Buch wird zum Fall für die Anwälte

16. Oktober 2003, 20:53
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SP- Gesundheitslandesrat kündigte rechtliche Schritte an - nach neuerlicher Kritik der ÖVP

Eisenstadt - Das Buch "Tatort Spital", in dem der Pathologe Wolfgang Pflanzl über ärztliche Kunstfehler in österreichischen Krankenhäusern schreibt, wird im Burgenland nun zum Fall für die Anwälte: Nach neuerlicher Kritik aus der ÖVP an der KRAGES (Burgenländische Krankenanstalten GesmbH, Anm.) im Zusammenhang mit einem im Buch geschilderten Fall kündigte Gesundheitslandesrat Peter Rezar (SPÖ) am Mittwoch rechtliche Schritte an.

Kritik an Umgang mit "Beweismaterial"

ÖVP-Landesgeschäftsführer Dietmar Halper hatte am Vormittag den Umgang mit "Beweismaterial" im Fall einer Patientin kritisiert. Der Frau war im Krankenhaus Kittsee bei einer Krebsoperation infolge einer Verwechslung laut Buchautor fälschlich der Magen entfernt worden. Bei einer nachfolgenden Untersuchung habe der Pathologe an dem entfernten Stück keinen Krebs feststellen können.

Arzt forderte Untersuchungsmaterial über Magenoperation an

Nach Veröffentlichung von "Tatort Spital" habe ein Arzt des Krankenhauses vor wenigen Wochen das gesamte histologische Untersuchungsmaterial aus der Pathologie Oberwart angefordert, so Halper. Dies sei "ein unüblicher Vorgang", da die Pathologie verpflichtet sei, derartiges Material 30 Jahre zu archivieren. Wenn das gesamte Material jenem Arzt ausgehändigt werde, der möglicherweise die Verantwortung für eine ärztliche Fehlleistung trage, dann sei das "zumindest eine unsaubere Vorgangsweise", so der ÖVP-Landesgeschäftsführer.

Es stelle sich die Frage, ob bei dieser Vorgangsweise die Integrität des Beweismaterials weiterhin gewährleistet sei, erklärte Halper. Buchautor Pflanzl habe den Vorfall mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft Eisenstadt angezeigt.

Die Vorwürfe Halpers würden von der Gerichtsmedizin widerlegt, und "die ÖVP hat den Bogen überspannt", konterte daraufhin Gesundheitslandesrat Rezar. Der Landesrat beruft sich auf das Ergebnis gerichtsmedizinischer Untersuchungen. Diese hätten den Krebsbefund im Gewebsmaterial, das dem Magen entnommen worden war, bestätigt.

Rezar: "Kunstfehler" niemals stattgefunden

Zudem habe eine DNA-Untersuchung "eindeutig" ergeben, dass die Gewebsprobe und der entfernte Magenteil von ein und derselben Person stammten. Der behauptete "Kunstfehler" habe niemals stattgefunden, so Rezar. Die Patientin sei heute beschwerdefrei und gesundheitlich in gutem Zustand.

Rezar kündigte in der Angelegenheit rechtliche Schritte an. Auf APA-Nachfrage hieß es dazu aus dem Büro des Landesrats, es würden Klagen des damaligen Operateurs und der KRAGES gegen den Buchautor Pflanzl vorbereitet. (APA)

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