraufführung seines dramatischen Gedichts "Über die Dörfer" (1982), ebenso seine Übertragung von Aischylos' "Prometheus gefesselt" (1986) auf die Bühne.

Salzburg ist nach Eichstadt und Klagenfurt die dritte Universität, die dem Schriftsteller ein Ehrendoktorat verliehen hat. Handke hat von 1979 bis 1987 in Salzburg gelebt. (APA)

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    Handke zwischen Haslinger (re.) und Schmidinger (li.)

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